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Schulen als Mammutaufgabe in der Pandemie

Mit Martin Polaschek steht ein Steirer an der Spitze des Bildungsministeriums. Wir haben ihn zum Interview gebeten. 

Bildungsminister Martin Polaschek
© BKA/Andy Wenzel Martin Polaschek ist im Dezember als neuer Bildungsminister dem Ruf in die Politik gefolgt.

Sie sind im Dezember als neuer Bildungsminister dem Ruf in die Politik gefolgt. Wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz aus?

Martin Polaschek: Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag natürlich im Coronamanagement. Hier bin ich sehr froh, dass es uns gelungen ist, die Schulen durch unsere Maßnahmen offen zu halten und damit so sicher wie möglich zu gestalten. Darüber hinaus konnten wir aber auch den Standort für die neue Technische Universität fixieren - in bestem Einvernehmen mit dem Land Oberösterreich. Damit konnte ein weiterer Schritt zur Umsetzung eines der bedeutendsten wissenschaftspolitischen Entwicklungsprojekte der letzten Jahre gesetzt werden. Und ich war schon in einigen Bundesländern unterwegs, um mich vor Ort mit unterschiedlichen Menschen im Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftsbereich auszutauschen.

Das Corona-Management überlagert derzeit alles. Die Auswüchse der Pandemie zeigen sich auch im Bildungsbereich: Etwa der Fall des 9-jährigen in Voitsberg, der im Freien seinen Test schrieb, auf der anderen Seite Maturanten, die wegen der Wiedereinführung der mündlichen Matura auf die Barrikaden steigen. Wie kann Schule in diesen herausfordernden Zeiten gelingen? 

Polaschek: Nur mit dem Willen zum guten Miteinander und Dialog. Die Bilder des Buben in Voitsberg haben uns alle berührt, so etwas darf und soll nicht passieren. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten auf dem Rücken von Kindern auszutragen ist jedenfalls immer der falsche Weg. Und zur mündlichen Matura kann ich sagen, dass wir auch hier in ständigem Austausch mit den Schülervertretungen sind. Die mündliche Matura für alle wird ja in dem Sinn nicht „wiedereingeführt“, sie wurde voriges Jahr ausnahmsweise einmal ausgesetzt. Das lag vor allem daran, dass die Schulen zu Beginn der Pandemie häufig in Distance Learning waren. Mit Einführung der flächendeckenden Tests konnten wir die Bildungseinrichtungen nun offen halten und dadurch auch die mündliche Matura für alle mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen abhalten.  Da aber die Auswirkungen der Pandemie noch immer spürbar sind, haben wir auch dieses Jahr eine Vielzahl an Erleichterungen geschaffen. So werden Fristen verlängert, die Jahresnote in die Maturanote miteinberechnet und die Themenbereiche eingegrenzt.

Der Bildungsbereich ist seit Jahrzehnten ideologisch aufgeheizt mit Grabenkämpfen rund um Gesamtschule, Ferienzeiten und Ganztagsschule. Wo braucht es dringend Reformen, wo sind sie realistisch?

Polaschek: Ich denke, diese ideologischen „Grabenkämpfe“, wie Sie es nennen, gibt es in vielen Bereichen, denken Sie nur an Wirtschaft, Ökologie oder Sozialpolitik. Ich halte davon grundsätzlich wenig. Ich bin ein Freund offener Diskussionen und das Verharren in strikte Ideologien kann einem manchmal den Blick aufs Wesentliche nehmen. Im Bildungsbereich muss es uns gelingen, Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu fördern. Egal, woher sie kommen, welche Begabungen und vielleicht auch Defizite sie haben und aus welchem sozialen Milieu sie kommen. Das ist das große Ziel und daran arbeiten wir mit Elan.

Welche Vorhaben im Bildungsbereich wollen Sie besonders vorantreiben?

Polaschek: Derzeit geht es darum, Bildungslücken, die durch die Pandemie entstanden sind, zu schließen. Dafür haben wir ein umfangsreiches Förderpaket beschlossen. Darüber hinaus arbeiten wir gerade daran, das große Projekt der Überarbeitung der Lehrpläne abzuschließen. Hier kommen wir zu einem Fokus auf kompetenzorientiertes Lernen, um die Kinder und Jugendlichen fit für die Zukunft zu machen. 

Nach langen Phasen des Homeschoolings, abgesagten Schularbeiten und Tests: Wie kann die Rückkehr zur Leistungsnormalität gelingen? Geht hier Exzellenz verloren? Oder anders gefragt: Wie massiv sind die Bildungsdefizite, die nachhaltig zurückbleiben werden?

