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Neue Wertschätzungskultur in der steirischen Arbeitswelt

Betriebe, die großes Augenmerk auf einen wertschätzenden Umgang miteinander legen, haben fünfmal so viele „höchst-engagierte“ Mitarbeiter.

Die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen haben sich in den vergangenen 20 Jahren laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) fast verdreifacht. Zwar ist dieser Umstand zum Teil einem steigenden gesamtgesellschaftlichen und ärztlichen Problembewusstsein zuzuschreiben. Mittlerweile untermauern aber auch viele Studien, dass die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz steigen und damit auch zu einem volkswirtschaftlichen Faktor werden: Laut WIFO kosteten die Fehlzeiten von Arbeitnehmern der österreichischen Gesellschaft jährlich schon rund 5,7 Milliarden Euro.

"Menschliche" Umgangsformen als Erfolgsfaktoren"

Aber nicht nur Stress und Termindruck machen krank: Wenn Mitarbeiter, Führungskräfte und auch Unternehmer für ihre Leistung nicht wertgeschätzt werden, kann das äußerst negative Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Das zeigt ein Vorab-Auszug aus der aktuellen Studie „Arbeitswelt Österreich 2015“, die von der Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Firma „research team“ durchgeführt wurde. „Ein ganz zentrales Ergebnis darin ist, dass die Zahl der höchst-engagierten Mitarbeiter in besonders wertschätzend geführten Unternehmen bei 52,3 Prozent der Belegschaft liegt, während sie in Unternehmen, die ein nur sehr geringes Augenmerk auf Wertschätzung legen, lediglich bei rund 11,7 Prozent liegt“, erklärt einer der Studienautoren, der Universitätsforscher und Arbeitspsychologe Paul Jiménez. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass in wertschätzenden Unternehmen nur fünf Prozent der Mitarbeiter angeben, in einem „kritischen Beanspruchungsbereich“ zu sein, während sich in nicht wertschätzenden Unternehmen rund 45 Prozent kritisch belastet sehen. Außerdem wirkt sich laut Studie eine wertschätzende Führung wesentlich auf die Arbeitseinstellung aus: In solchen Betrieben geben lediglich 8,8 Prozent der Mitarbeiter an, mehrmals im Jahr absichtlich langsam zu arbeiten. In nicht wertschätzend geführten Betrieben sind es hingegen rund 28 Prozent. Anerkennung und Wertschätzung seitens der Führungskräfte haben also eine enorme Auswirkung auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sowie die Gesundheit der Mitarbeiter. Dies lässt sich auch mit einer Zahl aus dem aktuellen AOK-Fehlzeitenreport in Deutschland untermauern. Während die Zahl der Krankenstandstage im Durchschnitt bei 19 Tagen lag, war sie in Unternehmen mit einer nachgewiesen besonders guten und attraktiven Arbeitsplatzkultur lediglich bei fünf Tagen: Ein Unterschied von gewaltigen 74 Prozent.

Wertschätzung als Fundament einer Unternehmenskultur

Besonders wichtig ist dabei, dass Wertschätzung kein „top-down-Thema“, also keine alleinige Aufgabe der Führungskräfte ist. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Grundeinstellung, die das Fundament einer Unternehmenskultur ist. „Auch Arbeitgeber, Chefs und Führungskräfte brauchen wertschätzendes Feedback“, sagt Karl-Heinz Dernoscheg, Direktor der WKO Steiermark. „Manchmal kann ich mich dem Eindruck nicht verwehren, dass Wertschätzung zwar von Mitarbeitern selbstbewusst eingefordert wird, sie jedoch eine wertschätzende Haltung gegenüber dem Unternehmen oder dem Management vermissen lassen. Der „Erfolgsfaktor Wertschätzung“ kann jedoch nur dann zur vollen Geltung kommen, wenn Wertschätzung unabhängig von Hierarchieebenen horizontal und vertikal in der Unternehmenskultur gelebt wird“, präzisiert Dernoscheg. Auch der Chef verdient und braucht wertschätzende Worte, „und ich spreche hier nicht von Schmeicheleien“.

 

Ins selbe Horn bläst Franz Gosch, Vizepräsident der Arbeiterkammer Steiermark. „Alle Menschen im und um das Unternehmen sind dabei wichtig, der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Der Faktor Mensch ist wesentlich für die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen, aber auch für die Gesundheit. Ein Mensch, der wertgeschätzt wird, bleibt nachweislich gesünder, ist motivierter und kreativer. Das erhöht nicht nur seine eigene Lebenszufriedenheit, sondern auch seine Produktivität und Leistungsfähigkeit“, sagt Gosch. „Mit der Wertschätzungsausstellung der „Social Innovators“ setzen wir einen „Wertschätzungskreislauf“ in Gang, der in allen steirischen Betrieben gestartet werden kann“. 

 

Gerade dann, wenn Anforderungen und Problemlagen in einem Unternehmen oder einer Institution steigen würden, sei Wertschätzung besonders wichtig. Die mittlerweile seit vielen Monaten schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt und die damit verbundene Belastung für die Mitarbeiter des Arbeitsmarktservice (AMS) sei dabei ein gutes Beispiel, sagt die stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS, Christina Lind: „Rekordarbeitslosigkeit, Armutsgefährdung, Migration und gesteigerte Multi-Problemlagen von Kunden stellen ständig steigende Herausforderungen für unsere Mitarbeiter dar“, sagt Lind. „Gerade in dieser Situation ist es ein Gebot der Stunde, sich seiner eigenen Unternehmenswerte bewusst zu sein und eine gemeinsame Identität und gesteigerte Compliance entstehen zu lassen“, sagt. Lind. 

Eine „Ausstellung“ als praxisnahes und interaktives „Wertschätzungstraining“

Um Wertschätzung in der Praxis erfolgreich in ein Betriebsklima integrieren zu können, hat die Firma „Social Innovators“ eine Ausstellung entwickelt, die einem grundlegenden Problem begegnen soll, erklärt Geschäftsführer Florian Simon. „Einen kulturellen Veränderungsprozess zu beginnen, ohne ihn „von oben“ zu verordnen – das ist die Herausforderung. Die Ausstellung setzt genau an diesem Punkt an und lädt mit insgesamt zehn verschiedenen Stationen, die in einem Betrieb je nach Bedarf aufgebaut werden, zu wertschätzendem Verhalten ein.“ So können Mitarbeiter jederzeit etwa einem augenblicklich stark belasteten Kollegen bzw. Führungskraft aus der Station „Wertschätzungsapotheke“ ein „Arzneimittel“ namens „Lobisdrin“ oder ein Teelöfferl „Gemeinschaftsgeist“ holen. An einer anderen Station können etwa „Postkarten“ mit wertschätzenden Aufdrucken wie „Großes Danke“ oder „Dickes Lob“ an einen Kollegen bzw. eine Führungskraft „verschickt“ werden. „Damit holen wir das Thema, das man bislang eher in Workshops und Seminaren für einen halben oder ganzen Tag, also in eher künstlichen Situationen, behandelt hat, in das direkte tägliche Arbeitsumfeld. Die Mitarbeiter und Führungskräfte des Unternehmens werden dabei durch die Ausstellungsobjekte über einen gewissen Zeitraum immer wieder an das Thema erinnert. So können wir Wertschätzung in eine Unternehmenskultur transferieren“, erklärt Simon.


Rückfragehinweis:

Mag. Mario Lugger
Referatsleiter Kommunikation
T 0316/601-652
mario.lugger@wkstmk.at

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