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Durchblick bei der Gewerbeordnung

Eine Reform der Gewerbeordnung steht zur Debatte: Wir haben mit einem Experten die gängigen Mythen unter die Lupe genommen.

Darf ein Gebäudereiniger innen und außen reinigen? Kann ein Gärtner auch Kerzen verkaufen?  Oder darf ein Herrenkleidermacher auch Damenröcke nähen? Und wenn ja, wie viele Berechtigungen braucht es dafür? Die verknappte Berichterstattung rund um die Gewerbeordnung hat kürzlich für viel Verwirrung gesorgt. „In den Medien wird die Gewerbeordnung derzeit als starr dargestellt, dabei ist das Gegenteil der Fall. Die Gewerbeordnung ist ein liberales Instrument, wenn man es richtig anwendet“, sagt Florian Mosing vom Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS).  Für ihn ist klar: „Die Flexibilität scheitert oft leider an der Unkenntnis der Gewerbetreibenden“, kritisiert der Rechtsexperte und rät dringend, sich beim Sprung in die Selbständigkeit beim Gründerservice der WKO schlauzumachen. „Dieses kostenlose Service unter der Telefonnummer 0316/601-600 kann einem viele Schwierigkeiten ersparen.“ Bei bestehenden Unternehmen steht das WKO-Rechtsservice (Tel. 0316/601-601) mit Rat und Tat zur Seite.

Ein Schein, viele Recht

In vielen Fällen würde eine  einzige Gewerbeberechtigung ausreichen, weil damit oft weitere Kompetenzen verbrieft seien, so der Jurist. So sieht der §32 Gewerbeordnung etwa sonstige Rechte vor, die weitere Tätigkeiten ohne zusätzliche Gewereberechtigung ermöglichen. Um beim Beispiel des Herrenkleidermachers zu bleiben: Dieser darf Damenröcke nähen, weil es sich um ein verbundenes Handwerk handelt. Was den Gärtner betrifft, darf er Kerzen verkaufen, weil sein Kerngeschäft die Erstellung und die Pflege von Friedhofsanlagen umfasst – daher kann er auch die dazu notwendigen Produkte anbieten. Zu guter Letzt darf auch der Gebäudereiniger innen und außen reinigen, weil die Berechtigung sowohl die Büro- als auch die Fassadenreinigung beinhaltet.
Auch der Gewerbezugang ist durchaus flexibel, führt er aus: „Wer keine Meister- oder Befähigungsprüfung hat und auch sonst keinen formellen Befähigungsnachweis erfüllt, den die jeweilige Zugangsverordnung vorsieht, für den besteht noch immer die Möglichkeit, seine individuelle Befähigung nachzuweisen oder einen gewerberechtlichen Geschäftsführer zu bestellen. Es ist noch keine Gründeridee an der unüberwindbaren Gewerbeordnung gescheitert.“


Autorin: Karin Sattler (Steirische Wirtschaft)
erschienen in der Steirischen Wirtschaft


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