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Digitalisierung: So gelingt der Wandel

Der Steirer Thomas Hinterleithner berät Konzerne wie Nestle, wirecard & Co. in Fragen der Digitalisierung, heimischen Unternehmen rät er zum raschen Handeln. 

Der Großlobminger Thomas Hinterleithner ist Gründer und Geschäftsführer der Retail Place GmbH mit Sitz in Parndorf, Burgenland.
© Foto Fischer Der Großlobminger Thomas Hinterleithner ist Gründer und Geschäftsführer der Retail Place GmbH mit Sitz in Parndorf, Burgenland.

Sie haben bei der Enquete des wirtschaftspolitischen Beirats (siehe rechts) sehr ausführlich über Digitalisierung gesprochen. Warum sollte man sich als Unternehmer ausgerechnet jetzt mit Digitalisierung auseinandersetzen?

Hinterleithner: Wir sind momentan immer noch weit vom papierlosen Büro entfernt. Was wir aber erreichen müssen, ist ein „Change of Mindset“: Denn durch die Digitalisierung tun sich neue Möglichkeiten auf – auch für kleine und mittlere Unternehmen. Die zentrale Fragestellung lautet: Wie kann mein Business durch digitale Services verbessert werden? Das ist oft gar nicht mit hohen Kosten verbunden, denn viele der angesprochenen Services kommen leicht zugänglich direkt aus der Cloud. 

Wie können erste Schritte in Richtung Digitalisierung gelingen?

Hinterleithner: Entscheidend ist, dass schlechte Prozesse auch in digitaler Form schlechte Prozesse bleiben. Das bedeutet, dass man zunächst grundsätzlich strategische Überlegungen anstellen sollte. Daneben ist die digitale Auffindbarkeit meiner Produkte entscheidend: Eine Webseite alleine reicht heute bei Weitem nicht mehr aus. Die Suche nach Produkten ist wesentlich diversitärer geworden – neben unzähligen Plattformen müssen auch sprachliche Benutzer-Interfaces wie Alexa mitgedacht werden. Darüber hinaus muss der internationale Aspekt berücksichtigt werden: Asiaten suchen anders als Europäer. Wenn meine Angebote nicht gefunden werden, habe ich verloren.

Inwieweit müssen Klein- und Mittel-Unternehmen hier den Vergleich mit großen Anbietern wie Amazon, Alibaba & Co. fürchten?

Hinterleithner: In der Wissenschaft wurde hierfür der Begriff „Consumerization“ geprägt: Kunden werden erzogen, gewisse Services als selbstverständlich zu erachten. Beispielsweise rund um die Uhr bestellen zu können oder Waren innerhalb von 24 Stunden nach Bestellung zu erhalten. Kleinere Betriebe müssen sich dahingehend einfallen lassen, wie sie hier wettbewerbsfähig bleiben können. Das geht nur durch digitale Transformation.

Haben durchschnittliche heimische Unternehmen diese Prozesse bereits implementiert?

Hinterleithner: Das heimische Durchschnittsunternehmen kann man eher als verträumt und verschlafen im Hinblick auf die Digitalisierung charakterisieren. Wir erleben einen lethargischen Zustand – und eine regelrechte Abwehrhaltung gegen Technologie.

Woran liegt das?

Hinterleithner: Unsere Unternehmen gehen davon aus, dass die digitale Transformation nicht so drastisch ausfallen wird – das Gegenteil ist der Fall: Wir stehen erst am Anfang der Digitalisierung. In den nächsten sieben bis zehn Jahren wird kein Stein auf dem anderen bleiben. 

Was erwartet uns in Zukunft?

Hinterleithner: Der Blick nur einige Jahre zurück zeigt: Unternehmen, die noch vor Jahren die US-Börse dominierten, gibt es heute nicht mehr. Es werden künftig neue Plattformen und Modelle entstehen, an die wir heute noch gar nicht denken. Die Branche oder Ausrichtung eines Unternehmens spielt dabei gar keine Rolle, wie „Domino’s Pizza“ zeigt: Der US-Schnell-Pizza(!)-Dienst, also ein klassischer Dienstleister, stand knapp vor dem Aus, hat anschließend sein Geschäftsmodell digitalisiert – und überflügelt nun Amazon, Apple & Co. 

In diesem Zusammenhang ist oft auch vom „Moonshot“ die Rede.

Hinterleithner: Dabei geht es darum, das Umsatzwachstum nicht um die gewohnten zwei bis drei Prozent zu erhöhen, sondern um das Zehnfache. Digitalisierung kann das ermöglichen.

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