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Reisen ohne schlechtes Gewissen im Gepäck

Reiselust ohne Umweltfrust: Aufgrund des Klimawandels wollen immer mehr Menschen auf Flugreisen und All-inclusive-Urlaube verzichten. Hier die besten Lösungsansätze. 

 Fliegen zählt aktuell zu den umweltschädlichsten Verkehrsmitteln. Schon eine einzige Flugreise kann mehr CO₂ produzieren, als man sonst im ganzen Jahr hinterlässt.
© AdobeStock/malp Fliegen zählt aktuell zu den umweltschädlichsten Verkehrsmitteln. Schon eine einzige Flugreise kann mehr CO₂ produzieren, als man sonst im ganzen Jahr hinterlässt.

Die Anreise

Daran ist nicht zu rütteln: Fliegen zählt aktuell zu den umweltschädlichsten Verkehrsmitteln. Schon eine einzige Flugreise kann mehr CO₂ produzieren, als man sonst im ganzen Jahr hinterlässt. Ähnlich fatal sieht die CO₂-Bilanz bei Schiffsreisen aus: Eine Kreuzfahrt weist einen 36 Mal größeren ökologischen Fußabdruck als eine Zugfahrt auf. Trotzdem können wir uns nicht ausschließlich zu Fuß oder mit dem Rad fortbewegen. Züge und Fernbusse sind somit die mit Abstand umweltfreundlichsten Alternativen, um größere Dis­tanzen zurücklegen zu können. Diesen Vorteil haben sich bereits zahlreiche Bahngesellschaften zunutze gemacht und ihre Direktverbindungen sowie ihren Service stark ausgebaut. Die Deutsche Bahn beispielsweise feierte zuletzt mit dem „9-Euro-Ticket“ große Erfolge. Aber auch hierzulande sorgen attraktive Angebote für ein Umdenken bei den Urlaubern. Vor allem die Anreise per Nachtzug hat in den vergangenen Jahren viele Sympathisanten dazugewonnen. Ab Graz fahren Nightjets beispielsweise direkt nach Kroatien, Deutschland, Polen oder in die Schweiz. 

Nachhaltige Unterkünfte

Auch das Buchen der Unterkunft hat einen großen Einfluss auf unsere Umwelt. Ein All-inclusive-Hotel hat nämlich einen deutlich höheren Strom- und Wasserverbrauch als ein kleines Apartment. Das heißt aber nicht, dass nachhaltige Herbergen immer nur klein und simpel sein müssen – im Gegenteil: Inzwischen gibt es zahlreiche zertifizierte Bio-Hotels ebenso wie Hotels mit einer rein veganen Küche. Wer nachhaltige Übernachtungsmöglichkeiten bucht, muss also nicht auf Luxus und Komfort verzichten. Stattdessen sollte man sich bei der Wahl der Unterkunft über die Bauweise des Gebäudes, die Nutzung vorhandener Ressourcen sowie die verwendeten Lebensmittel informieren. Diverse Portale wie „Green Pearls“ helfen bei der Auswahl.

"Grüne" Reiseportale

Ein großer Anteil der globalen Treibhausgasemissionen wird inzwischen vom Tourismus verursacht. Um diese Zahl in Zukunft nach unten zu treiben, haben sich bereits viele Reiseanbieter für nachhaltigen Tourismus ausgesprochen. Sie spezialisieren sich auf ganzheitliche Angebote von der Anreise bis hin zur Unterkunft und achten dabei vor allem auf Klimafreundlichkeit. Das österreichische Reisebüro „Trai­velling“ hat sich zum Beispiel komplett auf Bahnreisen in Europa, Asien und Nordafrika konzentriert. Bei „Bookitgreen“ hingegen können Reisende nur Unterkünfte auswählen, die mindestens 15 Nachhaltigkeitskriterien erfüllt haben – darunter die Verwendung ökologischer Reinigungsmittel, wassersparender WCs und regionaler Lebensmittel. 

