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Neues Leben für Traditionshandwerk

Simon Eiletz, Spross der Fassbinder-Dynastie in Knittelfeld, ist der erste Lehrling der Branche seit 32 Jahren. Damals hat sein Vater das Handwerk gelernt.

Simon senior, Simon junior und Erwin Eiletz (v.l.)
© Richard Purgstaller Drei Generationen, ein Handwerk: Simon senior, Simon junior und Erwin Eiletz (v.l.)

Die besten Geschichten schreibt das Unternehmerleben, so auch jene der Fassbinder-Dynastie Eiletz im Herzen von Knittelfeld. Im Traditionsbetrieb lernt mit Simon Eiletz jetzt erstmals nach mehr als drei Jahrzehnten wieder ein Lehrling in der Branche das jahrhundertealte Handwerk.

Zuletzt war es übrigens just sein Vater – und jetziger Lehrherr – Erwin, der sich im elterlichen Betrieb vor 32 Jahren zum Fassbinder ausbilden ließ. „Die Branche ist sehr überschaubar, es gibt nur noch wenige Betriebe und kaum Berufsnachwuchs“, berichtet er. Gerade einmal eine Handvoll Lehrlinge aus dem deutschsprachigen Raum besuchen die Berufsschule in Pöchlarn (NÖ).

Know-how über Generationen

Umso bemerkenswerter ist es, dass mit dem Berufsnachwuchs im Murtal auch der Fortbestand des Familienbetriebs gesichert wird. „Ich war von klein an immer in der Werkstatt, etwas anderes wäre für mich nicht infrage gekommen“, sagt der 19-Jährige. Als Tischlergeselle bringt er schon viel Know-how mit, und seit Juli lernt er jetzt auch noch von Grund auf das Fassbinder-Handwerk. „Und eines Tages“, so Simon Eiletz, „will ich dann den Betrieb übernehmen.“ So wird das Know-how rund um Fassdauben, Barriquefässer und Holzbadewannen über Jahrhunderte in der Familie weiter gegeben, aktuell wird das Unternehmen im Murtal bereits in der sechsten Generation von Erwin Eiletz und seiner Frau geführt. Der 86-jährige Seniorchef Simon Eiletz steht bis heute Tag für Tag in der Arbeitsmontur in der Werkstatt, „das ist sein Lebenselixier“, berichtet Sohn Erwin. 

Doch damit nicht genug: Im Vorjahr hat der 1819 gegründete obersteirische Betrieb sein 200-jähriges Jubiläum gefeiert. Mitunter musste die Familie Eiletz den Betrieb auch durch sehr stürmische Zeiten führen, doch das Business mit den Fässern erwies sich als krisenfest. Derzeit sorgt die Corona-Krise für Stornierungen bei den Bestellungen, „doch Fässer werden immer gebraucht.“ Ob Fässer für Whisky, Rum, Wein, Most oder Essig – die Produktpalette ist groß, der Kundenstock ebenso. „Auch wenn es mittlerweile Alternativen aus Kunststoff oder Metall gibt: Gute Weine lagern im Holz, weil Holz atmet und der Luftaustausch so gewährleistet wird“, so Eiletz.

Fassdauben bis zu 30 Metern Höhe

Auch Kraut- und Fleischbottiche hat Eiletz im Sortiment, genauso wie Blumenkübel oder Saunabottiche. Am eigenen Holzlagerplatz werden die Hölzer gelagert, die Fassdauben bis zu einer Höhe von 30 Metern aufgetürmt und getrocknet. Verarbeitet verschiedenste Holzarten – ob Eiche, Lärche, Ahorn, Linde, Buche, Esche oder Fichte. Um die typische Fassform zu erzeugen, muss das Holz gebogen und gehobelt werden. „Das Fass wird mit Feuer geheizt und getoastet, damit ein dichter Körper entsteht.“ Auch die Fassreifen, Türen und Pipen werden im Betrieb gefertigt. Der maschinelle Einsatz hat sich zwar verstärkt, aber vieles wird noch immer von Hand gemacht. „So fließen in ein großes Fass schon einmal 40 Stunden Arbeitszeit“, bietet Eiletz Einblicke in seine Arbeit. 

Auch wenn die (Billig-)Konkurrenz aus dem Ausland nicht schläft, ist Eiletz überzeugt, „dass Qualitätsware aus der Steiermark auch weiterhin gefragt sein wird.“ Sagt‘s und geht gleich wieder an die Arbeit, denn ein Spezialauftrag wartet noch darauf, fertiggestellt zu werden: Ein 1000-Liter-Fass.

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