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Die Schweiz spielt nach eigenen Regeln

Wir haben uns beim Wirtschaftsdelegierten Manfred Schmid über das komplizierte Verhältnis zur EU und die aktuellen Entwicklungen im Land erkundigt.

Europa-Landkarte mit den Flaggen der jeweiligen Länder
© Adobestock, koya979 Ein Rahmenabkommen hätte die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und der Schweiz erleichtern sollen.

Die Schweiz hat kürzlich die Verhandlungen zum seit 2014 debattierten Rahmenabkommen mit der EU für beendet erklärt, was bedeutet das für Österreich?

Schmid: Für österreichische Exporteure ändert sich vorerst nichts, auch die Wirtschaftsbeziehungen werden darunter nicht leiden. Für den Standort Schweiz kann es mittelfristig allerdings zu einer Erodierung der privilegierten Zusammenarbeit mit der EU kommen. Die Schweiz hat sich bisher mit über 100 bilateralen Verträgen sozusagen die Zutrittsrechte zum „EU-Club“ gesichert, das Rahmenabkommen hätte sicherstellen sollen, dass es einen für beide Seiten rechtsverbindlichen Streitbeilegungsmechanismus zu den meisten dieser Abkommen gibt. Mit der Ablehnung nimmt die Schweiz in Kauf, dass die EU ihr als Drittstaat künftig wohl keine weiteren Konzessionen geben wird. Das bestehende Vertragsrecht bleibt aber aufrecht. Langfristig könnte der bisher privilegierte Standort Schweiz als EU-Drittstaat im Verhältnis zum EU-Binnenmarkt an Attraktivität verlieren. 

Die Schweiz hatte am Höhepunkt der Corona-Pandemie eine der höchsten Inzidenzen in ganz Europa. Wie ist die Lage aktuell? 

Schmid: In einigen Teilen der Schweiz, so im Tessin und der Region um Genf, war die Gesundheitsversorgung am Anschlag. Anfänglich zeigten sich auch die Schwächen des starken Föderalismus mit 26 Kantonen und 26 verschiedenen Regelungen. Aktuell ist die Lage mit jener in Österreich vergleichbar. Der Impffortschritt verlief anfangs schleppend, eine zentralistische Verteilung wäre wohl effizienter gewesen. Mittlerweile sind auch in der Schweiz breite Bevölkerungsgruppen geimpft.

Wie geht es der Wirtschaft im Land?  

Schmid: Vergleichsweise gut, denn der kurzfristige BIP-Rückgang von bis zu minus sieben Prozent wurde für das Gesamtjahr 2020 auf minus drei Prozent abgefedert. Der coronageplagte Tourismus ist hier nicht so bedeutend wie in Österreich, die starken Pharma- und Medtech-Unternehmen konnten in der Krise sogar zulegen und der Finanzplatz Zürich hat sich gut behauptet. Als Sitz internationaler Konzerne und globaler Player ist die Schweiz gut aufgestellt.
Und so rechnet man bereits heuer mit einer starken Wirtschaftserholung.

Wie intensiv sind die schweizerisch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen? 

Schmid: Die Schweiz ist für Österreich der viertwichtigste Waren- und der zweitwichtigste Dienstleistungsexportmarkt. Man schätzt neben der heimischen Handwerkskunst auch Dienstleistungen für die lokale Industrie. Und auch viele österreichische Unternehmen im IT-Sektor punkten vor Ort. Insgesamt gibt es über 1.000 österreichische Unternehmen mit Niederlassungen in der Schweiz.

Zahlen & Fakten

  • 380 Millionen Euro war der Wert der Lieferungen aus der Steiermark in die Schweiz (1. HJ 2020).
  • 127 Millionen Euro waren die aus der Schweiz in die Steiermark gelieferten Waren wert (1. HJ).
  • +3 Prozent soll die Wirtschaft 2021 wieder wachsen, für 2022 geht man von +3,3 Prozent aus.

Von Petra Mravlak

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