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Was hinter dem Gasthaus-Sterben steckt

Das Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung hat dieses Thema in einer aktuellen Studie untersucht.

Das Steirerland ist ein Tourismusland. Die Wertschöpfung des Kernbereiches Gastronomie und Beherbergung beträgt aktuell 1,47 Milliarden Euro, das entspricht vier Prozent des steirischen Bruttoregionalprodukts. Ergänzt um touristisch induzierte Effekte in anderen Wirtschaftsbereichen  sowie um Ausgaben der Bevölkerung für Freizeitaktivitäten entfallen sogar 11,5 Prozent der weiß-grünen Bruttowertschöpfung auf den Sektor Tourismus und Freizeitwirtschaft. „Umso mehr Aufmerksamkeit muss man dem aktuellen Strukturwandel dieser Branche schenken und darauf entsprechend reagieren“, betonen die beiden Fachgruppenobleute von Gastronomie und Hotellerie, Barbara Krenn und Hans Spreitzhofer. Einer aktuellen Studie des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung  (IWS) zufolge, ist die Zahl der traditionellen Betriebsarten Gasthaus (-26,2 Prozent) und Gasthof (-25,6 Prozent) seit dem Jahr 2000 nämlich kontinuierlich geschrumpft. Dagegen sind die Betriebsarten Restaurant (+41,5 Prozent) und Kaffeehaus (+21,7 Prozent) erheblich gestiegen. „Das belegt, dass gerade traditionelle Betriebe in der Gastronomie einige schwerwiegende Herausforderungen zu bewältigen haben. Die Zunahme der Restaurants zeigt aber auch, dass die Gastronomie in den letzten zwei Jahrzehnten qualitativ höherwertiger geworden ist. Die Mehrzahl an Cafes ist vor allem auch mit der Zunahme an Franchisenehmern und Migrantenbetrieben zu erklären“, weiß Krenn. 


Das Gastgewerbe ist aber auf jeden Fall auch ein Beschäftigungsmotor. Insgesamt, über alle Betriebsarten hinweg, stieg hier die Anzahl der Mitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren um 26,7 Prozent. Aktuell zählt das steirische Gastgewerbe 4.776 Arbeitgeberbetriebe (3.488 Gastronomie und 1.288 Hotellerie), sie beschäftigen 33.081 Personen (19.986 Gastronomie und 13.095 Hotellerie).

Herausforderungen von traditionellen Gastronomiebetrieben

Der Strukturwandel sei auf jeden Fall unverkennbar, betonen Krenn und Spreitzhofer. „Umso wichtiger ist es, diesen in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Aus diesem Grund hat das Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung nun im Rahmen einer Umfrage unter 250 Traditionsbetrieben aus der steirischen Gastronomie die größten Herausforderungen für die Branche erhoben. Hier die wesentlichen Kernaussagen:

 
  • Zwei Drittel würden kein Unternehmen in der Gastronomie mehr gründen: Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Unternehmen gaben an, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt (eher) kein Unternehmen in ihrer gegenwärtigen Branche und Standort mehr gründen würden. In den letzten Jahren hat sich bei über 60 Prozent der traditionellen Gastronomiebetriebe die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Bei 22 Prozent blieb die Situation unverändert. Nur circa jeder zehnte Betrieb gab an, dass sich die Lage verbessert hat.
  • Persönlichkeit des Traditionsgastwirts wird geschätzt: Von diesen 10 Prozent, für die sich die Lage gebessert hat, wird als Hauptgrund für die Verbesserung angegeben, dass die Persönlichkeit des Unternehmers geschätzt wird. Als weitere Gründe werden die verstärkte Nachfrage nach regionalen und traditionellen Angeboten und ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis genannt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Traditionsbetriebe in der Gastronomie wieder häufiger als Kommunikationszentrum bzw. Treffpunkt wahrgenommen werden.
  • Regionalität gewinnt an Bedeutung: Knapp zwei Drittel der befragten Gastronomen sind der Meinung, dass Regionalität in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Allerdings wird von auch angemerkt, dass Einheimische die Regionalität weniger schätzen als Gäste von anderen Regionen oder Ländern.
  • Bürokratie ist Hauptgrund für wirtschaftliche Verschlechterung: Als Grund für die Verschlechterung werden am öftesten „behördliche Auflagen“ (92 Prozent) genannt. Weitere bedeutende Punkte für die Verschlechterung sind der zunehmende Druck durch die Konkurrenz von Vereinen und Buschenschenken (76 Prozent), hohe Investitionskosten (65 Prozent), der Mangel an Personal (51 Prozent), der Preisdruck (50 Prozent) sowie die allgegenwärtige Nachwuchs- und Nachfolgeproblematik (34 Prozent).


