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Brasilien: Hoffen auf ein Ende der Krise

Die Nation am Zuckerhut hat einen neuen (umstrittenen) Präsidenten gewählt. Österreichs Wirtschaftsdelegierter Klaus Hofstadler im Interview über ökonomische Folgen.

Sao Paulo
© SNEHIT, stockadobe.com Sao Paulo zählt über zwölf Millionen Einwohner und ist das Finanzzentrum Brasiliens.

Mit Jair Bolsonaro ist kürzlich eine umstrittene Persönlichkeit zum Präsidenten von Brasilien gewählt worden, was ist Ihre Einschätzung?

Hofstadler: Viele Wähler wollten die Arbeiterpartei PT abwählen, die sie für die aktuelle Wirtschaftskrise verantwortlich machen. Die Mehrheit der Brasilianer erwartet sich nun einen Bruch mit dem Status quo. Bolsonaro verspricht neben der Ankurbelung der Wirtschaft eine Verbesserung der vielfach prekären Sicherheitslage durch strengere Verfolgung von Straftätern und den entschiedenen Kampf gegen Korruption. 

Der brasilianische Regenwald könnte unter dem neuen Präsidenten verstärkt für die wirtschaftliche Nutzung durch Bergbau und die Agrarindustrie freigegeben werden. Womit ist zu rechnen?

Hofstadler: Umweltschutz war im Wahlprogramm Bolsonaros keine Priorität, er spricht sich gegen umweltpolitischen Aktionismus und für raschere Umweltverträglichkeitsprüfungen aus, Schutzgebiete der indigenen Bevölkerung stellt er in Frage. Unterstützung erhält der Präsident von der Agrarindustrie. Was er tatsächlich umsetzen wird, wird sich nach dem Regierungsantritt im Jänner zeigen. 

Wie geht es der brasilianischen Wirtschaft derzeit?

Hofstadler: Brasiliens Wirtschaft durchlebte von 2014 bis 2018 die schlimmste Krise ihrer Geschichte. Nach vielen Firmenschließungen und Kündigungswellen sind heute mehr als zwölf Millionen Brasilianer arbeitslos und über 20 Millionen unterbeschäftigt. Export- und Beschäftigungsmotor des Landes ist die Landwirtschaft. Brasilien ist weltweit der größte Exporteur von Soja, Zucker, Rindfleisch und Kaffee.

Wie stabil ist das Land?

Hofstadler: Starke Konjunkturzyklen, ungleiche Einkommensverteilung und geringe Wettbewerbsfähigkeit machen Brasilien krisenanfällig. Die Institutionen sind aber stabil und basieren auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Klaus Hofstadler ist Österreichs Wirtschaftsdelegierter im Außenwirtschaftscenter Sao Paulo.  saopaulo@wko.at

Wie rot-weiß-rote Firmen in Südamerika punkten

Brasilien ist mit Abstand Österreichs wichtigster Handelspartner in Südamerika: Die österreichischen Exportgüter sind breit gefächert und das Handelsvolumen wird im Jahr 2018 deutlich über einer Milliarde Euro betragen.

200 heimische Unternehmen verfügen über Niederlassungen im Land. So auch der Grazer Antriebsspezialist AVL, der dort seit 2012 sogar ein eigenes Entwicklungszentrum betreibt. „Brasilien ist ein sehr spezieller Markt für die Automobilindustrie, weil er Flex-Fuel beinhaltet, also mit Ethanol und Benzin betriebene Pkw“, führt Franz Leitner, Geschäftsführer AVL Antriebsstrang-Engineering in São Paulo, aus. „Das ist eine einzigartige Technologie, die zur Zeit nur in Brasilien zum Einsatz kommt.“ Und diese wird direkt vor Ort weiterentwickelt und optimiert. Aber auch zahlreiche weitere steirische Unternehmen – von der Andritz AG über Agrana, Anton Paar, GAW, Knapp bis hin zu SKF Sealing Solutions – sind in Brasilien aktiv. Einen kräftigen Dämpfer erhielten die Wirtschaftsbeziehungen allerdings ab 2014 durch die Krise im Land. Derzeit nehmen die Exporte aus Österreich wieder zu. Sie steigerten sich 2017 um 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 726 Millionen Euro. Dabei dominieren Industrieausrüstungen, wie Stahlguss- oder Kunststoffmaschinen, bearbeitete Waren, wie Stahlblech oder Schienen, und Pharmaerzeugnisse. Aber auch Energy­drinks, Flugzeugteile, Generatoren und Motorenprüfstände gehören zu den traditionellen österreichischen Exportschlagern.

Weitere Infos: www.ic-steiermark.at

Von Petra Mravlak





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