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Drei von vier Firmen haben nicht genug Personal

Eine fundierte Ausbildung macht sich bezahlt: Laut einer aktuellen Umfrage sind 77 Prozent der steirischen Betriebe auf der Suche nach Fachkräften. 

Fachkräftemangel in der Steiermark: Qualifiziertes Personal ist gefragter denn je.
© Die Industrie - Mathias Kniepeiss. Qualifiziertes Personal ist gefragter denn je.

Die gute Nachricht vorweg: Die Wirtschaft brummt wie schon lange nicht. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, der Konjunkturmotor läuft wie am Schnürchen. Doch – und hier kommt die Schattenseite ins Spiel – es fehlt quer durch die Wirtschaft an qualifiziertem Personal. Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) liefert nun erstmals empirische Daten zur Dimension des Problems: Demnach sind bereits 77 Prozent der weiß-grünen Betriebe vom Fachkräftemangel betroffen. Insgesamt wurden dafür 354 Arbeitgeberbetriebe quer durch alle Branchen befragt. 

Die Ergebnisse im Detail: 86 Prozent der Befragten gaben an, dass sich der Fachkräftemangel im letzten Jahr noch (sehr) verschärft habe. Damit sind für 94 Prozent gravierende Auswirkungen für den Betrieb verbunden: Im besten Fall kann die Belegschaft den Engpass mit Mehrarbeit einige Zeit lang abfedern. Im schlimmsten Fall müssen aber Aufträge auf die lange Bank geschoben oder gar abgelehnt werden. 

Wie akut der Fachkräftemangel ist, zeigt sich auch an den (langen) Zeiträumen, während deren Jobs mangels Personal nicht entsprechend besetzt werden können: Die Mehrheit – nämlich 51 Prozent der Befragten – gab an, länger als drei Monate für die Besetzung offener Stellen im Unternehmen zu brauchen. Mehr als ein Drittel – exakt sind es 36 Prozent – sucht zwischen ein und drei Monaten den passenden Mitarbeiter. Für IWS-Chef Ewald Verhounig sind die Daten der Beweis dafür, dass sich der Personalmangel quer durch die Wirtschaft ziehe. „Besonders betroffen sind das Gewerbe und Handwerk, der Tourismus und die Industrie“ (siehe auch Interview unten). Aus dem Fachkräftemangel sei längst ein genereller Mitarbeitermangel geworden, setzt er nach: „Viele Unternehmen monieren, dass sie nicht einmal mehr geringqualifiziertes Personal bekommen.“ 

Bei WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk lassen die Zahlen die Alarmglocken schrillen: „Der personelle Engpass wirkt sich nachteilig auf den Standort aus“, sagt er. Denn immer öfter werden deshalb auch Investitionen aufgeschoben (22 Prozent) oder gestrichen (15 Prozent), wie aus der Umfrage hervorgeht. „Wenn die Betriebe bei den Investitionen trotz Hochkonjunktur auf die Bremse steigen, hemmt das das Wachstum nachhaltig.“ Herk mahnt rasche Reformen (siehe auch Infokasten unten) ein, um gegenzusteuern: „Hier geht es um die Zukunft des Standorts. Nur mit gutem Personal können unsere Betriebe im (internationalen) Wettbewerb reüssieren.“

3 Fragen an Ewald Verhounig (IWS)

Ihre Umfrage fördert alarmierende Ergebnisse zutage. Überrascht Sie das Ergebnis?

Verhounig: Es gibt das Problem bereits seit Jahren, doch die Dimension hat uns doch überrascht. Mittlerweile ist der Fachkräftemangel so gravierend, dass es Auswirkungen auf die wirtschaftliche Performance von Unternehmen hat.

Inwiefern? Und was bedeutet das mittel- und langfristig für den Wirtschaftsstandort?

Verounig: Bisher konnten Unternehmen personelle Engpässe immer irgendwie kompensieren, jetzt stoßen sie aber an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Hochkonjunktur verschärft das Problem noch, sodass Betriebe ihr Potenzialwachstum nicht nutzen können – und gezwungen sind, Aufträge abzulehnen. Vor allem im Gewerbe und Handwerk, im Tourismus und in der Indus­trie fehlen Fachkräfte.

Wie lässt sich gegensteuern?

Verhounig: Dazu braucht es eine Fülle an Maßnahmen, etwa die Aufwertung des dualen Systems, eine verbesserte Berufsorientierung sowie eine Reform des Schulsystems, damit es nicht an Grundfähigkeiten mangelt. 

Rezepte gegen den Personalengpass

Reform des Bildungs- und Sozialsystems wird eingefordert, um die Fachkräftesituation zu entschärfen. 

Wie kann man der angespannten Fachkräftesituation am besten wieder Herr werden? Und welche Maßnahmen wären dafür sinnvoll? Die Mehrheit der Unternehmer – nämlich 61 Prozent der Befragten – befürwortet eine Verschärfung der Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose, weitere 58 Prozent plädieren für eine generelle Reform des Sozialsystems.

Weitere 55 Prozent wünschen sich Unterstützung für unternehmensnahe Qualifizierungen. 19 Prozent sind für die volle Öffnung des Arbeitsmarkts für neue EU-Mitgliedstaaten (z. B. Kroatien), weitere 14 Prozent plädieren für eine Erweiterung der Mangelberufsliste in Richtung Nicht-EU-Staaten.

Weiters auf dem „Wunschzettel“ der steirischen Unternehmer stehen Schulreformen sowie eine Unterstützung bei der Lehrlingsausbildung und eine verbesserte Berufsorientierung, um Fehlqualifizierungen zu vermeiden, die am Arbeitsmarkt vorbeigehen.

Von Karin Sattler

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