th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

Wenn das Christkind nicht rechtzeitig liefern kann

Die Pandemie hat Lieferketten ins Stocken gebracht – es fehlen Waren, Komponenten, Frachtcontainer und Personal, um Rückstaus abfzufedern. Ein Blick auf die Achillesferse des internationalen Handels.

internationaler Handel
© Adobestock, Sapsiwai Die Corona-Pandemie hat die internationalen Lieferketten schwer erschüttert.

Das brandneue Smartphone, der Fernseher mit der  neuesten Display-Technologie, die Funktionsskijacke in den Trendfarben der Saison oder der schicke Puppenwagen – vieles, was hierzulande unter dem Christbaum landet, hat schon eine weite Reise hinter sich. Meist führt diese von den Häfen in Fernost über die Nordseehäfen – wie Rotterdam oder Hamburg – oder die Adriahäfen – wie Koper oder Triest – weiter nach Europa und letztendlich per Lkw in den heimischen Handel. So gelangten im Jahr 2019 Waren im Wert von etwa einer Milliarde Euro allein aus China in die Steiermark – die Bandbreite reicht dabei von Komponenten für die Industrie – etwa Chips – bis hin zu fertigen Elektronikgeräten, Textilien oder Möbeln. Und wir sind es gewöhnt, dass alles, was das Herz begehrt, zu jeder Zeit überall verfügbar ist. Denn die Lieferketten waren in der Vergangenheit auf das Genaueste durchgetaktet. 

Dem hat die Corona-Pandemie ein jähes Ende bereitet. „Mit Covid-19 ist die Zeit der linear optimierten Lieferketten zu Ende gegangen“, berichtet Christian Steindl, Geschäftsführer des Cargo Center Graz. „Seit Monaten sind zeitlich optimierte Lieferketten nicht mehr planbar“ (siehe unten). Die Folge: Liefer-engpässe und steigende Kosten. Die Ursache sieht Steindl in den pandemiebedingten, kurzfristig angeordneten Sperren und damit einhergehenden Abwicklungsverzögerungen in den einzelnen chinesischen Industriezentren und Verladehäfen. 

Die Schwachstellen der globalen Lieferketten 

Wie schnell das internationale Handelssystem ins Wanken geraten kann, das hat auch die Blockade des Suezkanals im März dieses Jahres durch die Havarie eines einzigen Containerschiffs aufs Deutlichste aufgezeigt: Ein  Stillstand von nur fünf Tagen hat zu einer wahren Kettenreaktion geführt. „Es kam einerseits zu einem Lieferengpass bei Zulieferkomponenten und Saisonartikeln im Handel, andererseits fehlten dadurch aber auch mehrere hunderttausend Leercontainer für die Exportindustrie“, weiß Steindl. Seit 2019 habe sich die durchschnittliche Verspätungsdauer der Schiffe nahezu verdoppelt, auf derzeit sieben Tage. Liefen im Jahr 2019 weltweit mehr als 80 Prozent der Schiffe pünklich im Hafen ein, so waren es 2021 nur mehr knapp über 30 Prozent. Und das hat wiederum massive Auswirkungen auf die Abwicklung in den Häfen selbst. „Es führt zu unplanbaren Spitzenauslastungen und der allerorts präsente Arbeitskräftemangel verhindert wiederum die Möglichkeit, diese Peaks abzufedern.“ Die Folge: Rückstaus in diversen Seehäfen, die letztendlich 15 Prozent der weltweiten Schiffskapazitäten kosten. Zu den Gewinnern zählen die Reedereien, die ihre Marktposition stärken konnten. So sei eine zunehmende Konzentration auf drei wesentliche Reedereiallianzen erkennbar, so Steindl. 

Steigende Frachtpreise

All das führt letztendlich zu einer enormen Preissteigerung, die über kurz oder lang wohl auch bis zum Konsumenten durchschlagen kann. „In den vergangenen Monaten haben sich die Kosten für Importseefracht aus dem fernen Osten mehr als verfünffacht“, berichtet Steindl. „Und zwar von durchschnittlich 2.000 Dollar auf über 10.000 Dollar.“

Doch welche Optionen haben heimische Unternehmen? In der Nähe einkaufen? „Falls regionales Sourcing innerhalb Europas möglich ist, sollte man dies ernsthaft prüfen“, so der Experte. Für die Mehrheit der Unternehmen sei dies allerdings keine Option. Als Alternative nennt Steindl die kontinentale Seidenstraße, mit Zugsverbindungen aus China nach Österreich. „Im Idealfall lässt sich so die Gesamtdurchlaufzeit im Vergleich zur Seefracht auf rund 20 Tage halbieren.“ Da Just-in-time-Lieferungen nicht mehr funktionieren, sollte auch eine ausgedehntere Lagerhaltung evaluiert werden. Mit einer Entspannung der Lage in der Seefracht rechnet Steindl frühestens im dritten Quartal des Jahres 2022, allerdings nur, wenn die Covid-19-Maßnahmen weitreichend greifen. 

Das gesamte Interview mit Christian Steindl lesen sie auf standort-wirtschaft.at

Das Problem mit den Lieferketten

Waren werden heute um den gesamten Globus transportiert. Das bringt Chancen im Export, aber auch Gefahren. Der internationale Warenverkehr der EU hat sich seit 2009 nahezu verdoppelt, und auch die Steiermark mischt dabei kräftig mit. Bedingt durch den Wirtschaftseinbruch 2020 stellen sich Firmen nun die Frage, wie sie ihre Lieferketten weniger anfällig gestalten können. „Einerseits geht es darum, Lieferketten transparenter zu machen, zum anderen kann man versuchen, alternative Lieferanten, etwa in Osteuropa, zu finden“, so Robert Brugger, Geschäftsführer des Internationalisierungscenter Steiermark (ICS). Auch der Einsatz neuer Technologien trägt zur Risikominimierung bei. „In den Bereichen Elektronik, Werkzeuge und organische Chemikalien sind wir so stark von China abhängig, dass eine Verlagerung mit einem sehr großen Aufwand verbunden wäre“, so Brugger.

Von Petra Mravlak

Das könnte Sie auch interessieren

Jakarta

Indonesien: Urlaubsparadies und Umweltsünder

Indonesien ist der größte Inselstaat der Welt und ein Land der Superlative und Vielfalt. Ein Blick auf den Wirtschaftsstandort. mehr

Sitzungssaal COP-26-Konferenz in Glasgow

Klimakonferenz in Glasgow: Sind wir noch zu retten?

Das Erreichen des 1,5-Grad-Zieles stand im Zentrum der COP 26. Ob dort die richtigen Impulse gesetzt wurden, wird sich allerdings erst zeigen. mehr

Deutschland: Reichstag

Deutsche Richtungswahl für die Wirtschaft

Am 26. September finden in Deutschland Bundestagswahlen statt. Deren Ausgang wird auch Einfluss auf die heimische Wirtschaft haben. mehr