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Wie China Corona hinter sich lässt

In jenem Land, in dem die Corona-Pandemie ihren Ausgang fand, wächst die Wirtschaft heute stärker als anderswo. Michael Berger, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Peking, gibt Einblick in die Situation vor Ort.

Menschen in China mit MNS in der U-Bahn
© blue planet studio, adobe stock Der Alltag in China ist wieder (fast) normal.

Vor mehr als einem Jahr begann das Corona-Virus sich von China aus über den Globus auszubreiten. Heute scheint das Land das Virus im Griff zu haben, während Europa gegen die dritte Welle ankämpft. Zudem ist China wohl das einzige Land der Welt, das für das Jahr 2020 ein Wirtschaftswachstum verzeichnete (+2,3%). „Für das Jahr 2021 rechnen Experten sogar mit einem Wachstum von mehr als acht Prozent“, so Michael Berger, Wirtschaftsdelegierter in Peking. Dies könne vor allem durch die Industrieproduktion und Exporte erzielt werden, selbst wenn jetzt neue Sanktionen durch die EU drohen. In den letzten Jahren habe der Binnenkonsum verstärkt zu Chinas Wirtschaftswachstum beigetragen, wenngleich Chinas Konsumenten seit Covid bei Neuanschaffungen vorsichtiger geworden seien.

Was macht das Land bei der Bekämpfung des Virus anders als Europa? „Seit letztem Sommer ist der Alltag wieder halbwegs normal, vom allgegenwärtigen Einchecken mit ‚Health-Apps‘ und internationalen Reiserestriktionen einmal abgesehen“, berichtet Berger. Neue Infektionscluster habe es zwar gegeben, diese wurden aber dank rigorosem Contact Tracing durch Tracking-Apps und scharfe Quarantänemaßnahmen rasch lokal isoliert. So konnte eine landesweite zweite Infektionswelle verhindert werden. „Hinzu kommt die hohe Disziplin der Bevölkerung, was das Tragen von Masken und das Einschränken der Reisebewegungen betrifft.“ Bis Ende Juni sollen 40 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Im Unterschied zu anderen Ländern hat die erwerbstätige Bevölkerung dabei Vorrang gegenüber den Älteren – das soll die Wirtschaft ankurbeln. 

Wirtschaftsbeziehungen

Der Handel zwischen Österreich und China ist seit Jahren gestiegen und umfasste 2020 mehr als 14 Milliarden Euro. Damit ist das Reich der Mitte Österreichs fünftwichtigster Handelspartner weltweit. Aus der Beschleunigung von Post-Covid-Trends ergeben sich auch für österreichische Unternehmen zahlreiche interessante Geschäftsmöglichkeiten (siehe auch Interview rechts).

Offen ist, wie sich die Beziehung mit den USA weiterentwickelt. Beide Seiten sind wirtschaftlich voneinander abhängig. „Allen Konflikten zum Trotz ist der chinesische Außenhandelsüberschuss 2020 weltweit um 27 Prozent auf 535 Milliarden US-Dollar und jener mit den USA um sieben Prozent auf 300 Milliarden US-Dollar gestiegen, was eine Verknappung und Preissteigerungen auf Frachtrouten bewirkt hat“, so Berger.

Interview mit Wan Jie Chen

China ist die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, was ist die Strategie? 

Chen: Dass China westliche Produkte kopiert, ist längst Geschichte. Statt „made in China“ heißt es nun immer öfter „made by China“. Man setzt auf Innovation, Forschung und Entwicklung und möchte bei der Qualität führend sein. Das Land hat bei der Zahl der angemeldeten Patente bereits die USA überholt. Man setzt auf ein „Upgrade“ der Wirtschaft mit Fokus auf hochwertige Produkte. Die Herstellung von niederwertigen Waren wird zunehmend in andere Länder in Südostasien verlagert. 

Wird China auch weiterhin stark auf Export setzen?

Chen: Letzten November wurde das weltweit größte Freihandelsabkommen – RCEP – mit 15 asiatisch-pazifischen Staaten mit insgesamt 2,3 Milliarden Menschen geschlossen. Ende 2020 wurde eine politische Einigung über ein Investitionsabkommen zwischen der EU und China erzielt. Und auch die Infrastruktur wurde in den letzten Jahren massiv ausgebaut: Etwa mit der 2013 initiierten „neuen Seidenstraße“, des im Endausbau 81.000 Kilometer langen, 26 Länder durchquerenden Bahnnetzes vom Osten Chinas nach Europa sowie der „maritimen Seidenstraße“ von Shanghai nach Venedig. 

Was sieht der Fünf-Jahresplan von 2021 bis 2025 vor?

Chen: Schwerpunkte sind etwa Informationstechnologie der nächsten Generation, Biotechnologie, neue Energien, neue Materialien, grüner Umweltschutz, mit erneuerbarer Energie betriebene Fahrzeuge, Luft- und Raumfahrt sowie Ozean-Equipment.

Wo sehen Sie Chancen für steirische Firmen?

Chen: In all den hier genannten Bereichen, aber auch im Konsum. Etwa 400 Millionen Chinesen gehören der Mittelschicht an. Sie geben Geld für Bekleidung, gutes Essen, Wohnen, Vergnügen und Luxus aus. Bis 2025 werden es 600 Millionen sein. Sie sind auch für den Österreich-Tourismus interessant. 

Wan Jie Chen ist Exportberater und Direktor des Konfuzius-Instituts der Universität Graz 

Von Petra Mravlak

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