th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

Plus 147,5 Prozent: Belgien ist Exportkaiser

In der steirischen Exportbilanz weist kein anderes Land höhere Zuwachsraten als Belgien auf. Eine Bestandsaufnahme des Wirtschaftsstandorts.

Belgien, Fahne von Belgien
© Lalsstock, Adobestock Belgiens Hauptstadt Brüssel ist als Hauptsitz der EU Dreh- und Angelpunkt der Europäischen Union.

Mit einer Steigerung der Exporte aus der Steiermark nach Belgien um 147,5 Prozent im ersten Halbjahr 2021 ist das Königreich jener Markt mit den größten Exportzuwächsen für die grüne Mark. Zuwächse, die weit über sonst üblichen Wachstumsraten liegen. Grund genug, um den Wirtschaftsstandort genauer zu betrachten.

Das 11,5 Millionen Einwohner zählende Land, in dem Niederländisch, Französisch und Deutsch gesprochen wird, ist nicht nur als Hauptsitz der EU von Bedeutung. Mit dem Hafen Antwerpen – dem zweitgrößten in Europa – ist es wichtige Logistikdrehscheibe und es ist ein bedeutender Pharma-Hub – so werden mehrere Covid-Impfstoffe und Impfstoffbestandteile in Belgien produziert. Nicht zuletzt ist es auch Europas größter Chemie-Cluster. „In den ersten drei Quartalen 2021 sind die österreichischen Exporte nach Belgien um 14,2 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegen“, berichtet Michael Spalek, Wirtschaftsdelegierter in Brüssel. Die wichtigsten Exportwaren waren Pharmazeutika, Straßenfahrzeuge und Maschinen. „Die Steiermark exportierte im gesamten Jahr 2020 Waren im Wert von 616 Millionen Euro. Auf Platz eins waren Straßenfahrzeuge, gefolgt von Papier und Maschinen.“ Im Vergleich dazu beliefen sich die Importe aus Belgien auf „nur“ 247 Millionen Euro.

Wirtschaftswachstum für Frühling erwartet

Belgiens Wirtschaft wurde durch die Pandemie zwar hart getroffen, sie hat sich aber als robust erwiesen. „Die Wirtschaftstätigkeit ist im dritten Quartal 2021 bereits wieder über das Vorkrisenniveau hinausgewachsen“, berichtet Spalek. Jedoch würden Versorgungsengpässe, steigende (Energie-)Preise und die Verschlechterung der Pandemiesituation den belgischen Wirtschaftsmotor derzeit wieder ins Stottern bringen. Spalek rechnet aber damit, dass mit dem Nachlassen der logistischen und gesundheitlichen Risiken das Wachstum ab dem Frühjahr 2022 wieder in Schwung kommen wird. „Die belgische Nationalbank geht für 2021 von einem BIP-Wachstum von 6,1 Prozent aus, das sich 2022 auf 3,2 Prozent abkühlen wird“, so Spalek. Der belgische Arbeitsmarkt sei nach wie vor sehr robust, auch dank der Unterstützungsmaßnahmen der Regierung, die wiederholt verlängert wurden. 

Positiv zu Buche schlagen dürften auch die 85 Investitions- und 36 Reformprojekte im Rahmen des EU-Aufbau- und Resilienzplans. „Mit insgesamt 5,9 Milliarden Euro – wobei mehr als 60 Prozent für Infrastrukturprojekte vorgesehen sind – wollen die belgischen Behörden das strukturelle Defizit bei den öffentlichen Investitionen in Belgien beseitigen“, berichtet Spalek. 

Derzeit befindet sich das Land mitten in der Omikron-Welle mit über 50.000 täglichen Neuinfektionen (7-Tages-Schnitt). „Mit 76,7 Prozent vollständig Geimpften und 52,4 Prozent, die auch schon die Boosterimpfung erhalten haben, gehört Belgien aber, trotz anfänglicher Schwierigkeiten bei den Impfungen, mittlerweile zu den Spitzenreitern in Europa“, so Spalek.

Weiß-grünes Know-how in Belgien

Zahlreiche steirische Unternehmen sind in Belgien äußerst aktiv, was sich auch in den aktuellen Exportzahlen widerspiegelt. Eine Firma, die in Belgien derzeit wohl alle Hände voll zu tun hat, ist der Spezialanlagenbauer und Biotreibstoffspezialist BDI (Bio-energy International): Das Grambacher Unternehmen hat mit dem Bau einer hochmodernen Biodieselanlage im belgischen Gent im Wert von 150 Millionen US-Dollar für den amerikanischen Konzern Cargill einen Großauftrag an Land gezogen hat. Die Anlage wird eine Produktionskapazität von 115.000 Tonnen Biodiesel pro Jahr aufweisen und soll im Juni 2022 eröffnet werden. „Unser Anteil an diesem Leuchtturmprojekt stellt das größte Auftragsvolumen in der Geschichte der BDI dar“, berichtet Geschäftsführer Markus Dielacher. „Mit unserer Technologie wird Cargill einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des europäischen Transportsektors leisten.“ 

In Dekarbonisierung investiert auch der Stahlkonzern Arcelor Mittal, und zwar 1,1 Milliarden Euro in sein Werk in Gent. Hier kommt das Technologie-Know-how des Joanneums und der Universität Graz zum Einsatz. 

Auf Wachstumskurs ist auch die Grazer Optic Retail International Group, hinter der die Michael Pachleitner Privatstiftung sowie die oberösterreichische Raiffeisen Invest Private Equity steht: Kurz vor Weihnachten kündigte man an, neben 142 Optiker-Filialen in den Niederlanden auch 35 Filialen der Marke Grand Optical in Belgien zu übernehmen. „Wir setzen damit einen Meilenstein im internationalen Wachstum unseres Grazer Unternehmens“, freut sich Michael Pachleitner

Belgien: Zahlen und Fakten

  • 11,5 Millionen Einwohner leben in Belgien auf einer Fläche von rund 30.700 Quadratkilometern.
     
  • 5,9 Milliarden Euro an Wirtschaftshilfen stehen für Belgien im Rahmen des EU-Aufbau- und Resilienzprogramms zur Verfügung.
     
  • 146 Millionen Euro war der Wert der Importe aus Belgien in die Steiermark im 1. Halbjahr 2021.

Von Petra Mravlak

Das könnte Sie auch interessieren

Ukrainische Flüchtlinge warten an einem Bahnsteig

Exodus aus der Ukraine: Nachbarn sind solidarisch

Mehr als 3,5 Millionen Menschen haben die Ukraine bereits in Richtung EU verlassen. In den Nachbarstaaten ist die Hilfsbereitschaft groß. mehr

Kind auf Schaukel vor zerstörtem Wohnhaus

Wie es so weit kommen konnte ...

Von der Nato-Osterweiterung bis zum geplanten EU-Beitritt: Historiker Peter Ruggenthaler über die Wurzeln des Konfliktes in der Ukraine. mehr

Stadtansicht Laibach

Politisch alles neu bei unseren Nachbarn

Parlamentswahlen, Pandemie und Ukraine-Krieg: Wilhelm Nest, Wirtschaftsdelegierter in Laibach, im Interview über die Wirtschaft im Nachbarland Slowenien. mehr