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"Bei Urlaubsreisen gibt es heuer einen großen Nachholbedarf"

Mit dem Zeugnistag startet die Urlaubssaison. Wie Corona diese verändert hat und was davon nachhaltig bleiben wird, erklärt Tourismusforscher Harald Friedl.

Coronavirus im Liegestuhl am Strand
© AdobeStock_rcfotostock Die Pandemie hat das Urlaubsverhalten geprägt – doch die Lust am Reisen wird wieder stärker.

Mit 1. Juli wurden die Corona-Maßnahmen massiv gelockert. Wie wird sich das auf die diesjährige Urlaubssaison auswirken?

Friedl: Ich glaube, dass die Leute wieder ihre alten Muster aufgreifen und verreisen werden. Einzelne werden zwar zu Beginn noch zurückhaltend sein, aber ich denke, der Großteil wird schon wieder reisen. Daher wird der heurige Sommertourismus aus meiner Sicht wieder kräftig wachsen. 

Wird es Ihrer Meinung nach nachhaltige Änderungen durch Corona geben?

Friedl: Natürlich hat die Pandemie zu massiven Einschränkungen in unserem Leben geführt. Dennoch glaube ich, dass Corona das Reise- und Urlaubsverhalten langfristig nicht verändern wird. Was jedoch bereits spürbar ist, ist, dass sich Teile der Wirtschaft und der Bevölkerung zunehmend mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Das heißt, die Entwicklungen gehen bereits in diese Richtung, das Angebot für nachhaltigen Tourismus nimmt merkbar zu. Aber ich glaube nicht, dass Corona der ausschlaggebende Faktor für dieses generelle Umdenken ist.  

Was kann man über den Sommer und darüber hinausgehend erwarten?

Friedl: Die Tourismusindustrie hat durch die Pandemie viele Verluste erlitten. Diese versuchen die Beherbergungsbetriebe nun über den Sommer zu kompensieren. Durch die Globalisierung und die weltweite Vernetzung besteht jedoch die Gefahr, dass kritische Ereignisse wie die Corona-Pandemie künftig zunehmen werden.  

Gehen Sie davon aus, dass wir wieder zu einer „alten“ Normalität zurückfinden?

Friedl: Das Einzige, das auf der Welt konstant ist, ist der Wandel. Daher wird es das Zurück zu einer Normalität wie vor der Pandemie in dieser Form nicht geben. Im Berufsalltag zum Beispiel ist dieser Wandel schon spürbar. Denn die Digitalisierung hat gezeigt, dass Face-to-face-Besprechungen nicht zwingend notwendig sind. Hier sehe ich einen Trend in Richtung hybrider Treffen, was natürlich auch auf den Geschäftstourismus Auswirkungen hat. Allgemein werden höhere Investitionen in Resilienz auf allen Ebenen nötig.

Wie glauben Sie wird sich das generelle Urlaubsverhalten verändern?

Friedl: Durch die Pandemie mussten wir unser Verhalten jetzt stark ändern und auf vieles verzichten. Nun herrscht ein Nachholbedarf, insbesondere in Bezug auf Urlaubsreisen. Darum bin ich überzeugt, dass einerseits die alten touristischen Vorlieben wieder aufgegriffen werden, jedoch mit einer Reihe an Differenzierungen. So wird vor allem der Urlaub im Grünen und „Zurück zur Natur“ wieder an Bedeutung gewinnen. Camping, Glamping und der Aufenthalt in Chalets werden stark zunehmen. Aber auch Tourismusformen, die Defizite durch Corona ausgleichen, wie Bergsteigen oder Wandern, werden noch stärker an Beliebtheit gewinnen. 

Wie ist die Steiermark hier aufgestellt? 

Friedl: Die Steiermark ist strategisch und für diese Trends sehr gut aufgestellt. Schließlich bieten wir eine breite Palette an Urlaubs- und Erholungsmöglichkeiten: Von traumhaften Flusslandschaften über Freibäder bis hin zu Berggebieten und unzähligen Raddestinationen ist für jeden etwas dabei. 

Welchen Rat würden Sie einem steirischen Tourismusbetrieb geben?

Friedl: Die Betriebe müssen sich den Herausforderungen stellen und dürfen keine Angst vor einem möglichen Scheitern haben. Wer Corona und seine Folgen bisher überstanden hat, hat bereits bewiesen, dass er die Kompetenz besitzt, sich mit den bestehenden Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen.


Harald Friedl
© kk Harald Friedl


Harald Friedl ist seit 2004 hauptberuflicher Lehrender für angewandte Tourismuswissenschaften an der FH Joanneum Bad Gleichenberg und als Forscher für Tourismus und Nachhaltigkeit tätig.




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