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Finaler Zug im Brexit-Krimi

Am 31. 12. verlässt das Vereinigte Königreich die EU – mit oder ohne Deal. Was das für die Wirtschaft bedeutet? Ein Überblick über die aktuelle Situation und weitere Folgen.

Schachbrett mit Spielfiguren mit britischer und EU-Flagge
© pixelbliss, adobestock Mit oder ohne Freihandelsabkommen – der Brexit ist eine Lose-lose-Situation.

Vor vier Jahren haben sich die Briten mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Wenige Wochen vor Ablauf der finalen Übergangsphase gibt es noch immer keine Einigung auf einen geregelten Abgang. Vielmehr scheint Premier Boris Johnson bis zum Schluss hoch zu pokern. „Der Knackpunkt ist die britische Souveränität im Gegensatz zur Integrität des Binnenmarktes“, fasst Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London, zusammen. Gerungen wird um fairen Wettbewerb, Fischereirechte sowie Instrumente gegen die Verletzung eines künftigen Abkommens. Mit dem kürzlich verabschiedeten Binnenmarktgesetz versucht London nun Teile des Austrittsvertrags wieder auszuhebeln. Und so gibt es nach wie vor keine Antwort auf die Frage „Deal or no Deal?“. Sicher ist nur eines: Mit Ende 2020 verlassen die Briten die Zollunion, den Binnenmarkt und das harmonisierte Umsatzsteuersystem und das Land wird zum Drittstaat mit den damit verbundenen Konsequenzen: etwa Zollverfahren, ein Ende der Personenfreizügigkeit und das Wegfallen von Umsatzsteuervereinfachungen. „Es wird zu Verzögerungen, Versorgungsengpässen und Preissteigerungen bei betroffenen Gütern kommen“, ist Kesberg überzeugt. „Kommt doch noch ein Freihandelsabkommen zustande, so könnte es zumindest den Schrecken mindern.“ Doch mit oder ohne, der Brexit ist eine Lose-lose-Situation für alle Beteiligten. „Mit Abkommen geht man von Kosten in der Höhe von vier Prozent der britischen Wirtschaftsleistung auf zehn Jahre gerechnet aus, ohne Abkommen sind es acht“, berichtet Kesberg. Doch im Kielwasser der Coronaviruspandemie würden die Kosten wohl unsichtbar verschwinden. 

Brexit und Corona

Das Virus habe einen schon geschwächten Gegener getroffen: Das schwache Gesundheitssystem, die hohe Bevölkerungsdichte, soziales Ungleichgewicht und politsche Fehlentscheidungen führten zur höchsten Übersterblichkeit in ganz Europa (6,5 Mal höher als in Österreich). „Drakonische Maßnahmen und langdauernde Betriebsschließungen haben das Land in die schwerste Rezession seit 1706 manövriert“, so Kesberg. Die Wirtschaftsleis-tung ist im ersten Halbjahr 2020 um 20 Prozent eingebrochen, für das Gesamtjahr geht man von elf Prozent aus. „Und die Wachstumsraten in den kommenden Jahren werden nicht ausreichen, um das Vereinigte Königreich vor 2023 in die volkswirtschaftliche Gewinnzone zurückzuführen.“ 

Keine rosigen Aussichten, auch  für die österreichische Exportwirtschaft. „Nichtsdestrotrotz haben wir bis 2019 ganz gute Geschäfte gemacht“, so Kesberg, und auch in der aktuell schwierigen Situation gebe es in vielen Branchen gute Geschäftsmöglichkeiten für heimische Firmen. Fazit: „Das Geschäft mit UK wird schwieriger und teurer werden, aber es wird nicht unmöglich oder unprofitabel“, so Kesberg.

Österreicher und der Brexit

Heimische Firmen haben bisher im Vereinigten Königreich gute Geschäfte gemacht, und damit rechnen sie auch weiterhin. So haben haben beispielsweise Hannes und Bernd Radaschitz schon vor mehr als zehn Jahren die Chancen für steirisches Handwerk auf dem britischen Markt erkannt. In ihrer Tischlerei in Riegersburg produzieren sie mit 40 Mitarbeitern hochwertige Möbel für den Privatbereich, etwa zwei Drittel davon werden ins Vereinigte Königreich verschifft. 25 Mitarbeiter   – Briten und Österreicher – kümmern sich am Standort in London um die Projekte. „Wir hoffen auf einen ‚Deal‘“, so Hannes Radaschitz. Bisher dauerte eine Lieferung fünf Tage, das könnte sich nun verlängern. Er rechnet mit einer massiven Zettelwirtschaft und damit, dass einiges komplizierter sein wird. „Aber das sind lösbare Aufgaben.“ Die Auftragslage sei sehr gut.

Auch beim Messtechnikhersteller Anton Paar – mit einem Tochterunternehmen bei London und einem in Dublin, das mit 1. 1. eröffnet – geht man von einem Mehraufwand aus. „Das volle Ausmaß wird vom Zustandekommen eines Freihandelsabkommens ab­hängen“, so Huw Bevan, Geschäfts­führer von Anton Paar Ltd. „Wir sind aber zuversichtlich, dass sich eine neue Art der Zusammenarbeit etablieren wird und Großbritannien und die EU weiterhin wichtige Handelspartner bleiben.“

Bei der voestalpine, die in UK fünf Standorte betreibt und vor allem für den lokalen Markt im Bau- und Bahnbereich produziert, geht man von „überschaubaren Brexit-Auswirkungen“ aus. 

  • 250 Niederlassungen österreichischer Firmen mit rund 40.000 Mitarbeitern gibt es in UK.
  • 1,54 Milliarden Euro war der Wert der aus der Steiermark nach UK exportierten Waren 2019.
  • 713 Millionen Euro war der Wert der Importe der UK-Importe in die Steiermark im Jahr 2019.


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