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"Wer spätestens jetzt nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit"

Corona habe in sechs Monaten digitale Transformationen vorangetrieben, für die es sonst sechs Jahre gebraucht hätte, so Unito-Chef und Online-Pionier Harald Gutschi. 

Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi
© Unito_Möstl Pionier der digitalen Transformation: Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi hat das Unternehmen vom Katalogversand zu Österreichs größtem Online-Player geführt.

Corona hat das Onlineshopping ordentlich befeuert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklungen?

Harald Gutschi: Im E-Commerce verzeichnete man in den letzten Jahren durchgehend zweistellige Wachstumsraten – es gibt wohl sonst keinen Handelsbereich, wo solche Zahlen über einen so langen Zeitraum überhaupt noch möglich sind. Alleine im letzten Jahr wurden österreichweit im E-Commerce knapp neun Milliarden Euro umgesetzt. Und Corona hat in den vergangenen Monaten mit dem forcierten Stay-at-home-Trend ein weiteres, großes Schäuflein draufgelegt. 


Aber nur 25 Prozent der heimischen stationären Händler betreiben auch einen Web-shop. Was hält das Gros davon ab, auch beim digitalen Kuchen mitzunaschen?

Gutschi: Es sind sicherlich nicht die Kosten, ein Webshop ist rasch eingerichtet. Ich denke vielmehr, dass es für viele zu schmerzhaft ist, etwas, was man über viele Jahre gut gemacht hat, neu zu justieren. Aber der globale Trend geht eindeutig zum digitalen Kauf, zur digitalen Dienstleistung – Corona hat hier Transformationen in sechs Monaten vorangetrieben, für die es sonst sechs Jahre braucht.  


Neue Wege kosten Mut. Und viele haben in Zeiten wie diesen nicht die Kraft dazu…

Gutschi: Aber wann, wenn nicht jetzt? Wer nach zwei Lockdowns noch immer krampfhaft nur am stationären Bereich festhält und sich gegen einen – und sei es nur ein noch so kleiner – digitalen Auftritt sozusagen aus Prinzip verwehrt, muss in seiner Nische ein Primus sein. Denn für alle anderen gilt: Wer spätestens jetzt nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Denn an der digitalen Transformation kommt niemand vorbei – das gilt nicht nur für den Handel, das betrifft alle Lebensbereiche.


Unito ist ein Paradebeispiel für gelungene digitale Transformation. Wie stark waren hier die „Schmerzen“?

Gutschi: Sie waren massiv, denn als wir vor 15 Jahren ins Onlinegeschäft einstiegen, war das völliges Neuland und der Vorstand entsetzt, weil die Zahlen so grottenschlecht waren. Dazu muss man wissen: Das Kataloggeschäft war dreißig Jahre lang eine Gelddruckmaschine: Zwei Mal im Jahr wurden 70 Prozent der Haushalte mit über 1.400 Seiten starken Hauptkatalogen bespielt, dann hat man die Füße hochgelegt. Das konnte man sich leisten, denn das Business war ein Selbstläufer. Soll heißen: Wenn hier nur ein Prozent unter Plan lief, wurden in den Chefetagen Krisensitzungen abgehalten. Als wir auf den Onlinevertrieb umstiegen, waren es auf einen Schlag 20 Prozent unter Plan.  


Wohin wird Ihrer Meinung nach die Reise im digitalen Verkauf gehen?

Gutschi: Weltweit wird bereits jeder fünfte Euro im Non-Food-Bereich online ausgeben, in den nächsten drei bis fünf Jahren wird es jeder dritte Euro sein. 


Zum Schluss noch einmal zurück zur aktuellen Krise: Hier ist der Onlinevertrieb der große Gewinner, aber nicht jeder Onlinehändler – denn die Hälfte des digitalen Handelsumsatzes geht ins Ausland… 

Gutschi: Dem kann man nur die Stirn bieten, wenn Konsumenten auch digital verstärkt auf regionale bzw. österreichische Händler setzen. Was aber nur gelingen kann, wenn die heimischen Unternehmen auch ein entsprechendes digitales Schaufenster bespielen. Und die aktuellsten Zahlen zeigen, dass es hier bereits ein leises Umdenken gibt: So ist der Anteil jener österreichweiten Online-Umsätze, die an ausländische Plattformen gehen, von 57 Prozent im Jahr 2018 auf zuletzt 54 Prozent gesunken.


Zur Person:

Harald Gutschi ist seit 2007 Geschäftsführer der Unito-Gruppe. Umsatz 1. Hälfte des Geschäftsjahres 2020/21: 200 Millionen Euro. Das Unternehmen mit Sitz in Salzburg und Graz beschäftigt 600 Mitarbeiter.


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