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"Steirer-Mobilität zieht viele Blicke an"

15 Millionen Euro Umsatz, 50.000 Mitarbeiter: Der Mobilitätscluster ist Wirtschaftsmotor und Innovationstreiber. Wohin die Reise geht und warum Spione auf die Steiermark schielen, weiß Geschäftsführer Wolfgang Vlasaty.

© Fischer Wolfgang Vlasaty ist seit 2016 Geschäftsführer des AC Styria.
Magna Steyr präsentierte kürzlich am Genfer Autosalon seine neuesten Entwicklungen, in wenigen Tagen startet die große Autoemotion in Graz. Damit stehen auch viele steirische Unternehmen mit auf der großen Auto-Bühne …

Wolfgang Vlasaty: Eindeutig. Ein Großteil unserer 263 Cluster-Partnerbetriebe sind schwerpunktmäßig im Kompetenzfeld Automotive tätig – von der Bearbeitung bestimmter Rohmaterialien über Einzel- und Komponentenfertigung bis hin zum kompletten Fahrzeugbau. Insgesamt werden im Mobilitätscluster über 50.000 Menschen beschäftigt und 15 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.


Beobachter vermissen aber auch dieses Mal die große Revolution am Genfer Salon. Wo bleibt das selbstfahrende Auto, wo ist der massentaugliche Elektro-Pkw?
Vlasaty: Emissionsfreies und selbstgesteuertes Fahren wird sicherlich kommen, aber die Umsetzung der Entwicklungen am Automarkt passiert nicht von heute auf morgen.  


Wohin geht die mobile Reise?
Vlasaty: Die Herausforderung, effizienter und CO2-neutraler zu werden, gilt für alle Mobilitätszweige. Im Railbereich gibt es Konzepte, an denen auch in der Steiermark gearbeitet wird – etwa die Hybridisierung der Schienenfahrzeuge, als Diesel-Elektro-Hybrid oder auf der Wasserstoffseite, bis hin zum hier Thema sehr spannenden Thema der Brennstoffzelle.


Wie sieht es in der Luft aus?
Vlasaty: Die komplette Antriebstechnik in der Luftfahrt verändert sich, um emissionsärmer zu werden. Ein Beispiel für steirische Beteiligung am Thema ist die Entwicklung der AVL, wo ein Abgasmessgerät aus dem Automotivebereich für Triebwerke adaptiert wurde. Dieses neue Know-how wurde wieder in den Fahrzeugbereich für noch genauere Partikelmessungen zurücktransferiert.


Mit welchen Autos werden wir in Zukunft fahren?
Vlasaty: Im Gegensatz zu Rail und Air weiß beim Auto niemand, wohin die Reise wirklich geht. Fakt ist, dass der Verbrennungsmotor mit Sicherheit noch viele Jahre seine Existenzberechtigung haben wird. Er ist bei weitem noch nicht am Ende seiner technologischen Möglichkeiten. Der Elek­tromotor ist ein Riesenthema für den urbanen Raum. Aber ob es am Ende des Tages der vollelektrische Antrieb, eine Hybridlösung oder ob es gar ein Brennstoffzellenfahrzeug sein wird, steht noch in den Sternen.


Was bedeutet das für die Unternehmen in der Branche?
Vlasaty: Man muss sich breit aufstellen und in alle Richtungen arbeiten, weil die Entscheidung darüber, was sich am Ende durchsetzen wird, auch in den kommenden Jahren nicht eindeutig ausfallen wird.  


Wie aber kann man hier wettbewerbsfähig bleiben?
Vlasaty: Durch Innovationen und indem man die Erwartungen der Endkunden erfüllt. Eine Anforderung ist hier, selbst für KMU, eine virtuelle Fabriksplanung und umfassende Digitalisierung.


Stichwort Digitalisierung: Je weiter man sich vernetzt, desto mehr Türen öffnet man auch für ungebetene Gäste …
Vlasaty: Die Kundenanforderungen im Bereich Cyber Security sind ex­trem hoch – und das ist auch gut so. Denn keiner möchte die Diskussion mit einem Premiumhersteller führen müssen, ob ein Hackerangriff über die Hintertür durch mich als kleinerer Zulieferer passiert ist.
Der Spion versucht es also über die zweite Reihe, um an die Kronjuwelen zu kommen?
Vlasaty: Ganz genau. Durch die enge Vernetzung der steirischen Automobilindustrie zu den deutschen Premiumherstellern stehen  sie klar im Fokus von Spionage. 


Wie reagiert man auf diese Gefahr aus dem Netz?
Vlasaty: Zum einen durch verstärkte Awareness in den Betrieben selbst und zum anderen durch Entwicklungsarbeit. An der FH Joanneum in Kapfenberg entsteht gerade ein Labor, das Inflight-Entertainment-Systeme auf Cybersicherheit überprüft, um diese Tür für Angriffe von außen zu verschließen. Im Bereich der immer intelligenter werdenden und vernetzten Autos wird mit Hochdruck an personalisierten Sicherheitsmechanismen gearbeitet – etwa durch Fingerprint.


Ist die Technik Segen oder nicht doch auch Fluch?
Vlasaty: Technik ist kein Fluch, sie ist vielmehr die ständig treibende Kraft. Jeder Fortschritt bringt neue Erkenntnisse, die wieder zu neuen Lösungen führen. Das nennt man Innovation – und hier sind die steirischen Betriebe bekanntermaßen europaweit im Spitzenfeld.


Der Mobilitätscluster (AC Styria)

Wolfgang Vlasaty ist seit 2016 Geschäftsführer des ACstyria. In den drei Bereichen Automotive, Rail und Aerospace sind über 260 Partnerbetriebe tätig. Ziel des Clusters ist der Know-how-Transfer zwischen den Unternehmen. Am 23. März findet eine Business-Lounge zum Thema Cyber Security statt, weitere Veranstaltungen und Infos auf: www.acstyria.com.


Interview: Veronika Pranger

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