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Antriebsduell um die Zukunft

Stanford-Expertise gegen unternehmerisches Markt-Wissen: Friedrich Prinz debattiert mit Jürgen Roth über die Zukunft der Mobilität. Was sie steirischen Zulieferern raten und wer das Rennen zwischen E-Mobilität und Verbrenner macht.

Friedrich Prinz und Jürgen Roth (v. l.) diskutierten in der WKO Steiermark die Antriebe der Zukunft.
© CS Friedrich Prinz und Jürgen Roth (v. l.) diskutierten in der WKO Steiermark die Antriebe der Zukunft.

Friedrich Prinz: Grundsätzlich lässt sich sagen: Die Verbrennungskraftmaschine ist noch nicht tot, weil Infrastruktur und Produktionssituation momentan noch vollkommen auf die traditionelle Automobilindus­trie abgestimmt sind. Dieser Übergang dauert aber nicht mehr länger als zwei Dekaden. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Batterie.

Jürgen Roth: Glauben Sie wirklich? Helmut List sagt schon heute, dass es der AVL als Weltmarktführer in wenigen Jahren gelingen wird, einen Dieselmotor ohne schädliche Emissionen für ein innerstädtisches Klima herzustellen.

Friedrich Prinz: Mit Ausnahme von CO₂.

Jürgen Roth: Ja, das stimmt natürlich. Das wird es immer geben. Was ich aber damit sagen will: Jeder Energieträger hat sein perfektes Anwendungsgebiet – vom Flug- über den Schiffsverkehr bis eben hin zu innerstädtischen Lösungen.

Friedrich Prinz: Nicht unbedingt. Denn es lässt sich bereits jetzt erkennen, dass weniger Forschungsgeld für den Verbrennungsmotor ausgegeben wird, die Konzerne ihre Ausgaben zur Verbesserung des Verbrennungsmotors deutlich zurückschrauben …

Jürgen Roth: …  dennoch bin  ich überzeugt, dass wir relativ weit im Spektrum denken müssen. Während die E-Mobilität für die Stadt prädestiniert ist, entfaltet die klassische Verbrennungskraftmaschine  ihre Vorzüge auf der Langstrecke.

Friedrich Prinz: Das Problem an dem von Ihnen genannten „breiten Spektrum“ liegt in der Kostenstruktur: Selbst ein großer Konzern kann nicht alles abdecken – das rechnet sich nicht. Man kann sich als Unternehmen nicht auf traditionelle Autos spezialisieren und zeitgleich andere Bereiche forcieren.

Jürgen Roth: Und was raten Sie unseren Automobilzulieferern in der Steiermark? Nur auf einen Antrieb zu setzen, ist hochriskant.

Friedrich Prinz: Volkswagen etwa konzentriert sich auf die Batterie – ich glaube, dass sie damit sehr erfolgreich sein werden. Den steirischen Zulieferern rate ich auch, auf die nächste Generation der Mobilität umzusteigen: auf die Elektro-Mobilität.

Jürgen Roth: Da haben Sie die Rechnung ohne das Netz gemacht.

Friedrich Prinz: Wie meinen Sie das?

Jürgen Roth: Wir reden von 20 bis 100 Einfamilienhäusern Anschlussleistung pro Schnellladestation – nicht verteilt über den ganzen Tag, sondern konzentriert auf Stoßzeiten. Das heißt: Dieses leistungsfähige Netz haben wir definitiv noch nicht, um das bewerkstelligen zu können. Dazu kommen die Probleme Reichweite, Gewicht, Recycelbarkeit, Rohstoffe  …

Friedrich Prinz: … ich muss Sie unterbrechen. Denn genau diese Herausforderungen löst die Batterie-Technologie der zweiten Generation. Die Feststoff-Batterie wird ähliche Reichweiten wie ein moderner Benziner erreichen.

Jürgen Roth: Wann ist diese Batteriegeneration aus Ihrer Sicht serienreif einsetzbar?   

Friedrich Prinz: Ein Jahrzehnt.

Jürgen Roth: Bleibt die He­rausforderung der Netzinfrastruktur – und natürlich das große Problem der seltenen Erden.

Friedrich Prinz: Der Rohstoff  Kobalt gilt als sehr kritisch und ist der teuerste bei den Lithium-Ionen-Akkus. In der nächsten Batterie-Generation soll der Kobaltgehalt halbiert werden.

Jürgen Roth:  Das ist bei 100 Millionen Batterien immer noch viel Kobalt. Besser wäre gar kein Kobalt.

Friedrich Prinz: Es wird auch an kobaltfreien Autos geforscht. Und dann ist es relativ einfach: Weil Menschen  fahren viel lieber mit E-Autos als mit einem Verbrenner. Ich bin neulich in einem Taycan gesessen. Wenn Sie einmal in so einem Fahrzeug sitzen, dann wollen Sie nur mehr ein E-Auto. Ein irres Fahrgefühl.

Jürgen Roth: Allerdings: Trotz sämtlicher Förderaktivitäten und Steuervorteilen, wie Nova- und Sachbezugsbefreiung, Gratis-Strom und vielem mehr bleibt der E-Boom weitestgehend aus. Vielleicht schätzen wir hier den klassischen Verbrenner-Sound doch ein wenig mehr als die Kalifornier …


Friedrich Prinz:
Der österreichische Physiker ist Vorstand des „Mechanical Engineering“ der US-Elite-Universität Stanford in Kalifornien. Er ist am kalifornischen Batterie-Start-up QuantumScape beteiligt.

Jürgen Roth:
Jürgen Roth ist CEO von Tank Roth, Vizepräsident der WKÖ, Aufsichtsratmitglied der Verbund AG, Vorstandsmitglied bei EuroCommerce und WKÖ-Obmann des Fachverbandes des Energiehandels. 

Die Diskussion erfolgte anlässlich eines vom Internationalisierungscenter Steiermark (ICS)  organisierten Workshops mit dem Stanford-Verantwortlichen in der Wirtschaftskammer Steiermark. Die WKÖ verfügt insgesamt über elf Partnerschaften  mit führenden internationalen Universitäten zum Know-how-Transfer.


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