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Venezuela: Am Ende der Fahnenstange...

Venezuela kommt nicht aus den Schlagzeilen: großflächige Stromausfälle, Versorgungsengpässe, Proteste und ein offener politischer Machtkampf.  Ist das Land am Ende?

Proteste in den Straßen Venezuelas
© Don Perucho - stock.adobe.com Immer größere Teile der Bevölkerung Venezuelas sind unzufrieden und tun ihren Unmut bei Protesten kund.

Erdöl- und Erdgasvorkommen, Bauxit, Eisenerz, Kohle, Silikate, Nickel, Gold, seltene Erden und große landwirtschaftliche Nutzflächen – Venezuela ist reich, möchte man meinen. Doch die Realität ist eine andere. Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie politische Misswirtschaft ein Land an den Rand des Abgrunds führen kann. „Mit einer Inflation von mehr als 1,5 Millionen Prozent (!) im Vorjahr stellt Venezuela einen traurigen Rekord auf“, berichtet Hans-Jörg Hörtnagl, Österreichs Wirtschaftsdelegierter im Außenwirtschafts-Center Bogota. Von dort aus steht er heimischen Unternehmen, die wirtschaftlich mit Venezuela verbunden sind, zur Seite. Die Außenwirtschafts-Dependence in Caracas ist bereits seit Mitte 2018 geschlossen. „Dabei war Venezuela noch vor gar nicht allzu langer Zeit der drittwichtigste Markt für Österreich in Lateinamerika, nach Brasilien und Mexiko“, weiß Hörtnagl. So exportierten österreichische Unternehmen noch im Jahr 2014 Waren im Wert von 150,6 Millionen Euro nach Venezuela – ein absoluter Exportrekord. Die Situation verschlechterte sich rasch und so waren es 2018 es nur mehr 15,8 Millionen Euro. „Österreichische Unternehmen mussten sich auf diese neue Realität einstellen und es gibt auch keine nennenswerten Investitionen mehr“, so Hörtnagl. 

Steirische Firmen auf Standby

Das bestätigen auch steirische Firmen: „Im Moment sind alle unsere Aktivitäten in Venezuela eingestellt“, berichtet etwa Hannes Engelberger, der in der Knapp AG für den Vertrieb in Lateinamerika, Spanien und Portugal zuständig ist. „Es ist für unsere Kunden unmöglich, Devisen zu bekommen. Zudem können wir als Firma nicht für die Sicherheit von Montagepersonal und Technikern garantieren, Venezuela gilt mittlerweile als eines der unsichersten Länder in Lateinamerika.“ In der Vergangenheit war die Situation freilich eine andere: „Venezuela war durch die Erdölindustrie ein reiches Land, es gab sehr viele Unternehmen in privater Hand, welche dann aber nach und nach zwangsverstaatlicht wurden.“ Knapp tat den ersten Schritt nach Venezuela vor über 20 Jahren und hat dort mehrere hochmoderne Logistikanlagen installiert, vor allem im Bereich der Pharmadistribution. 

Auch bei der Andritz AG steht derzeit alles auf Standby in Venezuela. „Wir sind schon seit vielen Jahren dort aktiv und haben aktuell zwei Projekte in den Bereichen ‚Hydro‘ und ‚Pulp and Paper‘, die aufgrund der politischen Entwicklungen vorübergehend gestoppt sind“, berichtet Michael Buchbauer, der in der Andritz AG für Finanzen, Corporate Communications und Investorenbeziehungen verantwortlich ist. „Diese Projekte sind durch Kreditversicherungen abgesichert, wie bei uns üblich.“

Wirtschaft in der Abwärtsspirale

Die Wirtschaft befindet sich nämlich insgesamt in einer Abwärtsspirale. Hörtnagl: „Die Devisenzuteilung ist stark limitiert und Importeuren und Produktionsfirmen stehen in der Praxis keine Devisen mehr zur Verfügung. Diese müssen am Parallelmarkt teuer beschafft werden, was wiederum die Inflation anheizt.“ Wie schnell es mit einer Volkswirtschaft bergab gehen kann, zeigt auch die Statistik: Venezuelas Wirtschaft schrumpfte 2016 um 16,5 Prozent, 2017 um 14 und 2018 um 18 Prozent. Während das Land 2014 noch Waren im Wert von 47,2 Milliarden Dollar importierte, waren es 2018 nur mehr 11,1 Milliarden. Die Exporte sanken in diesem Zeitraum von 74,7 Milliarden auf 33,4 Milliarden US-Dollar. Die wirtschaftlichen Eliten wanderten ins Ausland ab und die Bevölkerung leidet am Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten. Die Armut nimmt zu, was immer mehr Menschen veranlasst, das Land zu verlassen. Flüchtlinge versuchen ihr Glück in
den anderen Ländern Südamerikas. 

Verstärkt wird die Misere durch die politische Situation, die sich immer mehr zuspitzt. Ein offener Machtkampf tobt zwischen Präsident Nicolas Maduro, der das Land seit 2013 regiert, und Parlamentspräsident Juan Guaido, der sich zum Übergangspräsidenten erkärt hat und einen Regimewechsel anstrebt. Während die USA und 50 weitere Staaten, darunter Österreich, Guaido unterstützen, positionieren sich  Russland und China auf der Seite Maduros. Wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist völlig offen. „Ob und wann ein Regimewechsel kommt, hängt vom Verhalten der Militärführung, dem Verhalten Russlands und Chinas sowie zunehmenden Protesten in der Bevölkerung ab, so Hörtnagl.“ 


Venezuelas Reichtum

Venezuelas Ölreserven reichen noch für 300 Jahre. Sie werden auf 47 Milliarden Tonnen geschätzt und liegen damit noch vor Saudi-Arabien weltweit an erster Stelle. Bei den Erdgasreserven steht das Land weltweit an achter Stelle. Auch mit anderen Rohstoffen ist Venezuela gesegnet: Bauxit, Eisenerz, Kohle, Silikate, Nickel, Gold und seltene Erden. In der Vergangenheit entstand eine bedeutende petrochemische Industrie. Venezuela war aber auch größter Aluminiumproduzent Südamerikas und stand weltweit an achter Stelle. In der Nähe der Lagerstätten und riesiger Kraftwerkskomplexe siedelte man entlang des Orinoco-Flusses eine umfangreiche Schwerindustrie an. Auch die Produktionskapazitäten für Strom waren enorm.


Venezuelas Weg in die Krise

  • 1950er-1970er Jahre: Der Ölreichtum fließt in den Ausbau der Infrastruktur. Venezuela profitiert von der Ölkrise 1973. Das Pro-Kopf-Einkommen Venezuelas entspricht damals dem von Deutschland. 
  • 1980er: Der Ölpreis fällt drastisch, die Währung wird abgewertet. Ausschreitungen werden brutal niedergeschlagen. 
  • 1998: Hugo Chavez wird Präsident. Er verspricht einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ und verstaatlicht Unternehmen und Weideland. Das Geld aus dem Öl fließt in Sozialprogramme.
  • 2013: Nicolas Maduro wird Präsident, er versucht das System aufrechtzuerhalten, er schränkt die Rechte des Parlaments ein. Mit der angeschlagenen Wirtschaft geht es weiter drastisch bergab.

Von Petra Mravlak

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