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Die Weltwirtschaft im Jahr 2020: Das Virus der Rezession

Das Coronavirus hat in diesem Jahr zu einem Einbruch der Weltwirtschaft historischen Ausmaßes geführt. Wer als Gewinner daraus hervorgehen könnte – eine Analyse.

Bild einer Weltkugel mit Maske
© AdobeStock Seit dem Frühjahr hat Corona die Welt im Griff: Die gravierendsten wirtschaftlichen Folgen ortet der Experte in Ländern mit strukturellen Problemen bzw. wenn diese stark dienstleistungsorientiert sind.

Seit dem ersten Auftreten des  Coronavirus vor gut einem Jahr ist dieses über den Globus hinweggefegt und hat für einen nie dagewesenen Angebots- und Nachfrageschock gesorgt. Wuchs die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 1,2 bis 1,5 Prozent, so ist sie im zweiten Quartal 2020 um sieben Prozent eingebrochen. „Es wird zwei bis drei Jahre dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein wird“, analysiert Eric Kirschner vom Institut für Wirtschafts- und Innovationsforschung am Joanneum Research. „Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden die Welt noch länger beschäftigen.“ Das Virus sorge für strukturelle Verschiebungen, die man nur teilweise abschätzen könne. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder und Regionen hänge aber auch davon ab, wie diese etwa den technologischen Wandel durch die Digitalisierung und den demografischen Wandel meistern werden. Das Coronavirus hat vorhandene Schwachstellen aufgezeigt und mitunter noch verstärkt. „Die gravierendsten wirtschaftlichen Folgen gibt es in Ländern mit strukturellen Problemen und stark dienstleistungsorientierten Ländern“, so Kirschner.  

Ein Streifzug durch die verschiedenen Weltregionen und Länder:

Amerika als Corona-Hochburg

Dass die Politik in den USA die Pandemie lange weitgehend
ignoriert hat, hat dem Virus einen guten Nährboden bereitet. Knapp 304.000 Tote durch Covid-19 bisher sind die traurige Bilanz. „Betrachtet man die Wirtschaft, so dürfte das Land aber schnell wieder aus der Krise herauskommen, schneller noch als Europa“, so Kirschner. „Der US-Arbeitsmarkt ist weniger starr, die Bevölkerung wächst, der Binnenmarkt ist stark und in vielen Bereichen hat man die Technologieführerschaft.“ Zudem werde es noch Hilfsmaßnahmen geben. 

Die wirtschaftliche Entwicklung Kanadas hängt von seinem wichtigsten Handelspartner, den USA, ab. „Es ist im Netzwerk der US-Exporte gefangen“, so Kirschner.  

Die Länder Südamerikas sind nach wie vor von stark steigenden Fallzahlen geprägt. Vielerorts gibt es sowohl massive strukturelle als auch politische Probleme, die durch die Pandemie noch verschärft werden. In Brasilien etwa sorgt das politische System für extreme Unsicherheit und in Peru verzeichnete man im zweiten Quartal dieses Jahres einen Wirtschaftseinbruch von 20 Prozent.

Wirtschaftliche Folgen für Europa  

Sinkende Fallzahlen werden in Europa mit gesundheitspolitischen Maßnahmen erkauft und so befinden sich zahlreiche Länder derzeit wieder in einem mehr oder weniger intensiven Lockdown.
„Die Wirtschaft wurde in den einzelnen Ländern unterschiedlich stark getroffen“, weiß Kirschner. Die nördlichen Länder – allen voran Schweden mit einem Wirtschaftseinbruch von „nur“ 3,5 bis vier Prozent – haben vergleichsweise geringe wirtschaftliche Probleme. Und auch Deutschland und Österreich könnten auf der Gewinnerseite stehen. „Sie werden vermutlich gestärkt aus der Krise hervorgehen“, so die Einschätzung Kirschners. Dies nicht zuletzt dadurch, dass viel Geld zur Stützung der Wirtschaft ausgegeben wird, was auch Wirkung zeige. Deutschland ist ein Industrieland das stark im Export und bei Innovationen ist. Die Probleme könnte es diesmal besser meistert als die Wirtschaftskrise im Jahr 2008.   

Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland hingegen werden wohl zu den Verlierern innerhalb der EU zählen – nicht zuletzt durch ihre starke Abhängigkeit von Tourismus und Dienstleistungen. 

Schlecht sind die Aussichten auch für die Wirtschaft im Vereinigten Königreich, das noch zusätzlich die Folgen des Brexit stemmen muss. 

Asien: Kontinent der Unterschiede 

Die wirtschaftliche Entwicklung am asiatischen Kontinent ist sehr heterogen. So hat die Corona-Krise manche Länder – wie etwa Indien – ganz massiv getroffen. Aufstrebende Industrieökonomien wie beispielsweise Südkorea oder Taiwan hingegen würden wirtschaftlich erstaunlich gut durch die Pandemie kommen, so Kirschner. „Hier ist der Wirtschaftseinbruch nur halb so stark wie in Europa.“ Zum Teil habe man auch ganz drastische Maßnahmen gegen die Pandemie gesetzt. In Japan gab es zunächst einen starken Wirtschaftseinbruch, die Erholung sei dann schneller und deutlicher gekommen als erwartet. Auch hier baut man auf massive Hilfsprogramme. Als großer wirtschaftlicher Gewinner wird wohl China aus der Pandemie hervorgehen. Als einzige Region weltweit wird das 1,4 Milliarden Einwohner zählende Land selbst in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum erzielen. Kirschner geht von einem Plus von zwei bis 2,2 Prozent aus. Zudem steigen die chinesischen Exporte derzeit stark, im November um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. 

Afrika kämpft mit vielen Problemen

Viele Länder Afrikas haben auch ohne Corona massive Probleme. „Der wirtschaftliche Haupteffekt der Pandemie auf dem afrikanischen Kontinent ist die sinkende Nachfrage am Weltmarkt“, so Kirschner. „Viele Länder müssen sich nun stark verschulden, Staatseinnahmen brechen weg und strukturelle Probleme werden verstärkt.“ Durch das geringe Wirtschaftswachstum und das starke Bevölkerungswachstum werde der Migrationsdruck als Folge von Corona noch steigen. Am besten kommen die vergleichsweise reichen Länder Nordafrikas durch die Krise, am schlechtesten der Bereich von Zentralafrika bis nach Südafrika, das stark von sinkenden Rohstoffpreisen getroffen wird. 

Australien: Ende des Wachstums

Australien und Neuseeland haben sich seit Beginn der Pandemie extrem vom Rest der Welt abgeschottet. Nichtsdestotrotz sind die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Australien enorm. „Das 20 Jahre andauernde durchgehende Wirtschaftswachstum hat ein jähes Ende gefunden“, führt Kirschner aus. „Zudem ist das Land von der Verschiebung der Wachstumspole in Asien besonders betroffen.“ Die Stärke Chinas schwächt Australien. Als größter Rohstoffproduzent der Welt ist das Land von einem Rückgang der Nachfrage besonders betroffen. Die praktizierte Abschottung werde es dem Land zudem schwer machen, international aktiv zu werden, so Kirschner.

Im Interview: Manfred Kainz, Obmann des Landes-gremiums Außenhandel

Welche Auswirkungen hat Corona auf den heimischen Export?
Österreichs Ausfuhren sind von Jänner bis August dieses Jahres um 10,2 Prozent auf 91,65 Milliarden Euro zurückgegangen, die Importe um 12,2 Prozent auf 92,98 Milliarden Euro. Ein weiter  Absturz könnte Anfang bis Mitte 2021 erfolgen, in Abhängigkeit von den staatlichen Förderungen.

Warum ist der Außenhandel für Österreich so wichtig?
Die Außenwirtschaft ist eine der Hauptsäulen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems. Sie ist der Wohlstandsfaktor Österreichs. So werden sechs von zehn Euro von österreichischen Unternehmen im Ausland erwirtschaftet. Insgesamt gibt es 62.000 exportierende Unternehmen, das sind zehn Prozent aller Firmen in Österreich.

Was ist derzeit das größte Problem für  exportierende Firmen?
Dass wir derzeit in der Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt sind. Zahlreiche Quarantäneverordnungen und Schwierigkeiten an den Grenzen verhindern, dass man Geschäftspartner „face to face“ treffen kann. Das ist ein enormes Problem.

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