So begegnet die Branche diesen Herausforderungen

Gerade das Gastgewerbe ist in Sachen Bürokratie in den letzten Jahren eine besonders gescholtene Branche: Hygienerichtlinien, Allergenverordnung, Nichtraucherschutz, Barrierefreiheit  oder Kassen- und Belegerteilungspflicht sind bezeichnend für die nicht mehr handhabbare Vorschriftenflut. Allein 75  Prüf- und Dokumentationspflichten sind seitens der Gastronomie und Hotellerie einzuhalten.

  • Forderung: „Diese bürokratischen Lasten müssen im Zuge einer Evaluierung spürbar reduziert und vereinfacht werden“, so Krenn und Spreitzhofer.
 

Weiters machen sich die Branchenvertreter für einen fairen Wettbewerb stark. „Gut 70 Prozent der Befragten verzeichnen aufgrund von Vereinsaktivitäten rückläufige Umsätze. Auch Buschenschenken werden als starke Konkurrenz verspürt. Hier weitere Erleichterungen für Vereine zu beschließen, wie jüngst etwa bei der Registrierkassenpflicht, geht eindeutig zu Lasten der Gastronomen“, so Krenn. Aus diesem Grund wurde die WKO Kampagne „Fair Play für die Gastronomie“ ins Leben gerufen.

  • Forderung: Einführung eines bundesweiten Registers für Veranstaltungen. Gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Organisationen nehmen in Österreich eine unbestritten wichtige Stellung ein und leisten einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Der Gesetzgeber hat für gemeinnützig tätige Vereine auch weitreichende Privilegien geschaffen. Diese Vorteile stehen allerdings nur dann zu, wenn die strengen Voraussetzungen auch tatsächlich erfüllt werden. Den Behörden ist es nicht bzw. oft nur unter sehr großem Aufwand möglich zu kontrollieren, ob diese Grenzen eingehalten werden. „Hier wäre im Sinne der Transparenz eine österreichweite Datenbank notwendig“, so Krenn und Spreitzhofer.
 

Darüber hinaus ist das Gasthaus als „Kommunikationszentrum“ ein unverzichtbarer Bestandteil des örtlichen Zusammenlebens. Ein Umstand, der auch von der Politik stärker gewürdigt und im Förderwesen berücksichtigt werden sollte.

  • Forderung: „Wenn Landwirte von der öffentlichen Hand Förderungen erhalten, weil sie als Landschaftspfleger eine wichtige Funktion für die Umwelt und den Erhalt der Kulturlandschaft leisten, dann sollte man dies auch analog für Gastgewerbebetriebe andenken, die als Kommunikationspfleger eine ebenso wichtige Funktion für die Dorfgemeinschaft erfüllen“, so Krenn und Spreitzhofer.
   

Startschuss für Kampagne „Job mit Aussicht“

Eine weitere Herausforderung für immer mehr die Suche nach qualifiziertem Personal zu finden. Flexible Arbeitszeiten, weltweite Berufschancen, hohe Arbeitsplatzsicherheit, Kontakt mit Menschen, Jobs in der Region und gute Zuverdienstmöglichkeiten zeichnen die Arbeit in der Gastronomie aus. Dennoch ist diese Arbeit mit einem schlechten Image behaftet. Die Angst vor hohem Druck bei geringem Lohn oder die Arbeit in der Nacht und an Wochenenden wirken abschreckend. Dem wollen Die Fachgruppen Gastronomie und Hotellerie nun mit der Kampagne „Job mit Aussicht“ entgegenwirken. „Ziel ist es, das Image von Berufen im Gastgewerbe in den kommenden Jahren kontinuierlich zu verbessern“, betonen Krenn und Spreitzhofer. Die gesamte Berufsgruppe – unabhängig davon ob in einem selbstständigen oder einem unselbstständigen Beschäftigungsverhältnis – wird durch Imagemaßnahmen auf verschiedensten Kommunikationskanälen (TV, Print, Soziale Medien etc.) gestärkt. Inhaltlich zusammengefasst werden alle Maßnahmen auf der neuen Onlineplattform www.jobmitaussicht.at.

 

Dies ist auch aus einem anderen Grund wichtig. In den nächsten zehn Jahren steht bei rund einem Viertel der steirischen Gastronomie- und Hotelleriebetriebe die altersbedingte Betriebsübergabe an. Für den steirischen Tourismus ist somit der Generationenwechsel ein wichtiges Zukunftsthema. Hier hilft die Initiative „Follow me“.


Rückfragehinweis:

Mag. Mario Lugger
Referatsleiter Kommunikation
T 0316/601-652

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