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Wie viel soziales Gewissen braucht die Wirtschaft?

Lassen sich Wirtschaft und Soziales auf einen gemeinsamen Nenner bringen? Zum Jahresabschluss hat die „Steirische Wirtschaft“ die Präsidenten von Wirtschaftskammer und Rotem Kreuz, Josef Herk und Gerald Schöpfer, zum großen Doppel-interview über „Gerechtigkeit“ im weitesten Sinn gebeten.

Chefredakteur Mario Lugger, WKO Steiermark Präsident Josef Herk, Rotes Kreuz Präsident Gerald Schöpfer und Redakteurin Miriam Defregger (v. l.).
© Fischer Chefredakteur Mario Lugger, WKO Steiermark Präsident Josef Herk, Rotes Kreuz Präsident Gerald Schöpfer und Redakteurin Miriam Defregger (v. l.).

Zu Weihnachten geht es ums Teilen, politisch oft ums Verteilen. Wie sozial darf oder muss die Wirtschaft da sein?

Gerald Schöpfer: Ich denke, dass eine moralisch richtige Handlung auch ökonomisch oft Sinn macht. Denn Wirtschaft ist schließlich ein soziales Gebilde, mit dem Ziel, die Menschen optimal zu versorgen. Gewinn ist dabei ein höchst legitimer Anreiz, für die Versorgung darüber hinaus braucht es aber auch Organisationen wie das Rote Kreuz. Darum freut es mich ganz besonders, dass uns mittlerweile mehr als eine Million Österreicher unterstützen – ob mit Geldbeträgen, durch Blutspenden oder freiwillige Einsätze.
Josef Herk: Ich würde die Frage anders stellen: Nicht wie sehr die Wirtschaft sozial sein darf oder muss. Nein, die Frage muss viel- mehr lauten, wie sozial ist unsere Wirtschaft? Denn wir leben in einem von Familienunternehmen geprägten Land. Da ist die Verantwortung gegenüber den Menschen und der Region meist fixer Bestandteil der Firmenphilosophie. 

Gegenfrage – wie wirtschaftlich muss Soziales sein?

Herk: In jedem Bereich ist der ökonomische Faktor wichtig. Schließlich muss man auch in sozialen Einrichtungen Mitarbeiter bezahlen, immer nur aus der Kassa rausnehmen geht da nicht. Darum braucht es in der Gesellschaft eine unternehmerische Grundhaltung – wir nennen diese „Selbstverständlich selbständig“.

Schöpfer: Das Rote Kreuz hat 8.300 hauptberuflich Tätige und über 74.000 unbezahlte Freiwillige, die großartigen Einsatz leisten. Wirtschaftlichkeit ist da natürlich wichtig, allerdings kann es nicht die einzige Bemessungsgrundlage sein. Denn ein Bürger in Mariazell hat das gleiche Recht auf bestmögliche Versorgung wie jemand im Großraum Graz – auch wenn es mit anderen Kosten verbunden ist.  

Österreich verfügt über eines der dichtesten Sozialnetze. Gibt es Bereiche, wo es trotzdem noch mehr staatliche Sicherung bräuchte? Und umgekehrt: Wo bräuchte es mehr Eigenverantwortung?

Herk: Wir können stolz auf unser soziales Netz sein. Allerdings darf dieses nicht als Hängematte missbraucht werden, und aus diesem Grund plädiere ich auch für mehr Eigenverantwortung. Wobei eines außer Streit steht: Jeder, der Hilfe braucht, soll sie bekommen – allerdings nicht als staatliches Almosen, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe. 

Schöpfer: Es gibt schon so etwas wie verschämte Armut, wo hilfsbedürftige Menschen nicht wirklich sichtbar werden. Dafür haben wir unsere Spontanhilfe ins Leben gerufen, für die zum Beispiel allein die Firma Lidl 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Unser Grundsatz lautet: Hilfe bekommt jeder, der sie braucht – ganz gleich welcher Herkunft. Das gilt genauso für Flüchtlinge, sie müssen in Österreich gut behandelt werden. Leider stellen wir da eine zunehmende Polarisierung fest, auch gegenüber uns NGOs.  

Bleiben wir beim Thema Armut. Mehr als 300.000 Menschen beziehen in Österreich Mindestsicherung, gleichzeitig herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Wie kommt es zu diesem Mismatch?

Schöpfer: Man weiß nie, was einen Menschen in die Armut getrieben hat. Oft stehen schlimme Schicksale und unverschuldete Not dahinter, aber natürlich gibt es da auch welche, die das System ausnutzen. Darum kann man hier in der öffentlichen Debatte auch nicht alle in einen Topf werfen. Was man aber dagegen sehr wohl tun kann, ist, die Bildung zu stärken. Denn Ausbildung und Qualifizierung sind  der sicherste Weg aus der Armut – und auch der sicherste Weg zu einer besseren Integration!

Herk: Das kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Einen besseren Integrationsfaktor als die Arbeitsbank gibt es nicht. Trotzdem möchte ich schon festhalten, dass wir auch die eine oder andere Systemschraube anziehen müssen. Denn es kann nicht sein, dass im Ennstal hunderte Köche und Kellner aus dem Ausland geholt werden müssen, während in Wien hier Unzählige arbeitslos gemeldet sind. Da passt für mich etwas ganz gewaltig nicht, hier müssen wir Mobilität fordern und fördern. Angesichts der demografischen Entwicklung können wir uns alles andere nicht länger leisten. 

Wie wichtig ist dabei auch das Thema gesellschaftliche Leistungsgerechtigkeit?

Herk: Sehr wichtig. Vor allem in dem Sinn, dass Leistung etwas Positives ist. Im Sport würdigen wir das auch, da sind wir stolz auf die Marcel Hirschers unseres Landes. Im beruflichen Bereich dagegen wird man allzu schnell als überehrgeizig oder Streber abgestempelt. Das wollen wir ändern. Mitunter war das auch ein Grund dafür, warum wir die Berufs-EM, die „EuroSkills“ 2020, nach Graz geholt haben. 

Schöpfer: Leistungen müssen honoriert und entsprechend belohnt werden, das ist klar. Allerdings dürfen diejenigen, die krankheitsbedingt oder aus anderen Gründen diese nicht erbringen können, nicht auf der Strecke bleiben. Humanität ist für uns als Rotes Kreuz immer noch der wichtigste Grundsatz.

Die aktuellen Ereignisse in Frankreich zeigen, dass der soziale Frieden in einem Land nichts Selbstverständliches ist. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die Sozialpartnerschaft?

Schöpfer: Ohne Zweifel sehr wichtig, auch wenn ich ihr gegenüber inzwischen etwas kritischer geworden bin, da die Reformfähigkeit einfach abgenommen hat. 

Herk: Die Sozialpartnerschaft ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eine Notwendigkeit, die aber nicht zum Selbstzweck werden darf. Darum plädieren wir für eine Zukunftspartnerschaft, die sich den großen Herausforderungen stellt.

Von Mario Lugger und Miriam Defregger

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