th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

"Energiepreise bleiben auf hohem Niveau"

Die Rallye bei den Energiepreisen nimmt kein Ende. Warum das so ist und warum am Gas (noch lange) kein Weg vorbeiführt, erklärt Energieexperte Karl Rose.

Karl Rose
© FOLTIN Jindrich / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com Karl Rose ist gebürtiger Steirer und zählt zu den führenden Energieexperten.

In den letzten Wochen sind die Preise für Energie explodiert. Was sind die Ursachen für diesen rasanten Anstieg?

Karl Rose: Wir sehen uns aktuell einem Preisanstieg gegenüber, der seit Jänner beim Gas etwa bei 200 bis 240 Prozent liegt. Beim Ölpreis kommt das schon immer wieder vor. Erinnern Sie sich an den April 2020, wo es mit minus 40 US-Dollar pro Barrel negative Ölpreise an den Börsen gab, jetzt sind wir bei plus 80. Dennnoch möchte ich nicht den Vergleich zur Ölkrise in den 70ern, wie vielseits medial kolportiert, ziehen, denn eine Krise geht immer mit massiven Versorgungsengpässen einher, was hier aber nicht der Fall ist.

Wenn aber genug da ist, was treibt die Energiepreise dann nach oben? Sprechen wir hier von künstlicher Verknappung als Druckmittel? – Stichwort: Nord-Stream 2 …

Rose: Nein, davon kann überhaupt  keine Rede sein, das ist politisch motiviertes Gerede. Lassen Sie mich das klarstellen: Russland hat die vereinbarten Mengen nach Punkt und Beistrich geliefert, so wie es alle Verträge seit Jahrzehnten immer erfüllt hat. Aktuell werden sogar zusätzliche Mengen, die gar nicht vertraglich nicht verpflichtend sind, an den Westen geliefert, um die Gasspeicher wieder aufzufüllen. Und das in der Reihenfolge: Österreich, dann Deutschland und dann der Rest. 

Woher kommen also diese massiven Teuerungen?

Rose: Der Anstieg beim Gas ist mehreren Faktoren geschuldet: Einerseits kommen wir aus der Coronakrise, hier ging die Nachfrage zurück und es wurde auch zu wenig investiert. Jetzt würde Ministerin Gewessler sagen: „Super, genau das ist das Ziel“. Aber das Problem ist, dass sich der Markt nicht nach politischen Vorgaben richtet. In Asien ist die Nachfrage auf Mengen, die sogar über den Werten vor der Pandemie liegen, hochgefahren – und der Supply kommt nicht nach. Auch waren die Erdgasspeicher in vielen Ländern massiv geleert, was in den durch Corona erzwungenen Produktionsruhephasen auch nicht ins Gewicht fiel. Jetzt aber, wo die Konjunktur wieder angezogen ist und die Betriebe wieder loslegen, wird das zum teuren Problem.   

Was sagen Sie einem Unternehmer, der im energieintensiven Bereich tätig ist und der jetzt innerhalb weniger Tage das Fünffache für Gas bezahlen muss?

Rose: Wie gesagt ist die Situation am Weltmarkt angespannt, Asien zieht im Flüssiggassegment enorme Volumina und lässt die Preise massiv steigen. Wie stark sich das auswirkt, wird mit Blick auf China deutlich, wo wieder stark auf Kohle gesetzt wird und man stillgelegte Kaftwerke wieder hochfährt. Ich gehe davon aus, dass sich die Lage beim Gas im ersten Quartal 2022 leicht beruhigt und auf höherem Niveau stabil bleiben wird. Wobei nicht auszuschließen ist, dass wir zumindest noch eine ganz hohe Welle an Preissteigerungen bei Öl und Gas sehen werden, was aber auf die „Unter-Investierungen“ zurückzuführen ist.

Sie sprechen von zu wenig Investitionen…

Rose: Ja, weil das hier deutlich mitspielt. Die ganze Klimadiskussion im Westen sagt den fossilen Energieproduzenten: Wir wollen eure Produkte nicht. Das heißt, westlichen Firmen wird damit unmöglich gemacht, weiter zu investieren. Banken, Regierungen, aktivistische Shareholder zwingen Unternehmen dazu, sich aus dem Bereich zurückzuziehen, Gleichzeitig geht aber die Nachfrage nach fossilen Produkten nicht zurück. Was wir zurzeit also haben, ist eine Verdrängung, wo westliche Betriebe der Energieversorgung durch politische Vorgaben und gesellschaftlichen Druck aus den fossilen Bereichen rausgehen – und diese Felder dann von Firmen aus anderen Ländern übernommen werden, die diesen Druck nicht haben. Weniger Anbieter in den eigenen Breitengraden erhöhen aber das Risiko für Preisspitzen. 

Österreich hat sich dem Ausstieg aus dem fossilen Bereich verpflichtet. Sie sagen, die Nachfrage sinkt aber nicht…

Rose: Global geht man – und da gibt es wenig abweichende Meinungen – in den kommenden zehn Jahren von einer völlig stabilen Nachfrage nach Öl aus. Frühestens ab den 2030er-Jahren wird der Kipppunkt erreicht werden, wo der Einfluss von E-Mobilität auf eine verringerte Nachfrage messbar werden wird.  Gas wächst ohne Zweifel weltweit zumindest bis 2070 weiter stetig, da es das Kohle-Aus substituiert. 

In Graz wurde kürzlich Europas modernste Pilotanlage für eFuels in Betrieb genommen. Wie beurteilen Sie dieses Engagement der steirischen Unternehmen?

Rose: Es ist großartig, weil es eindrucksvoll zeigt, wie stark unsere Betriebe darin sind, aus Eigeninitiative heraus nachhaltige und umsetzbare Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Und genau das ist es auch, was in der ganzen Klimadebatte fehlt: Dass der Staat, anstatt Unternehmen und Konsumenten mit „klimagefärbten“ Steuern immer weiter zur Kasse zu bitten, etwa im Mobilitätssektor sagt: „Die Industrie hat 20 Jahre Zeit, um carbonneutrale Treibstoffe zu entwickeln, wir geben hier nur die Rahmenbedingungen, bis wann welcher Prozentsatz erreicht sein muss.“


Zur Person:

Karl Rose studierte an der Montan-Universität Leoben Erdölwissenschaften, hatte zahlreiche internationale Führungspositionen inne und war unter anderem Direktor des Weltenergierates. Er zählt zu den führenden Energiepolitik-Experten.


Das könnte Sie auch interessieren

Menschen vor Laptop_Digitalisierung

Netzwerk für digitalen Wandel von Klein- und Mittelbetrieben

Das neue Kompetenzzentrum DIH Süd soll KMU dabei unterstützen, das Unternehmen fit für die digitale Zukunft zu machen. mehr

Das sind die Trainer unserer 14 EuroSkills-Teilnehmer 2021.

Das sind die Trainer unserer EM-Helden

Diese zwölf Trainer aus ganz Österreich bereiten unsere steirischen Kandidaten seit Monaten auf EuroSkills 2021 in Graz vor.   mehr

Bürgermeister Siegfried Nagl im Interview.

"Ein Baustopp in Graz würde unsere Stadt lähmen"

In der Landeshauptstadt stehen Gemeinderatswahlen an. Wir haben Bürgermeister Siegfried Nagl zum Bilanzinterview gebeten und zu seinen Plänen für Graz und die Wirtschaft befragt. mehr