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Slowenien – Wie’s bei unseren Nachbarn weitergeht

Österreichs Unternehmer sind in Slowenien die größten Investoren. Was für diese die letzte Wahl bedeutet? Das und vieles mehr haben wir Eva Pfurtscheller, stellvertretende Außenwirtschaftsdelegierte in Laibach, gefragt.

Laibach
© AdobeStock - Matej Kastelic Laibach, die blühende Hauptstadt Sloweniens.

Am 3. Juni fanden in Slowenien Parlamentswahlen statt. Eine Regierung gibt es bis dato noch nicht. Wie wird es nun weitergehen?

Pfurtscheller: Die Regierungsbildung gestaltet sich schwierig, zumal neun Parteien ins Parlament gewählt wurden und sich für eine Koalition fünf bis sechs Parteien zusammenfinden müssen. Einige davon schließen Koalitionen mit rechtskonservativer Beteiligung aus. Es wir wohl noch bis zum Herbst dauern, bis wirklich eine neue Regierung gebildet werden kann. Wir gehen aber davon aus, dass Slowenien weiterhin eine stabile Demokratie bleiben wird und es auch in Zukunft ein wirtschaftlich postitives Umfeld geben wird.

Apropos: Wie geht es unserem Nachbarland derzeit wirtschaftlich?

Pfurtscheller: Die slowenische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2018 effektiv um satte 4,6 Prozent gewachsen. Grund für diese Entwicklung waren sowohl Steigerungen der Auslands- als auch der Inlandsnachfrage. Die Inflation ist weiterhin gering und mit einer Arbeitslosenrate von 5,9 Prozent im ersten Quartal 2018 wurde die niedrigste Arbeitslosenrate seit 2007 erreicht.

Wie stark sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Slowenien und Österreich?

Pfurtscheller: Mit Importen von 1.700 Euro pro Kopf ist Slowenien das stärkste Abnehmerland österreichischer Produkte und Dienstleistungen überhaupt. Zudem unterhalten mehr als 1.000 österreichische Unternehmen – 80 davon aus der Steiermark – eigene Niederlassungen in unserem Nachbarland. Und: Österreichische Unternehmen sind die mit Abstand stärksten Auslandsinvestoren des Landes. Gemäß den Angaben der slowenischen Nationalbank beliefen sich die Direktinvestitionen der rot-weiß-roten Unternehmen seit 1991 insgesamt auf rund 3,2 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass 24,7 Prozent aller Auslandsdirektinvestitionen in Slowenien aus Österreich kommen.

Was sind die wichtigsten Branchen, in denen heimische Unternehmen in unserem Nachbarland aktiv sind? 

Pfurtscheller: Steirische Unternehmen sind vor allem in den Bereichen Energie, Banken und Versicherungswesen, Transport und Logistik sowie Handel tätig. Sehr interessante Branchen für heimische Firmen sind zudem die Immobilien- und Vermögensverwaltung sowie die Produktion im Bereich Industrie, Konsumgüter – insbesondere Leuchten –, Lederwaren, Maschinen und Anlagenbau. Im Bundesländervergleich ist die Steiermark übrigens wichtigster Handelspartner Sloweniens, mit Exporten in der Höhe von 533 Millionen Euro im Jahr 2016 und Importen in der Höhe von 480 Millionen Euro. Der bedeutendste Hafen für die österreichische Wirtschaft ist mit dem Hafen von Koper auch in Slowenien angesiedelt.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Wirtschaftsstandorts ein?

Pfurtscheller: Positiv. Ausländische Investitionen nehmen zu und es zeichnet sich ein steigendes Interesse am Standort ab. Eine vom AußenwirtschaftsCenter Laibach durchgeführte Umfrage unter österreichischen Investoren zeigt, dass Slowenien auch in Zukunft ein interessanter Investitions-
standort für österreichische Unternehmen sein wird. Ein Fünftel der Befragten geht auch von einer Steigerung der Mitarbeiterzahl sowie des Umsatzes aus. 

Im Interview: Eva Pfurtscheller, Außenwirtschaftscenter Laibach, laibach@wko.at


Wie steirische Firmen in Slowenien Partner finden

Mit „Expedire“ setzt das ICS einen Slowenienschwerpunkt und hilft heimischen Firmen dabei, Grenzen zu überschreiten.

Unser südliches Nachbarland ist mit 2,1 Millionen potenziellen Kunden, steigender Kaufkraft und einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von fünf Prozent für 2018 ein äußerst attraktiver Absatzmarkt. „Besonders kleinen und mittleren Unternehmen fällt es aber oft schwer, über die Grenzen hinaus aktiv zu werden“, weiß ICS-Geschäftsführer Robert Brugger. Um KMU aus Österreich und Slowenien darin zu bestärken, grenzüberschreitende Unternehmenspartnerschaften einzugehen, setzt das Internationalisierungscenter Steiermark mit dem EU-Programm Expedire einen Slowenienschwerpunkt: So werden heimische Firmen beispielsweise  bei der Suche nach Kooperationspartnern im Nachbarland unterstützt. Und es werden gezielte Netzwerkveranstaltungen – etwa Lieferantentage – abgehalten. 

Bei Weiterbildungen, Coaching und Betreuung wird den Teilnehmern zudem notwendiges Knowhow vermittelt. Einer, der bereits vom Programm profitiert hat, ist Wolfgang Knöller, Inhaber von STS Formtechnik in Bärnbach. Im Rahmen von zwei Lieferantentagen in der Wirtschaftskammer Voitsberg hat er Kontakte mit slowenischen Firmen geknüpft. „Es hätte eine Woche gedauert, all diese Firmen zu besuchen“, so Knöller. Das Ergebnis: „Mit zwei dieser Betriebe arbeiten wir bereits zusammen.“

Weitere Infos auf www.ic-steiermark.at/expedire und bei Karin Hölbling, karin.hoelbling@ic-steiermark.at

Von Petra Mravlak




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