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Herausforderungen am steirischen Arbeitsmarkt

Die Zahl der arbeitsuchenden Steirer steigt und steigt – und eine konjunkturelle Besserung ist nicht in Sicht.

Die Zahl der arbeitsuchenden Steirer steigt und steigt – und eine konjunkturelle Besserung ist nicht in Sicht. „Durch ein aktives Früheinschreiten und fachspezifische, wirtschaftsnahe Ausbildungen könnte dieses Wellental aber zumindest teilweise ausgeglichen werden“, sind sich WKO Steiermark Präsident Josef Herk und AMS Geschäftsführer Karl-Heinz Snobe einig. Denn: „Jeder Arbeitslose ist ein Arbeitsloser zu viel.“ WKO und AMS starten darum eine Informationsoffensive in Richtung der Betriebe. „Hier braucht es aber auch entsprechende Mittel, die in anderen Bundesländern oft ein vielfaches dessen ausmachen, was dem steirischen AMS zur Verfügung steht“, bekrittelt Herk.

  

Das Jahr 2015 hat mit einer Rekordarbeitslosigkeit begonnen. Exakt 55.000 Steirerinnen und Steirer waren mit Jahreswechsel auf Jobsuche – und daran dürfte sich in den kommenden Monaten leider wenig ändern. „Laut unserem aktuellen Wirtschaftsbarometer geht jeder dritte steirische Betrieb von einem Personalabbau aus. Besonders drastisch stellt sich die Lage bei den Kleinbetrieben unter 50 Mitarbeitern dar“, alarmiert WKO Steiermark Präsident Josef Herk. Für 2015 erwarten hier 38,2 Prozent einen Personalabbau, eine Aufstockung dagegen lediglich 5,4. Prozent. Das ergibt unterm Strich einen Negativsaldo von -32,8 Prozent. Bei den Mittelbetrieben (bis 250 Mitarbeiter) beläuft sich dieser Saldo auf -23,3 Prozent, bei Großbetrieben auf immerhin noch -17,3 Prozent. „Es braucht also eine Entlastung speziell für Klein- und Mittelbetriebe“, so Herk. Interessante Details enthüllt auch ein Blick auf die Regionen. Mit einem Negativsaldo von
-35,5 Prozent kristallisiert sich vor allem der Großraum Graz immer mehr als Problemfeld heraus. Das liegt in erster Linie an der starken interregionalen und internationalen Zuwanderung. Auf der anderen Seite gibt es bei den Beschäftigungserwartungen auch eine Positivausnahme – und die heißt Liezen (+7,1 Prozent). „Der Grund dafür liegt vor allem in der positiven Entwicklung des Tourismus in der Region“, so Herk.

 

Trotzdem steht für den WKO Steiermark Präsidenten außer Zweifel, dass dringend Maßnahmen gesetzt werden müssen, die das konjunkturelle Wellental zumindest teilweise ausgleichen. „Für mich ist jeder Arbeitslose ein Arbeitsloser zu viel. Darum mache ich mich für die Umsetzung von Programmen wie der Arbeitsplatznahen Qualifizierung (AQUA), der Eingliederungsbeihilfe für ältere Arbeitnehmer oder Vorbeugemaßnahmen wie das Programm Qualifizierung für Beschäftigte stark. Hier werden die Mittel derzeit allerdings zum Teil nicht ausschöpfend abgeholt“, so Herk. Darum wird nun seitens der WKO gemeinsam mit AMS eine Werbe- und Informationsoffensive in Richtung der Betriebe gestartet. Herk: „Da gibt es gute Instrumente, die erfolgsversprechend sind und ich lade jeden Unternehmer dazu ein, hier das Knowhow unserer Experten zu nutzen um diese arbeitsmarktpolitischen Instrumente wirksam werden zu lassen.“

 

