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Abgasmessung: Moderne LKW setzen nur minimale Feinstaubemissionen frei

An der TU Graz haben Experten kürzlich das "Stinker"-Image, das den Euro VI-Nutzfahrzeugen anhaftet, widerlegt: Eine Abgasmessung hat eindeutig belegt, dass die Partikelemissionen bei modernen LKW deutlich unter den derzeitigen Grenzwerten liegen. Die Partikelkonzentration in der Umgebungsluft war sogar zehn Mal höher als im Auspuff des Euro 6 LKW.

Experten bei Abgasmessung
© IV/LOGCOM Experten haben an der TU Graz die Abgasmessung durchgeführt. Im Bild: Helmut Eichlseder, Konstantin Weller, Stefan Hausberger, Franz Weinberger, Christian Spendel und Christian Pesau (v.l.)

Den Euro VI-Nutzfahrzeugen eilt ein schlechter Ruf voraus – zu Unrecht, wie eine aktuelle Analyse an der TU Graz eindeutig belegt. Experten haben am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik LKW dieser Klasse bei einer Abgasmessung unter die Lupe genommen. Und diese zeigt auf, dass die Partikelemissionen bei modernen Lkw deutlich unter den derzeitigen Grenzwerten liegen. Besonders bemerkenswert: Die Partikelkonzentration in der Umgebungsluft war sogar zehn Mal höher als im Auspuff des Euro VI-LKW.

So zeigen On-Board-Messungen,  dass die ersten Generationen dieser Fahrzeuge Stickoxid um 86 Prozent im Vergleich zu Euro V reduzieren. Die neuesten Fahrzeuge, die die Emissionsstufe Euro VI D erfüllen, verringern die Stickoxidemissionen nochmals um ca. 33 Prozent.

Mit dem Emissionsniveau heutiger Lkw liegt der Beitrag an extrem stark befahrenen Straßen bei weniger als drei Prozent zum Partikel-Luftgütegrenzwert, was nach Immissionsschutzgesetz als „irrelevant“ eingestuft wird. "Es erfolgt also kein nennenswerter Beitrag von Feinstaub durch Diesel-Lkw in die innerstädtischen Schadstoffbilanz", so der Tenor.

Jahrzehntelange Forschungsarbeit

„Dies ist auf die sehr gut funktionierenden SCR-Katalysatoren zurückzuführen. Bei der Partikelanzahl ist dank der mit Euro VI eingesetzten Partikelfilter sogar eine Reduktion von ca. 99,9 Prozent von Euro V zu Euro VI zu erkennen”, erklärt der Leiter der Emissionsforschung am IVT Stefan Hausberger. Er und sein Team forschen seit mehr als 20 Jahren sehr erfolgreich in diesem Bereich und erarbeiten am Institut gemeinsam mit internationalen Partnern den aktuellen Vorschlag für die Emissionsnorm Euro VII sowie Methoden und die Software für die CO2-Gesetzgebung für schwere Nutzfahrzeuge (VECTO). „Mit Inkrafttreten von Euro VII – voraussichtlich im Jahr 2026 oder 2027 – werden die Schadstoffemissionen neuer Lkw, egal mit welchem Antrieb, keinen nennenswerten Umwelteinfluss haben.“

Derweil werden unter Mitwirkung der TU Graz-Forschenden weitere Testverfahren und Antriebskonzepte zur CO2-Minderung entwickelt. Hausberger sieht etwa in Dieselkraftstoffen aus erneuerbaren Energiequellen – den sogenannten „eFuels“ – enormes Potenzial. „Mit eFuels wird der Dieselmotor auch in Zukunft eine wichtige und dann auch klimaneutrale Antriebsart von schweren Nutzfahrzeugen sein.“

Dem Stinker-Image wird der Kampf angesagt

Franz Weinberger, Sprecher der österreichischen Nutzfahrzeugimporteure und Initiator des Versuchs: “Es kommen keine nennenswerten Feinstaubemissionen mehr aus dem Auspuff eines Lkw. Wir nähern uns mit der Abgasstufe Euro VI bereits den Grenzen der technischen Messbarkeit angesichts der hoch dynamischen Vorgänge im Fahrzeugbetrieb. Die Zeit, in der man den schweren Lkw oder Bus als ,Stinker‘ bezeichnen konnte, sind eindeutig vorbei. Ersetzt man im nächsten Schritt den fossilen Treibstoff durch CO2 neutralen, Synthese-Kraftstoff oder Elektrolyse-Wasserstoff, dann sind die Verbrennungs-Motoren schwerer Nutzfahrzeuge auch klimaneutral zu betreiben.“

"Umwelt- und Klimaschutz ist auch uns ein sehr großes Anliegen und wir wollen auch unseren Beitrag zu einer vernünftigen Klimabilanz leisten. Viele unserer Mitglieder haben ihre Fuhrparks gegen moderne Technologien ausgetauscht und das zeigt auch Wirkung. Wir setzen freiwillig auf schadstoffarme Technik, ohne gesetzlichen Zwang", unterstreicht Christian Spendel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft LKW FRIENDS on the Road. 

Ins selbe Horn stößt auch Peter Fahrner, Obmann des Güterbeförderungsgewerbes in der Steiermark: "Wir tun alles, um die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten. Deshalb sind die steirischen Frächter  mit den neuesten Technologien unterwegs." Auch für ihn ist das schlechte Image der Euro 6-Nutzfahrzeuge buchstäblich aus der Luft gegriffen. Ein Blick nach England, wo es aktuell akute Versorgungsengpässe gibt, sollte Weckruf sein, so Fahrner: "Hier sehen wir, wie wichtig ein funktionierender Nahversorgungsverkehr ist."

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