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Kredite für "Klimasünder" sollen teurer werden

Jetzt werden bei den Klimaschutz-Zielen auch die Banken in die Pflicht genommen: Nach EU- und EZB-Plänen sollen Kredite künftig nach Nachhaltigkeitskriterien vergeben werden. Wie das funktionieren soll, erklärt Volksbank-Vorständin Regina Ovesny-Straka im Interview.

Regina Ovesny-Straka
© Volksbank Steiermark Regina Ovesny-Straka ist Generaldirektorin der Volksbank Steiermark.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Auch der Finanzsektor soll jetzt ein wichtiger Pfeiler werden beim EU-Ziel, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Welche Pläne gibt es da schon?

Regina Ovesny-Straka: Die EZB verlangt bei der Kreditvergabe, dass Banken künftig Nachhaltigkeitskriterien prüfen. Sowohl die Kreditvergabe als auch die Zinshöhe sollen künftig von sogenannten ESG-Kriterien (siehe Info-Box) abhängen. Dieser Sommer hat gezeigt, dass wir handeln müssen. Allein auf freiwilliger Basis wird es nicht gehen. Und so steigt der Druck, auch in Richtung der Banken.

Was heißt das konkret in der täglichen Bankenpraxis?

Ovesny-Straka: Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Kredite für nachhaltige Projekte mit niedrigeren Zinsen versehen werden. Die EZB arbeitet dazu gerade Richtlinien aus. Wir rechnen damit, dass wir sie Ende 2022 am Tisch haben werden.  Es wird ein ESG-Scoring geben.  Dort wird auch definiert sein, wann die Bank die Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen muss. Wenn das der Fall ist, werden Kredite teurer werden. 

Kann es sein, dass bei umweltschädigendem Verhalten Finanzierungen überhaupt scheitern?

Ovesny-Straka: Theoretisch ja. Es könnte tatsächlich schwierig werden, wenn Unternehmen auf den Kapitalmarkt gehen und keine Antworten auf Nachhaltigkeitsfragen liefern können. In der Praxis wird man Lösungen finden müssen: Auch in CO2-nahen Branchen kann nachhaltiger produziert werden.

Wie bereiten Sie sich auf die Umstellung vor?

Ovesny-Straka: Seit 1. Juli stellen wir bei der Kreditvergabe spezielle Fragen zum Thema Nachhaltigkeit, etwa welchen Umweltrisken der Kunde ausgesetzt ist – zum Beispiel, ob der Produktionsstandort eines Unternehmens durch Murenabgänge gefährdet ist. Denn bei vielen Unternehmern ist das Thema noch nicht angekommen. Vielen ist noch nicht bewusst, dass Investitionen hinterfragt und etwa der Energieverbrauch analysiert werden muss. 

Gilt das für Unternehmenskredite genauso wie für Private?

Ovesny-Straka: Ja, das betrifft Konsumenten genauso wie Unternehmer. So verlangen wir  jetzt schon Energieausweise fürs Privathaus und Firmenimmobilien. 

Was kommt da auf die Kunden zu – und was auf die Banken?

Ovesny-Straka: Die Kunden müssen ihre Vorhaben offenlegen. Nachhaltigkeitsanalysen werden Teil des Kreditprüfungsprozesses sein. Es gibt zwar noch keine detaillierten Regeln, aber wir als Banken gehen von umfangreichen Dokumentationspflichten aus. Wir hoffen auf ein  aussagekräftiges ESG-Scoring: Müssen wir künftig den Energieverbrauch eines Unternehmens abfragen oder den Papierverbrauch? Das Thema Nachhaltigkeit ist schwer einzugrenzen. Ich hoffe, dass die Regulatorik mit Augenmaß passiert und möglichst klare Grundsätze hat.

Ist es nicht rechtlich problematisch, wenn die Kreditvergabe und die Zinshöhe von solchen Kriterien abhängen?

Ovesny-Straka: Das sehe ich nicht. Kunden mit schlechterer Bonität zahlen auch heute schon mehr, und so wird es künftig auch mit einem schlechten Nachhaltigkeitsranking sein. Banken können Kredite ja auch aus anderen Gründen ablehnen. 

Wie ist generell der Tenor in der Branche?

Ovesny-Straka: Viele Banken fühlen sich missbraucht, weil sie an vorderster Front stehen. Ich sehe es eher als Chance, die gemeinsame Kraftanstrengung zu stemmen.  

Auch die Corona-Krise war für die Banken eine riesige Herausforderung. Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Ovesny-Straka: Wir sind viel digitaler geworden. Im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden setzen wir diese Mittel bewusst ein. Generell war die Staatshilfe in Österreich umfassend, doch jetzt müssen Private und Betriebe ihr Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen.  

Die Wirtschaft zieht wieder an, Sorgenkind ist die Inflation. Wie ist Ihre Sicht auf die wirtschaftliche Entwicklung?

Ovesny-Straka: Trotz Lieferproblemen läuft es in der Industrie gut und im Tourismus exzellent. Die Rohstoffpreise werden die Inflation sicher beeinflussen. Ich hoffe nicht, dass wir in massive Lohnerhöhungen gedrängt werden. Das würde eine Preisspirale nach oben auslösen. Auch hier ist Augenmaß gefragt.

Interview: Karin Sattler 


ESG-Kriterien

Als Standard  nachhaltiger Anlagen hat sich die Begrifflichkeit „ESG“ (Environment, Social, Governance) etabliert. In Österreich haben führende Banken bereits mit der Auswertung der Nachhaltigkeit ihrer Firmenkunden begonnen. Ende nächsten Jahres  will die Europäische Zentralbank ein detailliertes ESG-Scoring vorlegen.


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