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Tauziehen um den Iran und seine Folgen

Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran sorgt für Unsicherheit im Land und auch bei steirischen Unternehmen, die vor Ort tätig sind.

Teheran
© Alexander, stock.adobe.com Irans Hauptstadt Teheran ist sowohl ein Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum als auch ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Als Anfang 2016 eine 60-köpfige steirische Wirtschaftsdelegation in den Iran reiste, schien der Aufbruch in eine neues Zeitalter spürbar: Das lang ersehnte Atomabkommen leitete das Ende der Sanktionen ein und versetzte das Land in Optimismus. Man traf damals auf iranische Unternehmen, die ihre Hoffnungen auf wirtschaftliche Beziehungen mit dem Ausland setzten, und auf eine Vielzahl an motivierten, gut ausgebildeten Arbeitskräften. 

Mit dem Ausstieg der USA aus dem Abkommen und den Versuchen Donald Trumps, jene Länder unter Druck zu setzen, die daran festhalten, hat sich das Blatt nun gewendet. Und das hat Folgen, wie Manfred Kainz, steirischer Außenhandelsobmann und Inhaber des Autozulieferers TCM International, berichten kann. Schon vor der Öffnung war er im Iran aktiv, ist vor Ort ein Joint Venture eingegangen und verfügt seit langem über beste Kontakte. Wie er die Lage einschätzt? „Im Moment können wir nur abwarten“, sagt Kainz. „Es besteht die  Gefahr, dass der ohnehin schon schwierige Geldtransfer nun komplett  zum Erliegen kommt“, führt er weiter aus. Noch ist offen, was alles auf die Sanktionsliste kommen wird und wie Europa darauf reagieren wird. „Das von der EU initiierte Abwehrgesetz gegen die Iran-Sanktionen könnte sich als zahnlos erweisen“, befürchtet Kainz, „denn angesichts der starken wirtschaftlichen Beziehungen der westlichen Welt mit den USA dürfte es schwierig werden, sich zu widersetzen.“ 

Maßnahmen der EU

 Dass viel davon abhängen wird, ob die EU-Maßnahmen zum Schutz der europäischen Unternehmen vor US-Strafen greifen werden, davon ist auch Christoph Grabmayr, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Teheran überzeugt. „Die Sperrregeln, die die Durchsetzung der Sanktionen auf dem Territorium der  EU verhindern sollen, könnten Unternehmen ohne Präsenz in den USA ermöglichen, weiter im Iran tätig zu sein.“ Zudem werde auch an Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs gearbeitet. Noch haben die Vereinigten Staaten den genauen Umfang der Sanktionen nicht bekanntgegeben. Grabmayr erwartet, dass zumindest der Lebensmittel- und der Medizinbereich – wie in der Vergangenheit – wieder von den Sanktionen ausgenommen bleiben. Auch für den akademischen Bereich, für Mobiltelefone, Computer und den Handel mit virtuellen Gütern gab es bereits Ausnahmen, die wahrscheinlich ihre Geltung behalten werden. „Die Situation ist für österreichische Unternehmen zweifellos herausfordernder geworden“, so Grabmayr. Besonders steirische Unternehmen haben nach der Öffnung ihre Fühler in den Iran ausgestreckt und die Beziehungen vertieft. So hat auch der Export von steirischen Gütern in den Iran von 2016 auf 2017 (erstes Halbjahr) um satte 68,27 Prozent auf 22,4 Millionen Euro zugelegt. „Doch auch während der letzten Sanktionen tätigten österreichische Firmen legale und lukrative Geschäfte“, berichtet Grabmayr. „Österreich gilt als verlässlicher Partner des Irans und seiner Wirtschaft, die iranische Gemeinde in Österreich trägt dabei wesentlich zum guten Ruf bei.“

Persiens Wirtschaft am Scheideweg

Die iranische Wirtschaft ist stark vom Export von Erdöl abhängig.  Ungeachtet der drohenden US-Sanktionen sind die Ölexporte aktuell auf dem höchsten Stand seit dem Abschluss des Atomabkommens. Der Iran verfügt über eine vergleichsweise stark entwickelte industrielle Basis, die jedoch veraltet ist. Es besteht daher großes Interesse an Knowhow und Technologietransfer aus Europa und Österreich. Durch die Sanktionen der Vergangenheit blieben dringend benötigte Direktinvestitionen für die Indus­trieinfrastruktur seit Jahren aus. Und auch die Lieferung von Ersatzteilen für Maschinen aus dem Ausland gestaltete sich schwierig. Lokale Unternehmen leiden aktuell unter Kapitalmangel und steigenden Energiekosten. Das größte Problem ist allerdings der starke Verfall der iranische Währung Rial, was die notwendige Anschaffung ausländischer Anlagen verteuert und die Rentabilität der Investitionen ins Ungewisse verschiebt. Zudem ist unsicher, ob die Verbraucherpreise vom Staat weiterhin künstlich niedrig gehalten werden können. Für den sozialen Frieden ist dies aber von höchster Bedeutung. 

Erneute US-Sanktionen werden das Land hart treffen. Dies betrifft besonders die Exporte von Öl und Gas, von petrochemischen Produkten, die Automobilindustrie und den Zahlungsverkehr. Die Folgen haben Auswirkungen auf die gesamte iranische Wirtschaft, was Probleme, die schon jetzt bestehen, noch vergrößern wird: die Bekämpfung von Armut, Arbeitslosigkeit, Umweltproblemen und die Beibehaltung von sozialen Errungenschaften – eine Herausforderung für die Regierung. 

Von Petra Mravlak






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