Wobei das allein natürlich zu wenig sei: „In unseren Unternehmen gilt einmal mehr, das Qualifikationen unumgänglich sind, will man einen guten Arbeitsplatz haben. Da bedarf es vor allem im Bereich der Niedrigqualifizierten an zusätzlichen Maßnahmen.“ Frühes Einschreiten, heißt hier aus Sicht der Wirtschaft die Devise. Herk: „Der Fokus muss hier noch stärker auf fachspezifische, wirtschaftsnahe Ausbildungen gelegt werden und nicht mehr so sehr auf kurzfristige Überbrückungsschulungen, die so am Markt wenig Wert haben. In diesem Zusammenhang müssen wir mit Bedauern feststellen, dass das AMS Steiermark hier immer weniger Bundesmittel zur Verfügung gestellt bekommt. Andere Bundesländer kompensieren diese Rückgänge mit Landesmittel unter dem Titel kooperatives Budget. Für die Steiermark würden wir hier uns auch eine Umschichtung der Mittel in diese Richtung wünschen.“ Nur ein Vergleich: In Oberösterreich hat das AMS fast vier Mal so viel Landeskapital zur Verfügung wie in der Steiermark, wo rund zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen.

 

Ein besonderes Sorgenkind ist zudem der Arbeitsmarkt in Graz. Die interregionale und internationale Zuwanderung übt hier einen sehr immensen Druck aus. Es werden nicht genügend Jobs für die stetig wachsende Einwohnerzahl geschaffen. Gerade deshalb müsse man auch vonseiten des Landes Steiermark den Fokus stark auf den Grazer Zentralraum richten, fordert die Wirtschaftskammer. Die Entwicklung in diesem Raum sei essentiell für die Entwicklung des gesamten Landes. Herk setzt sich deshalb für ein Maßnahmenpaket ein, das sich speziell auf diese Region konzentriert. „Wir brauchen in jedem Fall eine Steigerung der Mobilität, mehr Gewicht auf wirtschaftsnahen Qualifizierungen, noch stärkere Integrationsmaßnahmen sowie auch eine Aufstockung des kooperativen Budgets des Landes.“ Konkret sei die Schaffung einer Plattform mit Holding-Graz und den Umlandgemeinden, um die Bedürfnisse der gewerblichen Wirtschaft und damit des Arbeitsmarktes auch im öffentlichen Verkehr abzubilden, dringend nötig.

  

