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Warum Portugal oft unterschätzt wird

Der Wirtschaftsstandort Portugal wird oft als „Anhängsel“ Spaniens betrachtet – ein Fehler, wie die Wirtschaftsdelegierte Esther Maca bestätigt.

Stadtansicht Lissabon
© Adobestock, TT Studio Die Hauptstadt Lissabon ist einer der Touristenmagnete Portugals.

Bis vor kurzem galt Portugal als Musterschüler bei der Coronabekämpfung. Grund genug, um die Wirtschaft des im äußersten Wes-ten der EU gelegenen Nachbarn Spaniens genauer zu betrachten. „Portugal wird als Marktplatz für österreichische Unternehmen oft unterschätzt“, ist die Wirtschaftsdelegierte Esther Maca überzeugt. Dabei gehe das Land ganz eigenständige Wege. So nimmt es auch in der Politik derzeit eine Sonderstellung ein: Die Großparteien sind in einem ganz ähnlichen Spektrum angesiedelt – weit links im Vergleich zur österreichischen Politiklandschaft. Von den vorgezogenen Parlamentswahlen am 30. Jänner – die bisherige Minderheitsregierung ist mangels einer Budgeteinigung für 2022 gefallen – erwartet Maca keinen grundlegenden Richtungswechsel. Die Mittel für den Wiederaufbau seien von der EU festgelegt und auch eine neue Regierung könne kein Geld aus dem Budgethut zaubern. „Dass demnächst unpopuläre Strukturreformen in Angriff genommen werden, ist unrealistisch, egal welche Regierung der Großparteien auch kommen wird.“ Wichtig sei nun, dass rasch wieder eine entscheidungsfähige Regierung stehe. Der Wahlausgang dürfte jedenfalls kaum Auswirkungen auf die Wirtschaft im Land haben. 

Chancen für Steirer

Für österreichische Firmen bietet Portugal großes Potenzial: „Es gibt Vorteile, mit einem Land vergleichbarer Größe und Einwohnerzahl auf Augenhöhe Geschäfte zu machen“, ist Maca überzeugt. Auch die „Heimmärkte“ seien gewissermaßen komplementär: „Liegen für die Steirer etwa Slowenien und Ungarn vor der Haustür, so sind es für die Portugiesen Angola, Mosambik, Brasilien, Macau oder Ost-Timor. Viele heutige Manager wurden in diesen Ländern geboren,  haben dort Familie oder haben dort zumindest für einige Zeit gearbeitet“, so Maca. Ihr Radius biete steirischen Unternehmen die Möglichkeit, in schwierigen Märkten im Windschatten portugiesischer Firmen Geschäfte zu machen. Aktuell gibt es 35 österreichische Niederlassungen in Portugal, Tendenz steigend. Und auch die österreichischen Exporte sind von Jänner bis August 2021 um 21,4 Prozent geradezu in die Höhe geschossen. Insgesamt geht es um ein Handelsvolumen (Waren und Dienstleistungen) von über einer Milliarde Euro. 

Die Pandemie mit damit einhergehenden Störungen der internationalen Lieferketten machen Portugal als Nearshoring-Alternative attraktiv. So im Textilbereich, wo es mit nachhaltiger, smarter Produktion und veganen Stoffen punkten kann. Und auch der portugiesische Heimmarkt ist nicht zu unterschätzen. Geschäftschancen ergeben sich auch durch die Mittel aus dem Corona-EU-Aufbauplan (RFF). So stehen insgesamt etwa 16 Milliarden Euro zur Verfügung, die in die Klimawende und den digitalen Wandel sowie in Projekte zur Stärkung der Resilienz der Wirtschaft fließen – etwa in die Bereiche Gesundheit, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion oder Infrastruktur. 

„Auch wenn das Land 2020 von Corona stark getroffen wurde, sollte man sich vor Augen führen, dass die portugiesische Wirtschaft  bereits ‚Rosskuren‘ vergangener Krisen hinter sich hat und Unternehmen sich neu erfinden mussten und gefestigt daraus hervorgegangen sind“, so Maca.

Portugal in Zahlen 

  • 10,3 Millionen Einwohner leben in Portugal auf einer Fläche von 92.090 km2. Österreich: 8,9 Millionen Einwohner auf 83.880 km2.
  • 90 Prozent der Portugiesen sind vollständig gegen Covid-19 geimpft. Seit 18. 12. erhalten auch Fünf- bis ZwölfJährige die Impfung.
  • 7,6 Prozent – um so viel ist die Wirtschaft Portugals im Jahr 2020 eingebrochen. Eine Erholung hat eingesetzt, sie dürfte aber bis 2023 dauern.

Von Petra Mravlak

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