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„2019 gibt es erste Zinserhöhungen“

Im großen „Weltspartag“-Interview erklärt Ewald ­Nowotny, Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, wann wieder an der Zinsschraube gedreht wird.

Ewald Nowotny (geb. 1944 in Wien) ist seit 2008 Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und Mitglied des EZB-Rats.
© Meinrad Hofer Ewald Nowotny (geb. 1944 in Wien) ist seit 2008 Gouverneur der Österreichischen Nationalbank und Mitglied des EZB-Rats.
Wieso halten die Österreicher auch bei niedrigsten Zinsen derart am Sparbuch fest?

Ewald Nowotny: Richtig ist, dass derzeit der größte Anteil des Sparvolumens in gebundenen Sparbüchern, aber auch täglich fälligen Einlagen liegt. Die Österreicher wollen flexibel sein, um schnell auf ihr Erspartes zugreifen zu können.

Wie schätzen Sie die Zinsentwicklung bis Ende 2019 ein?
Nowotny:
Als Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank kann ich mich hier nur vorsichtig äußern, der Weg ist aber vorgezeichnet: Ende dieses Jahres wird die EZB die Anleihekäufe beenden. Die Leitzinsen werden aber noch bis über den Sommer 2019 vermutlich unverändert bleiben. Vorsichtig formuliert: Mit ersten Zinserhöhungen kann im Herbst 2019 gerechnet werden. Unter dem Vorbehalt, dass sich Wirtschaft und Inflation so entwickeln, wie die EZB das erwartet.

Warum halten die Europäer an der Nullzins-Politik fest, während die Amerikaner an der Zinsschraube drehen?
Nowotny:
Die USA sind in der Entwicklung voraus, die EZB hat viel später mit den Anleihekäufen begonnen. Diese Käufe haben ja eine positive Wirkung gehabt und uns in den letzten Jahren eine gute Konjunktur beschwert. Und wir sehen auch in den nächsten Jahren noch ein robustes, wenn auch geringeres Wachstum. Jetzt sind wir, wie gesagt, am Beginn des Ausstiegs.

Niedrige Zinsen lassen aber die Konjunktur brummen…
Nowotny:
Ja, die Zinsen sind auf einem niedrigen Niveau, weil die EZB mit unkonventionellen Maßnahmen dafür gesorgt hat, die Investitionen anzukurbeln, die sich positiv auf das Wachstum auswirken. Die Zahlen geben uns Recht. Wir hatten 2017 in Österreich ein reales Wachstum von drei Prozent. 

Wie bewerten Sie Österreich?
Nowotny:
Was Österreich lange Jahre ausgezeichnet hat, ist der Ausgleich der Interessen in der Sozialpartnerschaft. Heute sieht man leider Tendenzen, diese auszuhebeln. Ich warne davor, weil die Sozialpartnerschaft viel Positives für Österreich gebracht hat.

Welche Entwicklungen in der EU sehen Sie als bedenklich?
Nowotny:
In Europa ist es unmittelbar der Brexit. Ohne vernünftige Übergangsregeln kann es zu großen Verwerfungen im Finanzsystem kommen, denn London war und ist ein großes Finanzzentrum. Für den Handel Österreichs mit Großbritannien sehe ich nicht die große Gefahr, aber man muss sich bewusst sein, dass hier eine Zäsur stattfindet. Die EU kann das vermutlich letztlich besser verkraften, aber für Großbritannien kann es einen allmählichen wirtschaftlichen Niedergang bedeuten. Europa hat aber noch viele andere Probleme.

Welche wären das?
Nowotny:
Etwa die Migrationsfrage. Leider stehen in einigen Ländern nationale Anliegen im Vordergrund. Auf globaler Ebene sieht man, dass sich das politische Amerika massiv verändert hat. Die USA sind nicht mehr berechenbar. Ich denke hier an den Handelskrieg zwischen den USA und China – auch Europa kann nicht sicher sein, mit Strafzöllen belegt zu werden. All das belastet die Beziehungen, treibt den Ölpreis, beeinflusst den Welthandel – und damit unser aller Wohlstand – negativ. Sie sehen, es gibt eine Reihe von Entwicklungen in Europa und in der Welt, die die Risken enorm erhöht haben.

Interview: Veronika Pranger

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