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Wie Reklamationen einen Inklusionsarbeitsplatz schufen

Bei Scheucher-Parkett in Mettersdorf sorgen (auch) Menschen mit Beeinträchtigungen für Qualität: ein Lokalaugenschein.

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Es duftet nach Holz, die Maschinen heulen – und der Stapler bringt schon die nächste Palette mit Bodendielen: ein normaler Arbeitstag bei Scheucher-Parkett in Mettersdorf am Saßbach. Vier Mitarbeiter arbeiten in einem Mordstempo an den Oberflächen der Dielen, schleifen scharfkantige, natürliche Risse und Äste heraus, damit sie im nächsten Schritt der Produktion versiegelt werden können. Sie sind ein eingespieltes Team, und wäre da nicht ein eigener Vorarbeiter für vier Mann, könnte niemand erkennen, dass die vier Arbeiter von der Lebenshilfe Bad Radkersburg betreut und Menschen sind, die Beeinträchtigungen haben. Sie machen ganz normal ihre Arbeit, sie machen sie schnell und sie machen sie gut. „Ich kann Ihnen sagen: Wir sind sehr froh, dass wir sie haben“, sagt Firmenchef Karl Scheucher. Er führt gemeinsam mit seiner Frau Isabella den Familienbetrieb in dritter Generation. Seit 1920 schon gibt es das „Sägewerk“ in Zehensdorf, seit 2012 das Projekt mit der Lebenshilfe. „Wir hatten früher immer wieder Reklamationen bei rustikaler Ware, und wir haben uns damals gefragt, wie wir das lösen könnten“, erzählt Scheucher. Eine maschinelle Lösung wäre viel zu teuer gewesen – und auch das Auslagern in eine Behindertenwerkstatt in Mureck war mit erheblichem (Transport-)Aufwand verbunden. Gemeinsam mit dem Arbeitsmediziner, der Sicherheitsfachkraft und der Lebenshilfe hat man sich letztlich für die Werkstatt im Betrieb entschieden. „Wir entlohnen die Arbeit jetzt nach Quadratmetern, und der Ablauf ist sehr flexibel: Wenn es mehr zu tun gibt, kommen auch einmal mehr Leute zu uns“, erklärt Scheucher.

Und wie haben die anderen Mitarbeiter reagiert? „Ich denke, dass am Anfang eine gewisse Neugier da war, wie das funktionieren wird. Heute ist es für uns im Betrieb aber ein ganz normaler Standard, es wird nicht beachtet, es ist einfach kein Thema mehr. Unsere Mitarbeiter von der Lebenshilfe sind hier gerne gesehen und sie leisten eine wichtige Arbeit für uns“, sagt Scheucher. Die Zeit der Reklamationen sei nämlich vorbei – und das Projekt mit der Lebenshilfe ein voller Erfolg, auch wirtschaftlich. Scheucher: „Das hat sich für uns ausgezahlt, es war eine gute, nachhaltige Lösung. Und man merkt auch, dass die Leute bei uns glücklich sind, dass sie sich gebraucht fühlen und für den Betrieb wichtig sind.“

„Mir macht die Arbeit einfach riesigen Spaß“

Das bestätigen auch die Arbeiter selbst in einer kurzen Pause, die sie nur ausnahmsweise für einen kurzen Tratsch mit der „Steirischen Wirtschaft“ einlegen. „Ich habe eine Lehre als Tischler gemacht, die Arbeit mit Holz macht mir einfach riesigen Spaß“, erzählt Alfred. Er war von Anfang an dabei, kommt immer noch jeden Tag gerne in die Werkstatt und nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Schließlich muss die Qualität passen, denn die Dielen gehen in 45 Länder dieser Welt, darunter China, die Mongolei und auch Nigeria. Scheucher-Parkett hat eine Exportquote von 78 Prozent, produziert jährlich rund zwei Millionen Quadratmeter Parkett in Zehensdorf und beschäftigt hier 200 Mitarbeiter, die zu 90 Prozent im Umkreis von zehn Kilometern zu Hause sind. Pro Lehrjahr gibt es drei Lehrlinge – Mädchen sind dabei übrigens in der Überzahl.


von Klaus Krainer


 Mehr zum Unternehmen: www.scheucherparkett.at

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