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"Wir müssen beim Impfen gegen den Faktor Zeit ankämpfen"

Weltweit setzen Regierungen auf Impfungen als Ausweg aus der Corona-Pandemie. Robin Rumler, Geschäftsführer der Pfizer Corporation Austria, erklärt, was hinter einer solchen Entwicklung steckt.

Symbolfoto: Spritze und BioNTech/Pfizer-Impfstoff
© AdobeStock_BioNTech Im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie wird weltweit auf Impfungen gesetzt.

Herr Rumler, Sie sind Geschäftsführer eines Unternehmens, das im Mittelpunkt des Weltinteresses steht. Wie viel Druck lastet in dieser Situation auf Ihren Schultern?

Robin Rumler: Es ist in erster Linie eine riesige Verantwortung, die wir übernommen haben, und gleichzeitig eine enorme Herausforderung. Und ich muss gestehen, natürlich spüren wir die Blicke der Weltöffentlichkeit, die auf uns gerichtet sind, dementsprechend wollen wir auch mit all den uns zur Verfügung stehenden Kräften einen möglichen Weg aus der Krise anbieten.

Mit BioNTech hat Pfizer innerhalb kürzester Zeit einen Corona-Impfstoff entwickelt. Wie ist das gelungen?

Rumler: Pfizer ist seit vielen Jahren ein Impfstoffexperte, wir haben also nicht von null weg gestartet. Als die Pandemie ausbrach, haben wir sofort die Expertise von tausenden Wissenschaftern weltweit gebündelt. Und mit der deutschen BioNTech haben wir ein Partnerunternehmen, das seit Jahren ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der mRNA-Technik ist. Wir alle müssen beim Impfen und damit auch in der Produktion gegen den Faktor Zeit ankämpfen. Deshalb wurde auch mit unternehmerischem Risiko agiert, indem nicht, wie sonst üblich, ein Forschungsschritt hinter den anderen gesetzt wurde, sondern auf verschiedenen Feldern gleichzeitig alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden. 

Wie kann man sich einen solchen Ablauf vorstellen?

Rumler: Wir haben bereits im letzten Juni einen aussichtsreichen Impfstoffkandidaten identifizert und eine weltweite Studie mit 44.000 Menschen in sechs Ländern auf vier Kontinenten ausgerollt. Mitte Dezember hat die amerikanische und am 21. Dezember die europäische Behörde grünes Licht gegeben. Am 26. Dezember haben wir bereits den ersten Impfstoff in Österreich gehabt und am 27. wurde das erste Mal damit geimpft. Das ist absolute Rekordzeit.

Und die Mutationen? 

Rumler: Wir gewinnen laufend an Know-how dazu, damit konnte die Produktionszeit einer Charge von 120 auf 60 Tage verkürzt werden. Aktuell hält unser Impfstoff allen Mutationen stand. Wenn es aber nötig ist, hier Adaptionen vorzunehmen, wäre das innerhalb weniger Wochen möglich. Die ebenfalls notwendige Adaption des Produktionsprozesses kann eventuell der Flaschenhals sein. Es kann einige Monate dauern, bis ein derartiger Impfstoff in großen Mengen zur Verfügung steht – geschätzt vier bis sechs Monate.

Die EU hat sich 500 Millionen Dosen von Pfizer gesichert, die bis Ende des Jahres ausgeliefert werden sollen. Wie bereitet man sich auf eine solche Herausforderung vor?

Rumler: Das ist selbst für ein international agierendes Unternehmen wie das unsere eine Challenge, die es so noch nie gegeben hat. Weltweit ist die Nachfrage auf über zwei Milliarden Dosen angestiegen, in Österreich waren es im November 3,5 Millionen, nun stehen wir bei elf Millionen Dosen. Um das überhaupt stemmen zu können, wurden einige Hebel in Bewegung gesetzt. Im Jänner haben wir das Werk im belgischen Puurs, während die Produktion schon angelaufen ist, massiv ausgebaut. Unsere Werke laufen sieben Tage die Woche 24 Stunden durch – wir sind sehr zuversichtlich, diese enormen Bestellmengen fristgerecht liefern zu können. 

Sie sagen, die Werke laufen rund um die Uhr. Wie lassen sich dann aber die weltweiten Lieferengpässe erklären?

Rumler: Das dürfen Sie die anderen Hersteller fragen – Pfizer liefert weit mehr als geplant. 

Weil aber zu wenig Impfdosen ankommen, werden die Rufe nach einer eigenen Produktion im Land immer lauter. Ist das die Lösung des Problems?

Rumler: Nein, denn man kann eine derartige Produktion nicht von heute auf morgen einfach hinstellen und hochfahren – dazu braucht es eine Infrastruktur, die über Jahre aufgebaut werden muss. Alleine die Logistik die dahinter steckt, sucht ihresgleichen – das sind kontinenteübergreifende Megaprojekte. Nur zum Verständnis: Der Pfizer/BioNTech-Impfstoff besteht aus 280 Bestandteilen, die von 86 Zulieferern aus 19 Ländern kommen. Und diese Puzzleteile müssen von Profis in Hightech-Betrieben zusammengesetzt werden. 

Pfizer wird also kein Werk in Österreich bauen?

Rumler: Sicherlich keines für den Corona-Impfstoff, das ist auch gar nicht nötig. Es gibt bereits weltweit Werke, die sich damit befassen, und wir sind hier alle bestens versorgt. In Europa sind es für Pfizer Puurs und das neue BioNTech-Werk in Marburg. Beide Werke schaffen mehr als 600 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr – damit kann man ganz Europa impfen. Und der Vollständigkeit halber: Pfizer produziert auch Impfstoff in Österreich: In Orth an der Donau werden Impfstoffe zum Schutz gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis – FSME – sowie gegen die durch Meningokokken der Serogruppe C verursachte Meningitis für den weltweiten Bedarf hergestellt. 


Zur Person:

Robin Rumler ist studierter Humanmediziner und seit 2009 Geschäftsführer der Pfizer Corporation Austria. Er ist Träger des großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich und Vize-Präsident der AmCham – American Chamber of Commerce in Austria.


Robin Rumler, GF der Pfizer Corporation Austria, im Online-Gespräch mit Redakteurin Veronika Pranger.
© Foto Fischer Robin Rumler, GF der Pfizer Corporation Austria, im Online-Gespräch mit Redakteurin Veronika Pranger.


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