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Steirische Konjunkturlok nimmt wieder Fahrt auf

Nach über einem Jahr Corona-Krise herrscht jetzt Aufbruchsstimmung unter den steirischen Unternehmern, wie das aktuelle Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark zeigt: Sämtliche Konjunkturdaten – vom Umsatz bis zu den Investitionen – liegen wieder im Positivbereich, und der Trend zeigt weiter nach oben.

Karl-Heinz Dernoscheg und Josef Herk (v.l.)
© Foto Fischer Erfreuliche Ergebnisse lieferte das WKO-Wirtschaftsbarometer, das Direktor Dernoscheg und Präsident Herk präsentierten.

Die steirische Konjunktur befindet sich wieder im Aufwärtstrend – das bestätigen die Zahlen aus dem aktuellen Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark. Sämtliche Trendpfeile zeigen hier nämlich wieder nach oben. Im Detail: Gesamtumsatz (+1,9 Prozentpunkte nach zuletzt
-36,2), Auftragslage (+14,7 Prozentpunkte, zuletzt: -34,3), Preisniveau (+44,3 Prozentpunkte zu -2,8 in der letzten Umfrage), Investitionen (+27,9 Prozentpunkte, zuletzt: -8,3) und Beschäftigung (+6,7 Prozentpunkte, zuletzt: -8,6 im Herbst). „Damit fallen die Rückmeldungen besser aus als erwartet“, freut sich WKO Steiermark Präsident Josef Herk über die konjunkturelle Trendumkehr. Denn auch beim Ausblick auf die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate drehen alle Konjunkturpfeile wieder nach oben – und zwar deutlich. Die Erwartungen für den Gesamtumsatz steigen auf +42,4 Prozentpunkte, Auftragslage auf +35,2, Preisniveau auf +51,3, Investitionen auf +25,7 und Beschäftigung auf +21,9 Prozentpunkte. „Alle Saldenwerte zeigen einen klaren Aufwärtstrend. Kommen keine weiteren einschneidenden Corona-Maßnahmen, könnte ein nachhaltiger Wachstumskurs eingeleitet werden“, so Herk. Wobei es auch noch Unsicherheiten gibt, wie die Einschätzung des allgemeinen Wirtschaftsklimas zeigt: Hier befindet sich der Saldowert mit -28,5 Prozentpunkten als einziger noch im Negativbereich, wobei auch dieser Minuswert nach zuletzt -82,6 Prozentpunkten einem deutlichen Aufwärtstrend entspricht. Für die kommenden Monate zeichnet sich jedenfalls eine äußerst positive Entwicklung ab, denn der Erwartungssaldo für das steirische Wirtschaftsklima steigt auf +41,4 Prozentpunkte.

Ein Beleg dafür, dass der Kurs und die Hilfsmaßnahmen gefruchtet haben. „Die Regierung hat in der Krise entschieden gehandelt. Gemeinsam mit den Sozialpartnern wurden viele Maßnahmen gesetzt, die schlimmere wirtschaftliche Auswirkungen verhindert haben. Es freut mich, dass wir als WKO hier entscheidend mithelfen konnten, etwa was die Abwicklung des Härtefallfonds angeht oder was die Logistik und Verteilung der kostenlosen Antigentests für Betriebe betrifft. Auf dieser Basis können wir jetzt – wenn wir die Pandemie im Griff behalten – den wirtschaftlichen Restart schaffen“, ist auch WKO Steiermark Direktor Karl-Heinz Dernoscheg überzeugt. Insgesamt 754 steirische Unternehmerinnen und Unternehmer haben an der großen Konjunkturumfrage teilgenommen. „Sie spiegelt sämtliche Branchen, Regionen und Betriebsgrößen wider und wird zwei Mal jährlich erhoben“, so Dernoscheg. 