Polaschek: Bildungslücken sind leider da und wir arbeiten daran, sie zu schließen. Genau aus diesem Grund haben wir auch stets dafür gekämpft, dass die Schulen offen bleiben können sofern es die epidemiologische Lage irgendwie zulässt. Kinder und Jugendliche sollen in einer Klasse und nicht am Esstisch lernen, das hat uns die Pandemie sehr deutlich vor Augen geführt. Mit bedarfsgerechter Unterstützung müssen wir die Lücken schließen, wir sind gerade dabei, ein finanzierbares Paket zu schnüren. Die Mittel für die Schulpsychologie konnten wir bereits um 20 Prozent aufstocken. Schülerinnnen und Schüler haben ja leider auch psychisch stark unter der Pandemie gelitten.

Die Pandemie hat auch die Digitalisierung im Bildungsbereich befeuert. Ist hier der Plafond erreicht oder gibt es noch Luft nach oben?

Polaschek: Corona hat uns eindringlich gelehrt, wie wichtig digitale Kompetenzen sind. Österreich ist auf einem guten Weg, denn in den vergangenen beiden Jahren hat sich hier ja viel getan. Im Herbst konnten etwa erstmals 150.000 Schülerinnen und Schüler mit Tablets und Laptops ausgestattet werden. Gerade läuft die Ausrollung in den Unterstufen. Und mit der Einführung des Pflichtfaches „Digitale Grundbildung“ ab dem Schuljahr 2022/23 ist ein Meilenstein in der Digitalisierung gelungen, dem noch viele weitere Schritte folgen werden.

Das Thema Fachkräfte ist für die Wirtschaft ein ganz elementares. Die Rahmenbedingungen soll auch das Gesetz für höhere Berufsbildung abstecken, das aber noch immer in der Warteschleife ist. Bis wann ist damit zu rechnen?

Polaschek: Es ist unser Ziel durch Maßnahmen im Bildungsbereich dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Um den Fachkräftebedarf vor allem im höher qualifizierten Bereich besser zu decken, wurde unter anderem mit der Reform der hochschulischen Weiterbildung, die mit 1. Oktober 2021 in Kraft getreten ist, ein Schwerpunkt auf berufsfokussierte Weiterbildung gelegt. Mit dem neu geschaffenen Bachelor und Master Professional sollen vor allem Personen mit Berufsqualifikationen (wie z.B. Lehrabschluss) und einschlägiger Berufserfahrung akademische Karrierepfade ermöglicht werden.  Das Rahmenbedingungen für ein Gesetz für die höhere berufliche Bildung im postsekundären, nicht hochschulischen Bildungssegment werden derzeit – auch unter Berücksichtigung der Reform der hochschulischen Weiterbildung – diskutiert.  

Die Pandemie hat interessante Phänomene zu Tage gefördert, u.a. ist die Wissenschaftsskepsis gestiegen. Schmerzt das den Wissenschaftsminister ganz besonders? Und wie lässt sich hier gegensteuern?

Polaschek: Das ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Es stellt sich die Frage, warum die Wissenschaftsskepsis in Österreich größer ist als in anderen Ländern und wie wir das verbessern können. Ich glaube hier braucht es einen Mix an Maßnahmen. Wir arbeiten daher gerade an einem Gesamtpaket, mit dem wir an verschiedenen Stellen ansetzen. Es ist in meinen Augen ein gesellschaftspolitisches Problem. Wir werden bereits in der Schule ansetzen aber auch die Wissenschaftskommunikation allgemein verstärken müssen.

Als ehemaliger Vizerektor und Rektor der Universität Graz haben Sie eine besondere Affinität zu Wissenschaft und Forschung. Wie beurteilen Sie den Wissenschafts- und Forschungsstandort Steiermark?

Polaschek: Die Steiermark ist sehr gut aufgestellt und Graz ist als zweitgrößte Universitätsstadt ein essentieller Teil der vielfältigen Hochschullandschaft in Österreich. Als ehemaliger Rektor weiß ich, wie exzellent die Wissenschaft und Forschung aber auch insbesondere die Lehre an den steirischen Hochschulen ist. Mit den Leistungsvereinbarungen 2022-24 stehen der Steiermark und den fünf Universitäten erstmals mehr als 2 Mrd. Euro für nachhaltige Investitionen in Wissenschaft und Forschung zur Verfügung. Das unterstreicht die Bedeutung des weiß-grünen Wissenschaftsstandortes mit einer der höchsten F&E-Quoten Österreichs. Aber auch in der Bauinfrastruktur setzt der Bund beeindruckende Schwerpunkte. Man nehme nur das „Graz Center of Physics“ als Beispiel.


Zur Person: 

Martin Polaschek, geboren 1965 in Bruck/Mur. Jus-Studium, Promotion, Universitätsprofessor. Vizerektor und Rektor der Uni Graz, seit Dezember 2021 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft.  


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