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Albanien ist trotz Korruption gefragt

Im „Hinterzimmer Europas“ haben die Sozialisten bei den Wahlen am Sonntag die absolute Mehrheit erreicht. Marlinda Zotaj vom WKO-Büro in Tirana im Interview.

Die Wahlbeteiligung in Albanien war mit 46 Prozent besonders niedrig.
© rh2010 Die Wahlbeteiligung in Albanien war mit 46 Prozent besonders niedrig.

In Albanien wurde gewählt. Konnte man dadurch die Stabilität erreichen, die man sich im Land gewünscht hat? 

Marlinda Zotaj: Nachdem die regierende sozialistische Partei die absolute Mehrheit erreicht hat, kann man das schon sagen. Aber die Wahlbeteiligung war mit nur 46 Prozent so niedrig wie noch nie. Man weiß nicht, was jetzt wirklich passieren wird. 

War das Ergebnis unerwartet? 

Zotaj: Ja, man hat damit gerechnet, dass es zu einer großen Koalition mit der demokratischen Partei kommen wird. Nun können die Sozialisten alleine regieren, und das ist eine Überraschung. Bereits ein paar Wochen vor der Wahl wurde die Regierung umgebildet und einige Ministerien an die demokratische Partei übergeben. Das wird sich jetzt wieder ändern. 

Wie stehen die Sozialisten zum Thema Wirtschaft? 

Zotaj: Es gibt eigentlich kein Programm. Zumindest wurde im Wahlkampf kaum etwas Neues gesagt. Es wurde aber versprochen, die begonnenen Reformen weiterzuführen. Kern dabei ist eine Justizreform, die die Korruption bekämpfen soll. Außerdem soll jetzt endlich das „One Billion Project“, ein Private-Partnership-Projekt in den Bereichen Infrastruktur und Tourismus, gestartet werden.

Wie geht es Albanien derzeit wirtschaftlich? 

Zotaj: Die Stimmung ist derzeit nicht besonders gut. Grund dafür sind auch die enormen Schulden, die die Vorgängerregierungen unter der demokratischen Partei aufgenommen haben. 

Spielt Korruption immer noch eine große Rolle? 

Zotaj: Man wird immer noch mit Korruption konfrontiert. Aber nicht mehr überall und viel mehr auf hohem Niveau. Deshalb wird die aktuelle Justizreform auch von der EU vehement eingefordert. Derzeit ist es aber so, dass lokale Firmen es einfacher haben, Recht zu bekommen, als ausländische Firmen. Ich hoffe, dass sich das in den kommenden vier Jahren deutlich verbessern wird. 

Für welche Unternehmen ist unter diesen Umständen Albanien überhaupt attraktiv?

Zotaj: Man kann hier in viele Wirtschaftszweige investieren, etwa in der Lohnarbeit, im Tourismus, aber auch in der Landwirtschaft. Wenn die Reformen greifen, dann kann hier sehr viel Positives geschehen. Außerdem ist Österreich in Albanien schon jetzt sehr stark vertreten. Raiffeisen stellt etwa die größte Bank des Landes. Bemerkenswert ist auch, dass in Nordalbanien in der Stadt Shkodra eine österreichische HTL betrieben wird, und auch in der dualen Ausbildung tut sich schön langsam etwas. 

Interview: Michael Neumayr



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