So schätzen Unternehmer die Geschäftsentwicklung ein

  • Umsatz: Die steirische Konjunktur zieht wieder an, das zeigt sich deutlich beim Gesamt-umsatz. Befanden sich die Salden für Frühjahr und Herbst 2020 noch auf einem Rekordtief, so kommt der Wert hier aktuell auf +1,9 Prozentpunkte. Noch positiver: der Ausblick. Die erwartete Umsatzentwicklung liegt mit einem Saldo von +42,4 Prozentpunkten sogar beinahe auf dem Niveau der Boomjahre 2017 und 2018. Im Detail gehen 51,8% der Unternehmen davon aus, dass der Gesamtumsatz in den nächsten 12 Monaten steigen wird, mit einem Umsatzrückgang rechnen dagegen nur 9,3% der Unternehmen.
  • Auftragslage: Die Entwicklung der Auftragslage entspricht dem steirischen Gesamtbild. Nach einem Corona bedingten scharfen Einbruch gibt es im Frühjahr 2021 klare Anzeichen für einen Aufwärtstrend. Sowohl in Bezug auf die vergangenen als auch die kommenden 12 Monate gibt es Positivsalden zu verzeichnen. Mit einem Ergebnis von +14,7 Prozentpunkten ist der bisherige Saldo zwar noch von den Top-Werten vergangener Jahre entfernt, stellt aber eine ordentliche Verbesserung dar. Diese erfreuliche Entwicklung dürfte sich auch künftig fortsetzen: Beinahe die Hälfte der Unternehmen (47,3%) geht davon aus, dass sich die Auftragslage verbessern wird, 12,1% bleiben weiterhin skeptisch.
  • Preise: Steil nach oben geht es mit den Preissalden. Grund dafür dürften u.a. Lieferkettenprobleme im Rohstoffbereich sein. Sowohl in Bezug auf das bisherige als auch in Hinblick auf das erwartete Preisniveau schnellen die Saldenwerte in die Höhe (bisher: +44,3 Prozentpunkte; erwartet: +51,3 Prozentpunkte). Für die kommenden 12 Monate gehen 56,1% der befragten Betriebe von einer Preiserhöhung und nur 4,8% von einer Preissenkung aus.
  • Investitionen: Auch im Investitionsbereich ist in der aktuellen Umfrage wieder deutlich mehr Dynamik zu erkennen. Dieser Aufwärtstrend lässt sich bereits seit Herbst 2020 beobachten, mittlerweile werden sowohl beim bisherigen als auch beim erwarteten Investitionsvolumen klar positive Saldenwerte verbucht. Hinsichtlich der vergangenen 12 Monate liegt der Wert mit +27,9 Prozentpunkten wieder auf solidem Niveau (46,2% verzeichnen gestiegene Investitionen, 18,3% gesunkene). Der Investitions-Erwartungssaldo erreicht mit einem Ergebnis von +25,7 Prozentpunkten sogar einen neuen Höchstwert seit 2011 (Investitionen werden steigen: 41,5%; sinken: 15,8%). Nur in 10,2% der Unternehmen sind keine Investitionen geplant, mehr als die Hälfte möchte künftig Neuinvestitionen tätigen. Dabei spielen vor allem die Bereiche Innovation und Digitalisierung eine wesentliche Rolle.
  • Beschäftigung: Vom steirischen Arbeitsmarkt gibt es erstmals wieder positive Signale. Nachdem dieser trotz Gegenmaßnahmen, wie z.B. der Corona-Kurzarbeit, massiv unter Druck geraten ist, melden viele Betriebe wieder steigende Beschäftigungszahlen. Konkret haben 25,8% der befragten Unternehmen ihr Personal wieder aufgestockt. Dementsprechend liegt auch der bisherige Saldo mit +6,7 Prozentpunkten wieder im positiven Bereich. Knapp ein Drittel der Unternehmen (32,0%) planen in naher Zukunft die Aufnahme weiterer Mitarbeiter, 10,1% gehen von einem Personalabbau aus. Der Erwartungssaldo für Beschäftigung (+21,9 Prozentpunkte) befindet sich damit in der Steiermark erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder auf solidem Niveau. Aufgrund des Konjunkturaufschwungs und des bestehenden „Mismatch“ von angebotenen und nachgefragten Qualifikationen rückt daher auch das Thema Fachkräftemangel wieder massiv in den Vordergrund.
  • Export: Die Exportwirtschaft war schon früher als andere Bereiche von der Pandemie und deren Auswirkungen betroffen. Durch das schnelle Wiederhochfahren der Wirtschaft in China und ein massives Konjunkturpaket in den USA ist die Weltwirtschaft wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Das beflügelt nun auch die steirische Konjunktur. Lagen die Exportsalden im Herbst 2020 noch deutlich unter der Nulllinie, fallen diese in der aktuellen Umfrage mit +1,7 Prozentpunkten schon wieder knapp positiv aus (gestiegen: 32,7%; gesunken: 31,0%). Den nächsten 12 Monaten sehen die Exporteure äußerst zuversichtlich entgegen: 62,4% der Unternehmen rechnen mit einem Anstieg ihres Außenhandelsumsatzes, wohingegen nur 1,5% von einem Rückgang ausgehen. Der daraus resultierende Erwartungssaldo erreicht mit +60,9 Prozentpunkten seinen bisherigen Höchststand seit Herbst 2007.

