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Internationale Karriere im Rollstuhl

Starfriseur David Rinner sitzt seit seinem 18. Lebensjahr im Rollstuhl - mit uns spricht er über Barrierefreiheit und seinen Traumberuf.

Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. 14 Jahre ist es her, dass David Rinner - damals gerade einmal 17 Jahre alt - in der Dunkelheit das Gleichgewicht verloren hat und in ein ausgetrocknetes Flussbett gestürzt ist. Mit fatalen Folgen, die niederschmetternde Diagnose lautete "Querschnittlähmung". In der Reha musste er alles neu erlernen. Damals war der junge Mann gerade am Ende des zweiten Lehrjahres zum Friseur. Ans Aufgeben dachte er nie - im Gegenteil. Schon in der Reha begann er wie ein Besessener zu trainieren: "Dort hab ich allen Patienten und Therapeuten, die mir vor die Schere kamen, die Haare geschnitten." Quasi sein erster Friseursalon, dem weitere folgen sollten. Mit jedem Haarschnitt, mit jedem kleinen Therapieerfolg kämpfte er sich ins Leben zurück, und es ging bergauf - steil bergauf.

Konsequenter Weg
Den eingeschlagenen Weg hat er konsequent verfolgt. Die Frage, beruflich umzusatteln, hat sich für ihn nie gestellt: "Ich wollte unbedingt weitermachen, ich liebe meinen Beruf." Wichtiger Ankerpunkt für den Grazer war, dass sein Lehrherr - der bekannte Friseur Gerhard Mayer - ihm die Stange hielt. Weil die Finger voll funktionsfähig waren, konnte er seine Lehre fortsetzen - und abschließen, auch wenn ihm der Zugang zur Berufsschule verwehrt blieb: Sie war damals nicht barrierefrei. Nach dem Lehrabschluss legte der Stylist mit dem Faible für Mode und Haare eine Vorzeigekarriere hin: Er machte sich in der Branche international einen Namen und räumte mehrere Auszeichnungen ab. Nach Stationen in Mailand und New York betreibt er heute drei Friseur-Salons und eine eigene Talenteschmiede in Wien.

Unternehmerische Freiheiten

"Als Unternehmer kann ich viel mehr ausprobieren und umsetzen als in einem Angestelltenverhältnis", will er auf unternehmerische Freiheiten nicht verzichten. Zusätzlich hat er sich im Grazer Salon "Ginger" eingemietet. "So komme ich alle fünf Wochen in die Heimat zurück, um Stammkunden zu stylen", zieht es ihn immer wieder zurück zu den Wurzeln. Im "Ginger", wo wir den Parade-Unternehmer treffen, hat er die Räumlichkeiten mit Rampen adaptieren lassen. "Die bürokratischen Hürden erscheinen mir manchmal aber größer als die baulichen", kritisiert er. Sagt’s und ist schon unterwegs zur nächsten Kundin. Den Schneidesessel hat er so niedrig gestellt, dass er sie gut erreichen kann. Rinner ist mit seinem Schicksal nicht allein. Schätzungen zufolge gibt es in Österreich etwa 60.000 Rollstuhlfahrer. Damit sie in der Arbeitswelt vor Diskriminierung geschützt sind, gibt es ein eigenes Gesetz, auch die letzten baulichen Hürden sollen durch die Barrierefreiheit fallen. "Rückblickend habe ich mich mit der Behinderung arrangiert", sagt Rinner, der seinem Schicksal zum Trotz eine berufliche Karriere hingelegt hat, mit der er anderen Menschen mit Behinderung ein Vorbild sein will. Und nicht nur ihnen: "Es gibt sehr viele Berührungsängste im Umgang mit Rollstuhlfahrern. Mir ist am liebsten, ich werde gefragt, was passiert ist."


Rückfragen: 
Wirtschaftskammer Steiermark 
Stabsstelle für Kommunikation & Marketing 
redaktion.stwi@wkstmk.at

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