Dienstleistungen des AMS für Betriebe

  • Stellenvermittlung: Knapp 10.000 Betriebe in der Steiermark nehmen regelmäßig die Dienstleistungen des AMS in Anspruch. Rund 60.000 offene Stellen werden in den 19 Geschäftsstellen des AMS Steiermark jährlich gemeldet, knapp 5.500 davon sind Lehrstellen. Diese offenen Stellen führen zu fast 300.000 Vermittlungsvorschlägen an arbeitslos vorgemerkte Personen, im Durschnitt sind sie innerhalb von 20 Tagen besetzt.
  • Betriebsbesuche: Eine zentrale Rolle im Service für Unternehmen des AMS spielen Betriebsbesuche. Dabei gehen die BeraterInnen in die Betriebe, um ein konkretes Bild von den Arbeitsplätzen zu erhalten und im persönlichen Kontakt mit den Verantwortlichen in den steirischen Unternehmen möglichst treffsichere Vermittlungsvorschläge machen zu können. 6.267 Betriebsbesuche gab es in der Steiermark im Jahr 2014.
  • eAMS / eJobroom: Das elektronische AMS ist für viele Betriebe längst zum alltäglichen Arbeitsinstrument geworden. 1.110 steirische Unternehmen haben ihr eAMS-Konto bereits aktiviert, 38% aller Förderanträge und 24% aller Anträge auf Ausländerbeschäftigung liefen im Jahr 2014 über ein eAMS-Konto ein. Daneben haben Betriebe die Möglichkeit sich im eJobroom zu registrieren und ihre Stellen selbst einzugeben. Damit ist das AMS rund um die Uhr erreichbar, was speziell für KMU sehr wertvoll ist.
  • Längere Telefon-Erreichbarkeit: Seit Anfang des Jahres ist das AMS Steiermark Montag – Donnerstag, von 7.30 Uhr bis 18.00 Uhr und Freitag von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr durchgehend erreichbar. Damit haben Betriebe verstärkt die Chance offene Stellen auch an „Tages-Rand-Zeiten“ bekannt zu geben. Durchschnittlich 75% aller Anrufe können gleich in der Serviceline erledigt werden, Rückrufe oder ein Weiterverbinden ist nicht nötig.
  • Europäische Vermittlung (EURES): Wenn es trotz intensiver Suche nicht gelingt, in Österreich geeignete BewerberInnen für einzelne offene Stellen zu finden, bietet das AMS auch internationale Vermittlung an. In direkter Zusammenarbeit mit anderen Europäischen Arbeitsmarktinstitutionen gelingt es in Einzelfällen, dringend benötigte Fachkräfte aus dem europäischen Ausland zu rekrutieren. Dabei geht es beispielsweise um Fachkräfte für die Tourismuswirtschaft oder um Montagetischler aus Slowenien, Ungarn, Tschechien, Slowakei oder Kroatien.
  • AusländerInnenfachzentrum: Seit 1.1.2014 hat das AMS Steiermark die Bearbeitung der Anträge nach dem Ausländer-Beschäftigungs-Gesetz (AuslBG) in einem AusländerInnenfachzentrum in Graz zusammengeführt. Damit kann nun gewährleistet werden, dass spezialisierte MitarbeiterInnen in der komplexen Materie des AuslBG immer am neuesten Stand sind und die Anträge der Betriebe schnellstmöglich und steiermarkweit einheitlich bearbeitet werden. Über 12.000 Anträge wurden im Jahr 2014 im AusländerInnenfachzentrum in Graz bearbeitet, die meisten davon als Vorbereitung für eine Entscheidung über die Zulassung zum Arbeitsmarkt in den regionalen Ausschüssen, unter Mitwirkung der Sozialpartnern.

Förderungen für Betriebe

  • Eingliederungsbeihilfe / Eingliederungsbeihilfe 50+: Betriebe, die Personen neu einstellen, die vorher mindestens 6 Monate lang beim AMS als arbeitslos vorgemerkt waren, können für die erste Zeit einen Teil der Lohnkosten gefördert bekommen. Damit sollen eventuell vorhandene Schwellenängste oder Vorbehalte abgebaut und die Chance des gegenseitigen Kennenlernens eröffnet werden. Aktuell gibt es diese Förderung besonders für Arbeitslose über 50.
  • Qualifizierungsförderung für Beschäftigte: Die Qualifizierungsförderung für Beschäftigte ist eine Fördermöglichkeit des AMS, mit der Arbeitslosigkeit verhindert werden soll, bevor sie überhaupt entsteht. Wenn Betriebe ihre MitarbeiterInnen bei aufrechtem Dienstverhältnis weiterbilden und damit deren Job absichern, kann diese Weiterbildung gefördert werden. Im Rahmen der 2013 ausgelaufenen EU-Förderperiode wurden so in der Steiermark jährlich mehr als 6.500 ArbeitnehmerInnen gefördert weitergebildet. Seit Jahresbeginn ist die Förderung nun wieder eingerichtet und wird ab sofort ohne die Verwendung von EU-Mitteln rein national finanziert. Entscheidend für die Förderbarkeit ist das Ziel der Qualifizierung und der Ausbildungsgrad bzw. das Alter der Beschäftigten.
  • Ausbildung nach Maß (AQUA, Stiftungen): Wenn sich Betriebe mit offenen Stellen an das AMS wenden, für die keine passenden BewerberInnen gefunden werden, können in Zusammenarbeit mit dem AMS künftige MitarbeiterInnen für die Anforderungen des konkreten Arbeitsplatzes ausgebildet werden. Das dafür eingerichtete Angebot „Arbeitsplatznahe Qualifizierung“ (AQUA) oder eigene Stiftungen (Jugendstiftung, Älterenstiftung, Energiestiftung, ZAM-Stiftung für Frauen) ermöglichte im Lauf des Jahres 2014 insgesamt 896 Personen eine arbeitsplatzbezogene Ausbildung.
  • Förderung der Lehrausbildung: Das AMS fördert die Lehrausbildung, wenn davon Personen profitieren, die besondere Unterstützung für eine Berufsausbildung brauchen. Mädchen/Frauen in Berufen mit geringem Frauenanteil, Lehrstellensuchende, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind oder TeilnehmerInnen an einer Integrativen Berufsausbildung gehören dazu. Außerdem können Erwachsene (über 18-jährige), die eine Lehre beginnen, gefördert werden. Eine Gruppe, die besonders im Fokus der Bemühungen steht und damit förderbar ist, sind SchulabbrecherInnen, die oft auch bei Betrieben gern gesehene BewerberInnen sind. 

