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"Wir haben die Zukunft nie im Griff"

Corona hat unser aller Leben in den vergangenen Monaten massiv verändert: Wo Führungskräfte jetzt gefragt sind und wie man Krisen auch in Chancen verwandeln kann, das erklärt Psychiater Michael Lehofer

Michael Lehofer
© Juergen Fuchs Michael Lehofer ist Ärztlicher Direktor des LKH Graz II, Psychiater, Buchautor und Führungskräftecoach.

Seit zehn Monaten ist unsere Welt nicht mehr so, wie wir sie gekannt haben. Was hat Corona mit uns gemacht?

Michael Lehofer: Die Besonderheit an Corona ist, dass diese Krise uns plötzlich alle kollektiv betrifft – und nicht, wie sonst im Leben, ja solche Ereignisse immer nur einen einzelnen Unglücklichen treffen. Eine Krise in dieser Dimension ist etwas völlig Neues, das haben wir – bis auf wenige Ältere – noch nie erlebt, das war für keinen vorstellbar. Und wir alle sind jetzt gemeinsam, wenn auch in unterschiedlicher Stärke, von den ökonomischen und sozialen Auswirkungen betroffen.  

Hat das unser Zusammenleben verändert?

Lehofer: Ich denke nicht. Wir haben ja generell immer ein großes  Potenzial zum Jammern – jetzt sind es eben die Corona-Maßnahmen. Was die letzten Monate aber deutlich machten, ist, dass Krisen zusammenschweißen. Die Menschen zeigen in schweren Zeiten Solidarität, sie rücken stärker zusammen.

Dennoch empfinden viele diese Zeit als extrem belastend – Distanz, Kurzarbeit, Jobverlust oder die Angst, den Betrieb schließen zu müssen… 

Lehofer: Die Reaktion des Menschen auf Krisen mit Verzweiflung ist eine ganz natürliche. Weil wir plötzlich nicht vermögen, an jene Illusion, die wir von unserer Zukunft haben, zu glauben. 

Wir vermissen die Illusion?

Lehofer: Genau. Kein Mensch weiß, was das Morgen bringt, dennoch haben wir alle eine Idee davon und halten daran fest. Und jetzt leiden wir, weil diese Idee uns nicht mehr sicher scheint. Es ist eine Glaubenskrise – denn wir wollen daran glauben, dass wir uns auskennen.

Corona setzt viele Betriebe enorm unter Druck. Wo müssen Führungskräfte ansetzen?

Lehofer: Die Wirtschaft steht vor immensen Aufgaben im Sinne des Change Managements. Noch gibt es staatliche Auffangnetze – sind diese nicht mehr da, wird sich unweigerlich die Spreu vom Weizen trennen. Verstehen Sie mich nicht falsch, das soll auch nicht zynisch klingen, aber Corona hat in vielen Unternehmen Strukturen aufgezeigt, die einfach nicht mehr funktionieren. Man wusste das seit Langem, die Themen Digitalisierung, Remote Work und Co. sind nicht neu. Aber es bedurfte bei einer Vielzahl erst dieses massiven Drucks von außen, um tradierte Muster zu überdenken. Da wurden die Probleme schlagartig sichtbar. 

Homeoffice hat zugenommen – wenn auch, wie Sie sagen, oft erzwungenermaßen. Nicht alle sind damit zufrieden…

Lehofer: Die Dialektik zwischen Selbstverantwortung und kon-trolliertem Führungsstil ist das Problem. Denn gegenseitiges Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Führungskraft muss erst erarbeitet werden. Was Zeit braucht, die Corona vielen nicht gelassen hat. 

Was sagen Sie einem Unternehmer, der nun gezwungen ist, Mitarbeiter abzubauen? 

Lehofer: Tatsache ist, dass man sich oft von Mitarbeitern trennen muss, um das Unternehmen zu erhalten. Wesentlich ist aber, dass man in Ich-Botschaften spricht. Also nicht: „Wir müssen uns von Ihnen trennen“, sondern: „Ich muss aus diesen Gründen genau diese Entscheidung treffen“. Klingt logisch, fehlt aber leider zu oft und hinterlässt traumatisierte Mitarbeiter. Weil diese nicht klar nachvollziehen können, warum es gerade ihnen passiert.

Man sagt, jede Krise birgt auch Chancen…

Lehofer: Ja, Krisen können sehr befreiend sein, weil man unnötigen Ballast abstreift – oder eben wie jetzt durch die Corona-Maßnahmen dazu gezwungen wird, Dingen zu entsagen, von denen man vorher glaubte, ohne diese gar nicht leben zu können. Und man gewinnt Erfahrungen: Wenn ich mit Unternehmern spreche, die bereits schwierige Zeiten zu durchleben hatten, dann sehe ich, dass sie mit der aktuellen Krise leichter umgehen können. Es ist nämlich die Situation in der Schwebe, die wir so schwer aushalten können – etwa bei Trennungen oder vor einer Insolvenz. Wenn aber der Entscheidungspunkt einmal da ist, dann atmen wir durch und können uns neu orientieren, wir können uns wieder auskennen. Doch bei Corona fehlen uns diese Fixierungspunkte, alles schwebt, genau das macht es so schwierig. 

Aber wie können wir der Krise dann begegnen?

Lehofer: Indem wir uns vor Augen führen, dass wir die Zukunft nie im Griff haben – schon gar nicht in der Krise –, uns aber dennoch gegenseitig versprechen, dass wir diese Situation gemeinsam meistern werden. Dann schaffen wir das auch. Davon bin ich überzeugt.

Zur Person:

Michael Lehofer ist Ärztlicher Direktor des LKH Graz II und Leiter der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist außerdem Buchautor und Führungskräftecoach. Weitere Infos: www.michaellehofer.at


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