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"Eigentum wird für viele unleistbar werden"

Rekordinflation und Kreditverschärfungen: Monika Cisar-Leibetseder hat das Amt der Generaldirektorin der Volksbank Steiermark in turbulenten Zeiten übernommen.  

Generaldirektorin Monika Cisar-Leibetseder
© Foto Fischer Monika Cisar-Leibetseder steht an der Spitze der Volksbank Steiermark.

Sie stehen seit Juli an der Spitze der Volksbank Steiermark. Wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz aus? 

Cisar-Leibetseder: Ich verantworte schon seit 2017 im Vorstand die Bereiche Risiko und Finanzen, jetzt sind noch Agenden wie Öffentlichkeitsarbeit, Personal und unser Verbund dazugekommen. Nach einer umfassenden Restrukturierungsphase kann ich sagen: Wir haben die Hausaufgaben gemacht und die Kostenstruktur verschlankt. Dementsprechend kann ich zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Wie kommt das neue Filialkonzept ohne Kassa und mit viel Digitalisierung bei den Kunden an?

Cisar-Leibetseder: Zunächst waren die Kunden skeptisch, doch mittlerweile wird das Konzept sehr gut angenommen. Der Service-Manager unterstützt die Kunden vor Ort. Alle 26 Filialen arbeiten schon so, daneben gibt es in Leibnitz eine Erlebnisfiliale mit Green Lounge und Café-Bar, semidiskreten und diskreten Zonen. Dieses Konzept wollen wir auch in Judenburg umsetzen. 

Hohe Inflation, Klimakrise, Krieg in Europa, schrumpfende Wirtschaft: Wir leben in turbulenten Zeiten. Worin sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Banken?

Cisar-Leibetseder: Das wirtschaftliche Umfeld ist tatsächlich sehr herausfordernd. Für uns Banken ist das aber auch eine Chance, unseren Kunden als starker Partner zur Seite zu stehen. Große Herausforderungen sind auch weiterhin die Digitalisierung und der Arbeitskräftemangel – das trifft genauso die Banken. Wir legen einen großen Wert auf Unternehmenskultur, auch weil es wichtig ist, als Arbeitgeber für die Mitarbeiter attraktiv zu sein.

Aufgrund der hohen Preise wurden auch viele Investitionsprojekte auf Eis gelegt. Wie wirkt sich das auf die Unternehmensfinanzierung aus? 

Cisar-Leibetseder: In den ersten sieben Monaten sehen wir noch keinen Einbruch der Kreditnachfrage. Aber die Planungsunsicherheit mit den steigenden Preisen schlägt sich jetzt nieder, die Unternehmen werden zurückhaltender. Große Auswirkungen wird auch das Thema Nachhaltigkeit bei der Kreditvergabe haben. Wir fragen jetzt schon die ESG-Kriterien – also  zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung – ab. Künftig wer­den diese Daten auch in die Bonitätsbewertung einfließen und auch Auswirkungen auf die Zinshöhe haben. 

Im Juli hat die EZB erstmals nach elf Jahren die Leitzinsen um 0,5 Prozent angehoben. Was heißt das für Kreditnehmer und Sparer?

Cisar-Leibetseder: Das Zinsumfeld hat in den letzten Jahren nicht dem Normalzustand entsprochen, nämlich dass Kredite auch etwas kosten und sich Sparen lohnt. Das ändert sich jetzt schrittweise. Für die 30 Prozent unserer Kreditnehmer, die eine Fixzinsvereinbarung geschlossen haben, ändert sich kaum etwas. Bei den 70 Prozent mit variablen Zinsen werden die Kreditraten schon etwas steigen. Für Sparer gibt es aber die positive Nachricht, dass sie wieder etwas bekommen für ihr Geld. Es lohnt sich, einen Puffer zu haben.

In welcher Form macht es Sinn, Reserven zu bilden? Aktien oder doch Sparbuch?

Cisar-Leibetseder: Beim Einstieg in den Aktienmarkt ist sicher eine Streuung sinnvoll, etwa in Form von Fonds. Da geht es um langfristige Anlage. Für kurzfristigen Bedarf sollte man aber jedenfalls einen Finanzpolster verfügbar haben, etwa auf einem Online-Sparbuch. 

Wie hat sich das Sparverhalten der Steirer verändert?

Cisar-Leibetseder: Die Corona-Krise hat das Sparvolumen nicht verändert, anders sehen wir das bei der Inflation: Wenn die Leute nicht mehr so viel auf die Seite legen können, sinkt die Sparquote. Längerfristig wird das ein Problem für die Altersvorsorge.

Auch die Richtlinien für die Kreditvergabe wurden verschärft. Wie sehen Sie das?

Cisar-Leibetseder: Ich verstehe die Absicht der Aufsicht, verhindern zu wollen, dass sich junge Menschen überschulden. Andererseits wird es sehr schwierig, Vermögen bilden zu können, weil die Einstiegshürden mit 20 Prozent Eigenmitteln so hoch sind. Eigentum wird dadurch für viele unleistbar werden. Ich halte diese Entwicklung schon für bedenklich.                     
                                                                                                       Interview: Karin Sattler

Zur Person

Monika Cisar-Leibetseder, geb. 1969 in Voitsberg. Studium der Technischen Mathematik, bankspezifische Ausbildungen. Seit 1995 bei der Volksbank, seit 2017 Vorstandsdirektorin, seit Juli 2022 Generaldirektorin. 


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