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China trotzt dem Virus

Vor knapp einem Jahr nahm die Corona-Pandemie in China ihren Ausgang. Wir haben den Wirtschaftsdelegierten Michael Berger nach der Lage vor Ort gefragt.

Asiatin mit Mundschutz, Coronavirus
© doucefleur, adobe stock Coronavirus: In China ist eine zweite Welle bisher ausgeblieben.

Während Europa aktuell mit der zweiten Welle kämpft, scheint China das Virus im Griff zu haben. Wie geht das?

Michael Berger: Eine zweite Welle konnte bisher vermieden werden. Masken sind im täglichen Leben zum Standard geworden und die meisten Geschäftslokale dürfen nur bei Vorzeigen einer „Health Kit“-App, die zum Contact-Tracing dient, betreten werden. Außerdem wird rasch auf Infektionsherde reagiert. So jüngst auch in Quingdao, wo angesichts einer Handvoll von Erkrankungen mehrere Millionen Personen getestet wurden. Auch die Einreise- und Quarantänebestimmungen sind streng. Selbst bei negativem Testergebnis muss man für 14 Tage in Quarantäne.

China ist die Wirtschaftsmacht in Asien. Wie stark sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie?

Berger: China ist schon vor Monaten in der „neuen Normalität“ angekommen, und das schlägt sich in den Daten nieder. Im dritten Quartal 2020 ist die Wirtschaft um 4,9 Prozent gewachsen und für das Gesamtjahr wird ein Zuwachs von bis zu zwei Prozent erwartet. China ist damit eine der wenigen großen Volkswirtschaften, die in diesem Jahr ein Plus vor das Wirtschaftswachstum setzen können.

Für Österreich ist das „Reich der Mitte“ ein sehr wichtiger Handelspartner. Wie steht es um die Beziehungen?

Berger: Die österreichischen Exporte nach China erholen sich bisher nur schleppend. Mit -14,4 Prozent von Jänner bis Juli ist der Aufholbedarf groß. Wie sich die neuen Lockdowns in Europa auf die Nachfrage nach chinesischen Exportgütern auswirken werden, bleibt abzuwarten. Der chinesische Außenhandel und die Industrieproduktion entwickeln sich gut und auch die Konsumfreude ist vor den Nationalfeiertagen im Oktober, der sogenannten „Golden Week“, wieder zurückgekehrt.

Viele heimische Unternehmen sind in China aktiv. In welchen Bereichen gibt es Chancen, wo Probleme?

Berger: Covid hat einige Trends beschleunigt, die Chancen für österreichische Unternehmen eröffnen. So ist etwa das Gesundheitsbewusstsein der Menschen gestiegen, es wird mehr Wert auf gesunden Lebensstil, aktive Freizeitgestaltung und umweltfreundlichere Produkte gelegt. Um die Wirtschaft anzukurbeln, will der chinesische Staat unter anderem in den Ausbau der 5G-Infrastruktur und in den Gesundheitssektor investieren. Das bringt Potential für Anbieter in den Bereichen Smart Manufacturing, E-Health, Biotech und Medizintechnik. Getrübt wird die Stimmung allerdings durch strenge Einreisebestimmungen und die Unsicherheit, die sich aus dem Handelskonflikt mit den USA und den US-Wahlen ergibt.

Von Petra Mravlak

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