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28 Jahre rezessionsfrei in „Down Under“

Eine stolze Konjunkturbilanz, der aber vor allem durch den Brexit Gefahr droht. Wirtschaftsdelegierter Karl Hartleb analysiert den Markt Australien.

Sydney ist mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern eine der größten Städte Australiens.
© ingusk - stock.adobe.com Sydney ist mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern eine der größten Städte Australiens.

Im Jahr 2018 konnte Australien 28 Jahre ohne Rezession feiern –  kaum ein anderes Land kann dies von sich behaupten. Und ein Ende dieses Rekordlaufs ist nicht abzusehen. Karl Hartleb, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Sydney, sieht die Ursache dafür zum einen im einigermaßen abgeschotteten Finanzsystem des Landes. „Dies hat in Zeiten der globalen Finanzkrise dafür gesorgt, dass Australien nicht mit derselben Wucht getroffen wurde wie der Rest der Welt.“ Außerdem verfüge das private Pensionssystem über einen enormen Kapitalbestand. Auch das helfe dabei, externe Schocks abzufedern. Was noch dazu kommt: „Es gibt ausreichend Geld für die Finanzierung von Projekten und einen gewaltigen Reichtum an Rohstoffen“, so Hartleb. 

Australien zählt bei fast allen wichtigen Bergbauprodukten weltweit zu den Top-5-Produzenten oder verfügt zumindest über die Vorkommen. Und es gibt Öl- und Gasvorkommen. So wird das Land bei der Produktion von Flüssig-Erdgas wohl Katar als weltweit größten Lieferanten bis 2022 ablösen. Trotz der guten Wirtschaftslage wurde der Regierungschef Australiens im vergangenen Sommer aber von der eigenen Partei gestürzt und im zweiten Quartal 2019 stehen Parlamentswahlen an. Der künftige politische Kurs des Landes ist somit noch unklar. „In den letzten zehn Jahren gab es allerdings häufige Wechsel an der Regierungsspitze, zu einer Systemveränderung hat dies aber nie geführt, da die politischen Parteien inhaltlich in vielen Dingen nicht weit auseinanderliegen“, weiß Hartleb.

Unsicherheitsfaktoren für Australien sind zum einen die Unberechenbarkeit der US-Außen- und Handelspolitik sowie der Brexit. „Großbritannien ist kein Ersatz für den riesigen EU-Markt, aber die Verbindung zu London ist eng. Und noch ist unklar, ob und wie man diese ersetzen beziehungsweise ergänzen kann und muss“, berichtet Hartleb.

Australien als Zukunftsmarkt für Österreicher

Die Möglichkeiten im Land am anderen Ende der Welt sind vielfältig und zahlreiche heimische Firmen nutzen ihre Chancen.

Etwa 130 österreichische Unternehmen sind derzeit mit Vertriebsniederlassungen, Repräsentanzen und Produktionsstätten in Australien präsent. Zudem gibt es rund 850 österreichische Firmen, die regelmäßige Geschäftskontakte unterhalten. Der Gesamtwert der Direktinvestitionen heimischer Unternehmen im Land am anderen Ende der Welt dürfte bei etwa 2,1 Milliarden Euro liegen und in den Niederlassungen sind etwa 10.000 Personen beschäftigt.

Seit 1998 in Australien aktiv ist etwa der Gleisdorfer Maschinenbauer Binder & Co. „Der wachsende Markt und die enormen Vorkommen an Bodenschätzen stellen für unser Produktportfolio ein breites Anwendungsgebiet dar“, berichtet Werner Wiedenbauer, Manager für die globale Geschäftsabwicklung. Und so hat das Unternehmen insgesamt bereits über 30 Siebmaschinen, etwa für Industriematerialien und Baustoffe, sowie Glassortiermaschinen für Recyclinganlagen geliefert.

Höchst erfolgreich am australischen Markt ist auch Vexcel Imaging: Das Grazer Unternehmen bietet digitale großformatige Luftbildkameras und mobile Sensorplattformen samt Software an. Kunden sind vorwiegend kommerzielle Befliegungsfirmen in aller Welt. „Am australischen Markt sind wir seit 2006 vertreten“, so Geschäftsführer Alexander Wiechert. 

Es sind die Größe und der Reichtum des Landes, die viele Möglichkeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen bieten. Zukunftsfelder sind etwa die Leichtindustrie, Logistik, Spezialmaschinen, energieeffizientes Bauen, Alternativenergien, Umweltschutz, IT, Sicherheit oder auch Arzneimittel und Veterinärprodukte.

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Von Petra Mravlak

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