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Brexit kostet Schweden tausende Jobs

Wir haben uns mit Albrecht Zimburg vom Außenwirtschaftscenter Stockholm darüber unterhalten, wie es nach den Wahlen nun weitergehen wird und was der bevorstehende Brexit für Schweden bedeuten könnte.

Schweden
© Alexi Tauzin, stock.adobe.com Das Königreich Schweden zählt knapp über zehn Millionen Einwohner, dabei ist es fünf Mal so groß wie Österreich.

Herr Zimburg, Schweden hat gewählt – wie schwierig wird die Regierungsbildung? 

Zimburg: Während andere Länder viele Monate brauchen, um sich auf eine Regierung zu einigen, wird es in Schweden wahrscheinlich schneller gehen. Wenngleich es für schwedische Verhältnisse diesmal dennoch länger als sonst dauern wird. Denn die rechtspopulistische Partei der Schweden-Demokraten hat einen Erfolg eingefahren, der es weder dem Mitte-Links-Block noch der Mitte-Rechts-Allianz ermöglicht, eine absolute Mehrheit im Reichstag zu bilden. Es wird wohl eine Minderheitenregierung unter der Führung einer dieser beiden Blöcke werden. Eine Zusammenarbeit mit den Schweden-Demokraten haben beide Blöcke bislang abgelehnt.

Wie steht es um die schwedische Wirtschaft? Was läuft gut? Was nicht?

Zimburg: Derzeit hat die Wirtschaft Hochkonjunktur, wobei der Höhepunkt wohl erreicht ist und für nächstes Jahr eine Verlangsamung des Wachstums vorhergesagt wird. Als eines der Hauptprobleme wird die hohe Haushaltsverschuldung betrachtet. Denn es gibt kaum Mietwohnungen und die Wohnungspreise sind hoch. Deshalb sind praktisch alle schwedischen Haushalte schwer verschuldet. Bis vor wenigen Jahren gab es Kredite, die kaum zu einer Amortisierung führten, nun wurden die Anforderungen bei der Neuvergabe in die Höhe geschraubt.

Schweden und das Vereinigte Königreich sind wirtschaftlich eng verbunden – welche Auswirkungen wird der Brexit haben?

Zimburg: Der Brexit bedeutet den Verlust eines engen Partners und Verbündeten bei vielen Themen in der EU, der unter anderem den Freihandelsgedanken sehr stark unterstützte. Aufgrund der starken Ausrichtung der Wirtschaft auf das Vereinigte Königreich  – es ist der viertwichtigste Handelspartner Schwedens – rechnet man mit dem Verlust von 8.200 Arbeitsplätzen. Allein in der Region Stockholm könnten es 2.100 sein. Im Falle eines harten Brexits geht man von einem Verlust im Brutto-Nationalprodukt von 0,3 Prozent bzw. 1,8 Milliarden Euro aus. Wie die Stockholmer Handelskammer errechnete, führt der Brexit zu einer Verteuerung der Exporte um fünf Prozent. Aber auch ein weicher Brexit ist nicht kostenfrei für die schwedische Wirtschaft.

Wie steht es um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Schweden? Wo sehen Sie die größten Chancen für heimische Unternehmen? 

Zimburg: Der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Österreich und Schweden spiegelt gesunde Wirtschaftsbeziehungen zwischen zwei hochentwickelten Industriestaaten wider. Die Produktpalette ist weit gefächert, sodass Rückgänge in einzelnen Sektoren durch neue Wachstumsbereiche abgefangen werden können. Auffällig ist, dass zunehmend Montagearbeiten von österreichischen Spezialisten in Schweden ausgeführt werden. Chancen bestehen für österreichische Firmen, die die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz mit ihren Produkten bespielen können. Wer sich für den Markt interessiert, sollte langfristig denken und agieren, denn aufgrund der flachen Hierarchie und der damit verbundenen Einbindung von allen Stakeholdern können Entscheidungsprozesse lange dauern.

Albrecht Zimburg ist Wirtschaftsdelegierter in Stockholm, Kontakt: Außenwirtschaftscenter Stockholm, stockholm@wko.at

Solider Standort für Geschäfte

Heimische Unternehmen sind fest in Schweden verwurzelt. Auch die Direkt-investitionen österreichischer Firmen nehmen zu. 75 österreichische Firmen verfügen mittlerweile über eine oder mehrere Niederlassungen in Schweden. Insgesamt bestehen vor Ort 107 Niederlassungen und Repräsentanzen mit heimischen Wurzeln und mehr als 30 davon sind Produktionsstätten, vor allem im Bereich der Stahl- und Maschinenbranche. Bemerkenswert ist auch, dass die österreichischen Direktinvestitionen Ende 2017 einen Stand von rund 1.470 Millionen Euro erreichten, das ist ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Kräftig in Schweden investiert hat etwa die Voestalpine: so in ein Werk in Hagfors (Uddeholms AB), das seit 2007 Teil der Unternehmensgruppe ist. Hergestellt werden dort Hightech-Stähle für Werkzeuge, die etwa bei der Produktion von Autokarosserieteilen, Smartphone- oder Computer-Displays eingesetzt werden. So investierte man im Geschäftsjahr 2017/18 satte 24 Millionen Euro. 

Die Voestalpine ist in Schweden übrigens mit sechs Gesellschaften vertreten, die 1.320 Mitarbeiter beschäftigen. Im letzten Geschäftsjahr wurde ein Umsatz von rund 420 Millionen Euro erwirtschaftet und die Exportquote der schwedischen Konzerngesellschaften liegt bei 84 Prozent.

Weitere Infos über den Wirtschaftsstandort Schweden erhalten Sie im Internationalisierungscenter Steiermark.

Von Petra Mravlak


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