Herausforderung MigrantInnen in Graz

Der Grazer Arbeitsmarkt spielt innerhalb des steirischen Arbeitsmarktes eine besondere Rolle. Der Anteil der Arbeitslosigkeit in Graz und Graz-Umgebung (17.081) an der Arbeitslosigkeit der gesamten Steiermark (41.858) betrug im Jahresdurchschnitt 2014 40,8%. Sowohl die Zunahme der Arbeitslosigkeit mit +14,5% gegenüber 2013 wie auch die Arbeitslosenquote mit 9,5% liegt über dem Steiermarkschnitt. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund unter den Arbeitslosen in Graz beträgt fast 40%, in den meisten anderen steirischen Geschäftsstellen sind es zwischen 10% und 15%.

  • Spezielle Beratung für MigrantInnen: Im Erstkontakt bietet das AMS Graz-West und Umgebung für MigrantInnen spezielle Beratung, auch muttersprachlich, an. Vier MigrantInnen-BeraterInnen versuchen möglichst frühzeitig zu erkennen, ob und welche Vermittlungshemmnisse vorliegen und sind bestrebt möglichst rasch Deutschkurse einzuleiten.
  • Deutschkurse auf höherem Niveau: Ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache ist Voraussetzung für den größten Teil der Jobangebote im AMS. Nachhaltig erfolgreiche Vermittlung ist nur möglich, wenn entsprechende Kenntnisse vorliegen. Dabei hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass hier Qualität vor Quantität geht. Vor allem wenn es darum geht, Personen für in der Wirtschaft gefragte Höherqualifizierungen vorzusehen, sind Deutschkenntnisse mindestens auf dem Niveau B2 nötig. Das Deutsch-Kurs-Angebot im AMS Graz wurde für 2015 also darauf ausgerichtet, für 600 Personen sehr gute Deutschkenntnisse (B2) zu erreichen, um sie mindestens für eine Teilnahme im allgemeinen Qualifizierungsangebot des AMS fit zu machen.
  • Mentoring für MigrantInnen: In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer werden im Projekt „Mentoring für MigrantInnen“ sogenannte „High Potentials“ besonders unterstützt. MigrantInnen, die aus ihren Herkunftsländern teilweise sehr gute Ausbildungen oder reiche Erfahrung mitbringen, benötigen zum Einsatz ihrer Fähigkeiten oder Kenntnisse vielfach eher ein Netzwerk oder die richtigen Kontakte als Vermittlung. MentorInnen aus Wirtschaft und Politik stellen sich in diesem Projekt als UnterstützerInnen zur Verfügung und profitieren selbst vom Kennenlernen dieser „High Potentials“. Aktuell sind 20 MigrantInnen (alles AkademikerInnen) von MentorInnen betreut.


Rückfragehinweis:

Mag. Mario Lugger
Referatsleiter Kommunikation WKO Steiermark
T 0316/601-652

Mag. Hermann Gössinger
Pressereferent AMS Steiermark
T 0316/7081-107

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