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Frankreich: "Grande Nation" mit großen Plänen

Gut ein Jahr vor Ende der ersten Amtszeit des französischen Präsidenten Emmanuel Macron haben wir Österreichs Wirtschaftsdelegierten Christian Schierer nach den Entwicklungen im Land gefragt.

Paris, Notre-Dame-Skulptur mit Mund-Nasenschutz.
© scaliger, adobestock Frankreich hat die Wirtschaft in der Corona-Krise rasch durch zielgerichtete Maßnahmen in Milliardenhöhe gestützt.

Emmanuel Macron ist als Präsident angetreten, Frankreich zu reformieren. Wie sieht eine erste Bilanz aus?

Schierer: Macron transformierte das politische, aber auch wirtschaftliche System vom ersten Tag an. Nach schwierigen Monaten der Gelbwesten-Proteste sowie der Corona-Pandemie hat die Regierung im Mai 2020 die absolute Mehrheit im Unterhaus verloren. Der Präsident verfügt aber weiterhin über eine ausreichende politische Mehrheit, um sein ambitioniertes Wirtschafts- und Reformprogramm durchzusetzen, auch wenn Zugeständnisse gemacht werden müssen und  Corona die Pläne bremst. 

Wie ist es um die Wirtschaft im Land bestellt?

Schierer: Frankreich ist fünftgrößter Exporteur von Waren und Dienstleistungen weltweit und zweitgrößte Volkswirtschaft der EU. Und es ist auch eine der produktivsten Volkswirtschaften der Welt. Seit 2017 kommt es zu einer Redynamisierung der Wirtschaft – die Entlüftung des französischen Arbeitsrechts, Reindustrialisierung, Steuersenkungen, Krankenkassen- und Pensionsreform sind nur einige Schlagworte. Das Land ist sicherlich der Brexit-Profiteur Nummer eins in der EU. Es wird 2020/21 wohl wirtschaftlich besser dastehen als so manches andere EU-Land und zu den Top-3-Ländern des Aufschwungs zählen.

Wie meistert Frankreich die Corona-Pandemie? Wie ist die aktuelle Situation?

Schierer: Es gehört zu jenen Ländern, die besonders hart getroffen wurden. Die Opferzahl ist mit über 85.000 Toten bisher sehr hoch. Wirtschaftlich betrachtet hat Frankreich früh und zielgerichtet Maßnahmen gesetzt: Mit einer erweiterten Form der Kurzarbeit, Direktzahlungen als Soforthilfe, aber auch mit Steueraufschub oder Steuerstundungen.

Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Zukunft des Landes ein?

Schierer: Frankreich hat in Hinsicht auf wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen sehr schnell und massiv mit einem in Europa einzigartigen Reanimationsprogramm von über 600 Milliarden Euro reagiert. Im September wurde außerdem ein 100 Milliarden Euro schweres, 70 Punkte umfassendes Konjunkturprogramm präsentiert. Die wiederaufflammende Inlandsnachfrage und Reindustrialisierung führten bereits jetzt zu einem Wachstum des realen BIP um 1,5 Prozent und wir gehen davon aus, dass bereits 2022 das wirtschaftliche Niveau von Ende 2019 wieder erreicht sein wird.

Wo sehen Sie Chancen für österreichische Betriebe?

Schierer: Die Vorteile aus österreichischer Sicht sind zum einen die Größe des französischen Marktes, die Qualität der Infrastruktur, die sehr gut ausgebildeten Ingenieure sowie die Innovationskraft und die Kreativität im Land. Aber auch die Bereitschaft, für Qualität zu bezahlen.

Christian Schierer ist Wirtschaftsdelegierter im Außenwirtschaftscenter Paris

Zukunftsmarkt für Steirer: Unterstützung durch "Go MED"

Frankreich ist ein wichtiger Markt für steirische Unternehmen. Von den knapp 430 österreichischen Niederlassungen in Frankreich sind 51 aus der Steiermark. Darunter Schwergewichte wie Andritz, die in der hochdynamischen Region Auvergne-Rhones-Alpes stark präsent ist, die Knapp AG, AMS, WoWo-Sonnenlicht-Design, AVL, ein wichtiger Player in der französischen Automobilindustrie, aber auch Pewag, Mondi und Stoelzle, das im Land des Weins große Erfolge mit innovativen Glasprodukten feiert. Auch die Analyseinstrumente von Anton Paar kommen bei der Weinproduktion zum Einsatz. 
Es gibt aber auch zahlreiche Nischenunternehmen wie das steirische Start-up Instahelp, das mit über 140 Psychologen online psychologische Beratung mittels Text-, Audio- und Videochat anbietet. Kürzlich ist der Startschuss für ein Projekt gefallen, das solchen Hidden Champions den Markteinstieg erleichtern soll: Das ICS und die Außenwirtschaft Austria haben im Rahmen des EU-Projekts „Go MED“ Frankreich als Schwerpunktland festgelegt und ausgewählte Betriebe erhalten zunächst die Möglichkeit, an einem Coaching- und Trainingsprogramm teilzunehmen. 2022 ist eine Delegationsreise nach Südfrankreich geplant. Noch kann man sich bewerben.

  • 67 Millionen Menschen leben in Frankreich. Das Land ist nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs das zweitbevölkerungsreichste EU-Land.
  • 309,2 Millionen Euro betrug der Wert der im ersten Halbjahr 2020 aus der Steiermark nach Frankreich exportierten Waren. 
  • 137,3 Millionen Euro waren jene Waren wert, die im ersten Halbjahr 2020 aus Frankreich in die Steiermark geliefert wurden. 

Von Petra Mravlak

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