Die größten Herausforderungen 

Abgefragt wurde im Rahmen des Wirtschaftsbarometers auch, wann die Betriebe davon ausgehen das Vorkrisenniveau wieder zu erlangen. 38,0% der steirischen Unternehmen geben an, dieses bereits erreicht zu haben, 32,1% gehen davon im kommenden Jahr aus. Weitere 19,3% schätzen, dass das bis zu drei Jahre brauchen wird, 6,2% sogar mehr als diese Zeit und 4,5% gehen davon aus, dass sie dieses Niveau nicht mehr erreichen können. Die Folgen der Covid-19-Krise sind jedenfalls nach wie vor – trotz der nun besseren Konjunkturaussichten – spürbar. Sie machen sich allerdings zum Teil anders bemerkbar als insgeheim erwartet. Nachgefragt nach den größten Herausforderungen für die Jahre 2021 und 2022, treten Bereiche in den Vordergrund, die die heimische Wirtschaft schon länger begleiten. Trotz einer nach wie vor angespannten Arbeitsmarktlage sehen die Unternehmerinnen und Unternehmer die größte Herausforderung im Fachkräftemangel. Fast 82% der Befragten sehen sich hier mit Problemen konfrontiert. Mit deutlichem Abstand folgen Lieferkettenengpässe (56,9%) und Arbeitskosten (51,7%) im Ranking der größten Herausforderungen. Zum Teil sehen die steirischen Unternehmen auch bei den Rohstoffpreisen und Vorleistungen (40,2%) Probleme. Reisebeschränkungen bzw. -warnungen werden nur mehr von jedem Dritten kritisch gesehen. Finanz- bzw. finanzierungsseitig scheint es hingegen derzeit kaum Probleme zu geben: Nur knapp jeder Zehnte sieht Liquiditätsengpässe und gar nur 1,9% eine mögliche Insolvenz als Herausforderung für die nahe Zukunft seines Unternehmens.


Was es jetzt für den wirtschaftlichen Restart braucht 

"Die Politik hat in der Krise schnell und entschieden reagiert, selbiges erwarten wir uns jetzt auch für den wirtschaftlichen Restart“, betonen Herk und Dernoscheg unisono. Die Experten der WKO Steiermark haben dafür ein entsprechendes Maßnahmenpaket geschnürt, hier die wichtigsten Kernpunkte im Überblick:


Fachkräfte:

  • Mobilisierung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials (überregionale Vermittlung forcieren, Reform des Arbeitslosengeldes, Talentcenter Plus, Bildungskarenz reformieren, Teilkrankenstand einführen etc.)
  • Qualifizierte Zuwanderung vereinfachen
  • Steirische Corona-Stiftung in Kooperation mit Wirtschaft umsetzen
  • Lehrlingsausbildung stärken & Euro-Skills als Impulsgeber nutzen

Nachhaltigkeit:

  • Transformation durch Impulse: Fonds für die Dekarbonisierung der österreichischen Industriesektoren
  • Technologieneutralität: konkrete Zielvorgaben, statt einseitiger Forcierung von Technologien
  • Ausbau erneuerbare Energie: Implementierung des Sachprogrammes Erneuerbare Energie auf Landesebene (inkl. Nutzung des JTF-Förderprogrammes)
  • Forcierung der thermischen Sanierung

Investitionen und Sicherheit: 

  • Keine neuen Steuern und Belastungen für Unternehmen
  • Anpassung der Bilanzierungsvorschriften
  • Unternehmensnahe Gestaltung der Rückzahlung von gestundeten Beiträgen
  • Einführung eines 20-prozentigen Investitionsfreibetrages als Nachfolgemaßnahme zur Investitionsprämie


Das Video zur Pressekonferenz:

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