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Wenn eine Spritze die Gesellschaft spaltet

Die Impfung gegen Covid-19 gilt als eine wesentliche Maßnahme, um das Virus zu entschärfen. Deshalb setzen Länder auf der ganzen Welt auf eine hohe Durchimpfungsrate. Die Wege dorthin sind allerdings höchst unterschiedlich, wie unser Streifzug zeigt.

Mann mit Weltkugel und Spritze in der Hand.
© AdobeStock_Thaut Images Um die Durchimpfungsrate gegen Corona zu erhöhen, agieren die Länder höchst unterschiedlich.

Sie ist heiß umstritten und viel diskutiert – die Corona-Impfpflicht, die Anfang Februar im Parlament beschlossen wurde. Mit einer verpflichtenden Impfung für alle Erwachsenen im Land gilt Österreich hier als Vorreiter in ganz Europa und hat damit auch jede Menge Kritiker auf den Plan gerufen. Doch wie sieht die Impfstrategie jenseits der rot-weiß-roten Grenzen aus? 

Eine umfassende Impfpflicht für alle Erwachsene gibt es bereits im Vatikan, in Indonesien, Tadschikistan, Turkmenistan, aber auch in Mikronesien und in Ecuador. „In Ecuador wurde noch unmittelbar vor Weihnachten vom Gesundheitsministerium die Impfpflicht mit sofortiger Wirkung verkündet“, weiß Andreas Schmid, Wirtschaftsdelegierter in Bogotá. „Sie gilt für alle Personen im Staatsgebiet, fokussiert aber auf über Zwölfjährige. Ab Mitte Februar sollen auch Drei- bis Vierjährige geimpft werden können.“ Widerstand seitens der Bevölkerung gibt es in dem südamerikanischen Land so gut wie nicht. Schon vor der Einführung der Impfpflicht sei die Durchimpfungsrate hoch gewesen, so Schmid. Auf Strafen oder Sanktionen wird verzichtet, allerdings braucht man für den Zutritt zu öffentlichen Gebäuden und Freizeiteinrichtungen einen Impfnachweis. Mit 13. Februar galten in dem südamerikanischen Land 83 Prozent der Bevölkerung ab fünf Jahren als vollständig geimpft und es wurden bereits 3,2 Millionen Auffrischungen verabreicht. 

Verpflichtende Impfung durch die Hintertür

Anders stellt sich die Situation in Frankreich dar. Hier stellt man sich dezidiert gegen eine Impfpflicht, die mit Strafzahlungen einhergehen würde. Dennoch ist es „erklärtes Ziel der Politik, im Zweifel ausschließlich die Freiheiten der nicht geimpften Personen einzuschränken, um das Infektionsgeschehen niedrig zu halten“, berichtet Christian Schierer, Wirtschaftsdelegierter in Paris. Der Zutritt zu Orten des öffentlichen Soziallebens wie Restaurants, Museen, Veranstaltungen, aber auch zu Langstreckenzügen ist nur mit dem „pass vaccinal“ – für Geimpfte und Genesene – möglich. Eine Verpflichtung zur Impfung gibt es im Gesundheits- und Pflegebereich, bei Feuerwehr und Zivilschutz sowie für Flugpersonal. „Die Kluft zwischen Impfgegnern und -befürwortern ist groß“, berichtet Schierer. „Dennoch haben die Proteste das Ausmaß der Gelbwestenproteste der Vergangenheit bei weitem nicht erreicht.“ 80,7 Prozent der Bevölkerung sind zumindest einmal, 79 Prozent sind komplett geimpft. 

Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen – insbesondere im Gesundheitsbereich – gibt es in Griechenland schon seit letztem Herbst. „Als Reaktion auf den Omikron-Druck auf das Gesundheitssystem sind seit 16. Jänner dieses Jahres zudem alle über 60-Jährigen dazu verpflichtet, sich impfen zu lassen“, weiß Christoph Sturm, Wirtschaftsdelegierter in Athen. Impfverweigerern im Gesundheitssektor droht eine Aussetzung des Dienstverhältnisses beziehungsweise der Gewerbelizenz. Ungeimpften über 60-Jährigen droht eine Strafe von 100 Euro im Monat. „Die Bevölkerung steht diesen Regelungen mehrheitlich positiv gegenüber“, so Sturm. „Etwa zwei Drittel befürworten eine allgemeine oder zumindest für bestimmte Berufsgruppen vorgesehene Vakzinationspflicht.“ 7,4 Millionen Griechen sind vollständig geimpft, das sind 68,6  Prozent der Bevölkerung, 47,3 Prozent haben bereits die Booster-Impfung erhalten (Stand 12. Februar).

Diskussionen über allgemeine Impfpflicht 

In Deutschland gibt es ab März eine Impfpflicht für das medizinische und das Pflegepersonal. „Eine allgemeine Verpflichtung wird nunmehr deutlich kontroverser diskutiert“, berichtet Michael Scherz, Wirtschaftsdelegierter in Berlin. „Die Regierung wird sich nicht dazu erklären und auch keinen Gesetzesentwurf für ein Impfpflichtgesetz vorlegen.“ Aktuell werden im Bundestag von unterschiedlichen Gruppen Gesetzesentwürfe formuliert. Auch in unserem Nachbarland zeigt sich bei Umfragen, dass etwa zwei Drittel für und ein Drittel gegen eine Verpflichtung zur Impfung sind. Mit Stand 13. Februar gelten 74,8 Prozent der Deutschen mit zwei Impfungen als grundimmunisiert, 55,4 Prozent sind „geboostert“.

Wo die Impfverweigerer ebenfalls protestieren

Protestierende LKW-Fahrer  an der Grenze zu den USA haben Kanada ins Licht der Weltöffentlichkeit gerückt. Eine allgemeine Impfpflicht gibt es dort nicht, allerdings müssen ins Land Einreisende geimpft sein. „Zur Impfung verpflichtet sind aber auch hier öffentlich Bedienstete und im Gesundheitswesen Tätige sowie Mitarbeiter und Studierende an den Universitäten“, berichtet Gregor Postl, Wirtschaftsdelegierter in Toronto. „Impfverweigerer werden unbezahlt beurlaubt.“ Wer etwa ins Fitnessstudio, in Bars oder Restaurants gehen möchte, muss dafür vollständig geimpft sein, dasselbe gilt auch für Flug- oder (Fern-)Zugreisen innerhalb des Landes. „Der Großteil der Kanadier steht der Impfung positiv gegenüber, nur ein kleiner Teil lehnt sie komplett ab.“ 79,36 Prozent sind vollständig geimpft, 42 Prozent geboostert (Stand 14. Februar). 

Während in den USA Präsident Joe Biden mit der Einführung einer Impf- und Testpflicht für Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten gescheitert ist, wurde die Verpflichtung  zur Impfung beziehungsweise zu regelmäßigem Testen für Angestellte im medizinischen Sektor durch das Höchstgericht bestätigt. „In der Praxis entscheiden aber vor allem die Bundesstaaten über die meisten Covid-Regelungen“, so Peter Hasslacher, Wirtschaftsdelegierterter in New York. Vielerorts wird ein Impfnachweis kontrolliert, wenn man Museen, Restaurants oder Sportveranstaltungen besucht. Eine von vier Personen in den USA war bereits an Covid-19 erkrankt. 252,1 Millionen US-Amerikaner sind zumindest einmal geimpft und etwa 214 Millionen gelten als vollimmunisiert. 



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