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Urlaubsparadies im Katastrophenmodus

Seit zwei Wochen brennt es in Teilen Griechenlands. Wir haben mit dem Wirtschaftsdelegierten Gerd Dückelmann-Dublany über die heftigste Brandkatastrophe in 40 Jahren und die Lage im Land gesprochen.

Griechenland, Akropolis
© Scaliger, Adobestock So kennt man Griechenland – die Realität ist derzeit vielerorts eine andere.

Herr Dückelmann-Dublany, Sie leben in Athen, wie erleben Sie persönlich die katastrophalen Brände?

Dückelmann-Dublany: Auch meine Familie und ich mussten die Wohnung, die sich in Sichtweite eines Brandes befand, schon verlassen, wir konnten aber bereits wieder zurückkehren. Die Einsatzkräfte sind rund um die Uhr beschäftigt. Die teilweise über 100 weit auseinanderliegenden Brandherde im ganzen Land stellen logistisch eine enorme Herausforderung dar. Tausende Menschen sind auf der Flucht, sie kommen bei Freunden, Verwandten oder in von der Regierung zur Verfügung gestellten Unterkünften unter. 

Lässt sich der entstandene Schaden schon einschätzen? 

Dückelmann-Dublany: Laut dem Nationalen Observatorium Athen fielen bisher – Stand 8. August – bereits 600 Quadratkilometer Land den Flammen zum Opfer. Damit liegt das Ausmaß fast 200 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt, der ökologische Schaden ist noch nicht abschätzbar. Außerdem dürften mittlerweile rund 2.000 Strommasten schwer beschädigt worden sein. Der Wiederaufbau wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Einen Zusammenbruch des Netzes in Athen konnte die staatliche Stromgesellschaft mit „Rolling Blackouts“, also gezielten Stromabschaltungen, verhindern. In den nördlichen Stadtteilen ist die Wasserversorgung noch eingeschränkt.

Was bedeutet eine derartige Katastrophe mitten in der Hauptsaison für das Land?  

Dückelmann-Dublany: Der Tourismus gilt als „Schwerindustrie“ Griechenlands. Der Anteil am BIP beläuft sich jährlich auf ca. 20 Prozent. Mehr als 360.000 Dienstnehmer sind unmittelbar in diesem Bereich beschäftigt, im weiteren Sinne hängen 1,1 Millionen Menschen, also ca. 20 Prozent der Arbeitnehmer, davon ab. Durch die Brände dürfte der Tourismus aber nur begrenzt Schaden nehmen, denn die Mehrheit der typischen Feriendestinationen ist nicht betroffen. Laut der griechischen Nationalbank könnten sich die Einnahmen aus dem Tourismus heuer deutlich erholen.

Gerd Dückelmann-Dublany - Feuer im Hintergrund
© Dückelmann-Dublany Gerd Dückelmann-Dublany hat die Brände aus unmittelbarer Nähe miterlebt.

Zuletzt vermeldeten vor allem „Partyinseln“ wieder eine Zunahme an Corona-Infektionen. Wie ist die Lage? 

Dückelmann-Dublany: Man versucht mittels lokaler Lockdowns den meist punktuellen Anstieg in den Griff zu bekommen. Nachtclubs – mit jungen, ungeimpften Gästen – können Virustreiber sein, entsprechend dürfen Bars und Clubs nur noch Sitzgelegenheiten anbieten, Tanzen oder Stehen ist verboten. In geschlossene Räume von Restaurants kommt man nur mehr mit einem Impfnachweis. Hinzu kommen streng kontrollierte Einreisevorschriften. Aktuell sind 50 Prozent der 5,3 Millionen  Einwohner bereits geimpft.

Vor gut zehn Jahren schlitterte Griechenland in eine Staatsschuldenkrise. Wie sieht es heute aus?

Dückelmann-Dublany: Trotz Pandemie wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal 2021 mit 4,4 Prozent kräftig. Die Rating-Agentur „Fitch Ratings“ bestätigte im Juli ihr BB-Rating für Griechenland mit stabilem Ausblick und hob ihre ursprüngliche Prognose von plus drei auf 4,3 Prozent an. Für 2022 rechnet man mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zwischen 5,3 und 6,5 Prozent. Mit dem Regierungswechsel 2019 wurde ein seit langem überfälliger Reformprozess der griechischen Wirtschaft und des Staatsapparates eingeleitet, mit Anreizen für die Wirtschaft, wie Steuersenkungen. Hinzu kommt, dass Griechenland in den nächsten sieben Jahren mehr als 70 Milliarden Euro an EU-Geldern erhalten wird.

Wie geht es österreichischen Firmen im Land? 

Dückelmann-Dublany: Es gibt eine beschränkte Anzahl von österreichischen Produktionsbetrieben in Griechenland, wovon ein Großteil im Verpackungssektor tätig ist. Einige davon expandieren seit einiger Zeit kräftig. Berichte über allfällige Probleme infolge der Feuer liegen mir nicht vor.

Interview: Petra Mravlak

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