Während der Reise vor Ort

Selbst wenn man mit dem Zug anreist und so gut wie alle Wege während des Aufenthaltes zu Fuß zurücklegt, heißt das nicht automatisch, dass man dann komplett klimafreundlich urlaubt. „Sanfter Tourismus“ lautet das Gebot der Stunde, denn auch das Verhalten vor Ort spielt eine große Rolle für die Umwelt: „Wenn wir in andere Länder reisen, bedeutet nachhaltiger Lebensstil auch, das Leben der Menschen vor Ort im Alltag kennenzulernen. Wer in abgeschlossenen Ferienquartieren untergebracht ist, kann sich schwer in einen direkten Austausch mit der Kultur begeben“, so Klimaökonom Karl Steininger (siehe Interview unten).

CO2-Kompensation

Was genau passiert eigentlich, wenn man bei Flug- oder Busreisen das Häkchen bei „CO₂-Emissionen ausgleichen“ setzt? Viele Anbieter werben dabei mit dem Versprechen, den CO₂-Fußabdruck per Mausklick kompensieren zu können – doch ist das überhaupt möglich? Und wohin fließt das Geld, das dafür zusätzlich abgebucht wird?  

Fakt ist, dass man nicht pauschal sagen kann, ob Firmen damit nur „Greenwashing“ betreiben oder wirklich nachhaltig etwas bewegen. Auch hier gilt es individuell nachzuprüfen, wohin und in welcher Höhe die Spenden fließen. „Bei einigen seriösen Anbietern werden Projekte zur Emissionsreduktion oder Kohlenstoffbindung in anderen Ländern finanziert. Diese gilt es aber trotzdem auch immer kritisch zu hinterfragen“, rät Steininger. Die Austrian Airlines beispielsweise bieten ihren Kunden die Möglichkeit, für Klimaschutzprojekte in Österreich, Ruanda und Taiwan zu spenden. Das Verkehrsunternehmen „Flixbus“ hingegen verspricht Reisenden eine Kompensation der eigenen Fahrt: Bei der Buchung wird der errechnete CO₂-Betrag automatisch auf den Ticketpreis aufgeschlagen – in der Regel liegt dieser bei etwa zwei Prozent des ursprünglichen Ticketpreises. „Der einzig dauerhaft zulässige Ausgleich wäre allerdings der Aufbau einer langfristigen CO₂-Speicherung, zum Beispiel in Form mächtigerer Humusschichten in landwirtschaftlichen Ackerflächen, wie etwa bei der Ökoregion Kaindorf“, so Steininger.    

Karl Steininger ist Professor und Ökonom am Wegener Center der Uni Graz.
© Uni Graz/Tzivanopoulos Karl Steininger ist Professor und Ökonom am Wegener Center der Uni Graz.

Drei Fragen an Klimaökonom Karl Steininger

Was ist klimatechnisch die beste Art zu reisen?

Jenseits von Radreisen oder Wanderungen weist das österreichische Umweltbundesamt für die Bahn die geringsten Emissionen pro Personen-Kilometer aus, nämlich 19 Gramm CO₂-Äquivalente. Mit dem Reisebus sind es 2,5-mal so viel, mit dem Pkw zehnmal so viel und mit dem Flugzeug zwischen 30 und 100 Mal so viel. 

Wie viele Flugreisen pro Jahr sind noch vertretbar?

Pro Kopf stoßen Österreicher derzeit im Durchschnitt zehn bis15 Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr aus. Das müssen wir möglichst schnell auf höchstens eine Tonne absenken, wenn wir die Pariser Klimaziele erreichen wollen.  Alleine eine Flugreise nach New York und zurück schlägt mit fünf Tonnen zu Buche. 

Wie werden wir in Zukunft Urlaub machen?

Ich denke, dass wir die nähere Umgebung wieder mehr schätzen lernen werden. Was die Verkehrsmittel betrifft, gewinnt die Bahn (heute schon) dank Schnellverbindungen und Nachtzügen wieder Marktanteile in mehreren europäischen Ländern. Flüge hingegen werden aufgrund nachhaltiger, synthetischer Treibstoffe immer teurer, was die Nachfrage wohl auch sinken lassen wird.  


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