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Buchbinderei Kaspar feiert den 90er

Seit 1928 bindet Familie Kaspar Bücher und fertigt Werkstücke, die hunderte Jahre überdauern können.

Die sympathische Familie Kaspar mit ihrer „Zukunftshoffnung“ Tobias.
© Krainer Die sympathische Familie Kaspar mit ihrer „Zukunftshoffnung“ Tobias.

Graz-Umgebung. Ein Betrieb wie aus dem Lehrbuch, eine Familie wie aus dem Bilderbuch – und ein Handwerk wie aus dem Geschichtsbuch: Das alles ist die Buchbinderei Kaspar in Tobelbad. Ein Lehrbeispiel an Wirtschaftlichkeit, weil es den Betrieb seit mittlerweile 90 Jahren gibt und er heute nach wie vor gesund ist. Ein Vorzeige-Familienbetrieb, weil gleich drei Enkel des Firmengründers den Betrieb von ihrem Vater übernommen haben – und dabei ein seltenes, aber historisch immens wichtiges Handwerk ausüben: die Buchbinderei.

„Das ist es auch, was mich an dem Beruf immer fasziniert hat“, sagt Senior-Chef Wolfgang Kaspar. Er hat den 1928 von seinem Vater Josef gegründeten Betrieb 1976 übernommen und vor einigen Jahren an seine Söhne übergeben. Wolfgang (jun.) ist seit 1990, Andreas seit 1991 und Daniel seit 2011 im Betrieb. Noch immer wird hier handwerklich gearbeitet, nur am Rande von Maschinen unterstützt. „Wir produzieren zum Beispiel heute viele Skripten und Bücher für die Universitäten, aber auch Diplomarbeiten für Studenten“, erklärt der jüngste Sohn, Daniel. Er kümmert sich im Betrieb auch um Innovationen: Etliche neue Ideen stammen aus seinem Kopf – und gerade in der immer stärker digitalisierten Welt wirken hochwertige Büchlein, etwa zur Geburt eines Kindes mit eigens graviertem Ledereinband, erfrischend entschleunigend.

Und so bleibt in der Werkstatt der Familie Kaspar immer auch Zeit für einen Gedanken an alte Zeiten, während man frisch verleimte Bücher zum Trocknen an den Kaminofen stapelt: an die Zeit der Gründung des Unternehmens in Marburg, an die Flucht von Großvater Josef im Jahre 1945, die beiden Jahre in Bad Aussee und den Bau der Werkstatt in Tobelbad 1948. Blitzschnell ist man in Gedanken aber auch in der Zukunft – nämlich dann, wenn der mittlerweile einjährige Tobias gerade seine ersten eigenen Schritte zur Werkstatttür herein macht. „Vielleicht ist das ja schon die vierte Generation“, meint Senior-Chef (und Vollzeitopa) Wolfgang im Spaß – und doch mit ein wenig Hoffnung. 

Von Klaus Krainer.

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