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Neues Vertriebssystem wirbelt Kfz-Handel auf

Lieferengpässe, Fachkräftemangel und neue Vertriebsnetze im Autohandel waren heiße Eisen beim „Tag der Kfz-Wirtschaft“.

Zwei parkende Autos
© Adobe Stock Beim "Tag der steirischen Kfz-Wirtschaft" standen die großen Herausforderungen der Branche auf der Agenda.

Die steirische Kfz-Wirtschaft ist eine veritable Größe im weiß-grünen Wirtschaftsleben: 2.600 Autohändler, 1.300 Fahrzeugtechniker und 230 Karosseriebautechniker umfasst die Kfz-Branche in der Grünen Mark, die sich einmal jährlich beim „Tag der Kfz-Wirtschaft“ zum Austausch trifft. Umso größer war die Freude bei den Veranstaltern, dass das Erfolgsformat nach Corona kürzlich wieder in „echt“ über die Bühne gehen konnte. Entsprechend groß war auch der Andrang: Hunderte Unternehmer aus dem Autohandel und der Kfz-Technik folgten der Einladung zum Branchentreff auf Schloss Vasoldsberg, bei dem auch WKO-Präsident Josef Herk als Ehrengast begrüßt wurde.

Vorherrschendes Thema war heuer der Umbruch im Autohandel. „Wir erleben gerade einen Systemwechsel, weg vom Händler- und hin zum Agentur-Verkaufssystem“, so Gremialobmann Klaus Edelsbrunner. Mercedes sei damit vorgeprescht, im Bereich der E-Mobilität seien Ford, VW und Volvo schon nachgezogen. Auch BMW, Ford und die Stellantis-Gruppe hätten schon angekündigt, ebenfalls in großem Stil umstellen zu wollen.

Ansprüche nach Kündigung prüfen 

Wenn Marken ihre Händlernetze neu aufstellen, stellt sich freilich die Frage, welche Ansprüche Händler nach einer Kündigung geltend machen können. „Da geht es etwa um Abfertigungsansprüche, um umgebaute Schauräume oder generell um Investitionsersätze, genauso wie um die Abgeltung für Kundenstämme“, so Gremialgeschäftsführerin Barbara Leitner. Diese rechtlichen Ansprüche standen auch im Mittelpunkt der Vorträge von Bernhard Kalcher, Obmann des Verbands Österreichischer Kraftfahrzeug-Betriebe (VÖK), und Rechtsanwalt Patrick Huttmann. Ziel sei es, außergerichtliche und tragbare Lösungen zu finden, heißt es.

Generell berichtet Edelsbrunner von einer „angespannten Situation“ im Autohandel: „Wir haben leider zu wenig Ware, und ein Ende ist nicht abzusehen – im Gegenteil: Mit der Pandemie, dem Krieg in der Ukraine und dem Halbleiter-Mangel spitzt sich die Liefersituation immer mehr zu.“ Wegen fehlender Teile verknappt sich nicht nur das Angebot bei den Neuwägen, auch Gebrauchtwägen sind angesichts der großen Nachfrage derzeit Mangelware. Zudem stehen die Händler unter massivem Druck in Sachen E-Mobiliät, so Edelsbrunner. „Die Hersteller möchten die Vorgaben erfüllen und verkaufen, doch vielfach sind die Kunden noch nicht so weit. Denn oft fehlt noch die Infrastruktur zum Aufladen.“

Volle Auftragsbücher, aber zu wenig Ersatzteile

Thomas Marichhofer, Innungsmeister der Kfz-Technik, zieht für seine Branche eine zwiespältige Bilanz: „Wir haben zwar volle Auftragsbücher, doch tun uns zunehmend schwer, Reparaturen rasch durchzuführen, weil auch wir vom Ersatzteil-Mangel betroffen sind.“  

Zudem werde immer wieder von mangelhaften §57a-Überprüfungen berichtet, die zu Revisionen der Werkstätten führen würden. „Es ist sinnvoll, das Erhebungsblatt für die Geräteliste, den Ermächtigungsbescheid, die Bildungspässe der beteiligten Personen, den Mängelkatalog sowie die Gutachten griffbereit zu haben“, so Marichhofer.

Innungsmeister-Stellvertreter Josef Niegelhell wies auf einen  massiven Fachkräftemangel bei Kfz- und Karosseriebautechnikern hin: „Dieses Problem können wir nur lösen, wenn die Betriebe bereit sind, Lehrlinge auszubilden. Sie sind die gefragten Fachkräfte von morgen.“  

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