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"Wohneigentum muss schaffbar sein"

Raiffeisen-Marktvorstand Rainer Stelzer im Interview über die Hürden bei der Immobilienfinanzierung, das Vertrauen in den Bankenplatz Europa und seine Prognose, wohin die Zinsentwicklung mittelfristig geht.

Rainer Stelzer beim Interview
© Foto Fischer RLB-Marktvorstand Rainer Stelzer: "Der Plafond bei den Zinsen ist bald erreicht."

Die Finanzierung von Wohnkrediten ist seit der KIM-Verordnung schwieriger geworden. Wie wirkt sich das auf den Immobilienmarkt aus?

Rainer Stelzer: Die Zeiten der Preisanstiege bei Immobilien sind vorerst vorbei. Die KIM-Verordnung und der Zinsanstieg haben bewirkt, dass die Nachfrage nach Immobilien im privaten Bereich eingebrochen ist. Wir verzeichnen Rückgänge von bis zu zwei Dritteln bei der Finanzierung. 

Was wird nachgefragt, wo gibt es Rückgänge? Wie schaut es preislich aus?

Stelzer: Im Grundstücksbereich sind die Preise konstant geblieben, ebenso bei gebrauchten Immobilien. Im Neubau gibt es noch leicht steigende Preise. Auch Miete wird wieder verstärkt nachgefragt. Energieeffizienz ist dabei ein großes Thema. Schlechtere Wohnungen verlieren an Wert. Gas-Immobilien werden derzeit zum Beispiel wenig nachgefragt, dafür boomen Wärmepumpen und PV.

Zuletzt wurde bei der KIM-Verordnung nachgebessert. Ist das gelungen oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Stelzer: Die Adaptierung geht nicht weit genug, es gab nur eine kleine Korrektur bei der Zwischenfinanzierung. Damit sich junge Menschen wieder Wohnen im Eigentum leisten können, braucht es hier viel größere Nachbesserungen. Fraglich ist, ob diese Verordnung überhaupt noch gebraucht wird. Denn die Regionalbanken kennen ihre Kunden gut genug, um zu beurteilen, was individuell möglich ist.

Wie geht es auf dem Immobilienmarkt weiter?

Stelzer: Aktuell gibt es sehr wenige Transaktionen. Ich gehe davon aus, dass der Markt im nächsten Jahr wieder attraktiver wird und sich Angebot und Nachfrage einpendeln.

Die Inflationsrate ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Die Notenbanken reagieren mit laufenden Zinserhöhungen. Ist mit weiteren Erhöhungen zu rechnen? 

Stelzer: Die Leitzinsen sind sehr stark gestiegen, zuletzt auf 3,5 Prozent, das macht die Finanzierung teurer. Wir sehen den Plafond beim Zinsanstieg bei rund vier Prozent, das wird bald erreicht sein. Wir rechnen maximal noch mit ein bis zwei kleinen Zinsschritten, bevor die Entwicklung – Hand in Hand mit der Inflation – 2024  wieder nach unten gehen sollte. Im langfristigen Zinsbereich zeigt sich, dass sich die Entwicklung schon gedreht hat. 

Nach den Turbulenzen um die Credit Suisse: Wie steht es um den Bankenplatz Europa? Ist die Sicherheit der Banken gewährleistet?

Stelzer: Im EZB-Raum hat sich der Bankenplatz sehr stabilisert. Es wurden strenge regulatorische Maßnahmen eingeführt, um die Bankenlandschaft in Europa resistenter auch gegen solche Vorfälle  zu machen – und das funktioniert. Die steirischen Regionalbanken haben eine gute Kapital- und Liquiditätsausstattung mit soliden Geschäftsmodellen. Daher sind sie auch von der amerikanischen oder Schweizer Situation nicht betroffen.

Sie verantworten auch das Firmenkundengeschäft. Wie schaut es im Bereich der Unternehmensfinanzierung aus?

Stelzer: Wir verzeichnen ein gutes Kreditwachstum, wenn auch nicht auf so hohem Niveau wie vor der Pandemie. Trotz Abschwächung ist Österreich nie in eine Rezession gerutscht, das zeigt sich auch bei der Kreditnachfrage. Freilich waren Branchen wie die Bauwirtschaft stärker betroffen, dafür sind andere in den Bereichen Nachhaltigkeit, Energieeeffizienz und Transformation gut gewachsen.

Wohin geht die Reise in puncto Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr? 

Stelzer: Die Wirtschaft wird sich 2024 sukzessive erholen, Zinsen und Inflation werden nach unten gehen, es wird wieder mehr Export geben. Am Arbeitsmarkt wird der Fachkräftemangel die große Herausforderung bleiben. 

Zum Megatrend Digitalisierung: Sehen Sie Fintechs als Konkurrenz für die Banken?

Stelzer: Fintechs und Banken werden sich auf Sicht ergänzen. Ich sehe hier keine Verdrängung, sondern eine Form der Kooperation. Wir screenen den Markt und schauen, was für uns Sinn macht. Auch im Tagesgeschäft ist die Digitalisierung unverzichtbar. So haben wir etwa gerade eine webbasierte Plattform für Firmenkunden geschaffen. 

Der zweite große Trend ist die Nachhaltigkeit. Welche Akzente werden hier gesetzt?

Stelzer: In Sachen Nachhaltigkeit wurden die Banken zu Katalysatoren gemacht.  Wir veranstalten eigene ESG-Workshops, um bei unseren Kunden ein Bewusstsein zu schaffen. Die Nachfrage ist sehr groß. Außerdem haben wir uns bei Solana beteiligt und begleiten damit bei PV-Projekten vom Erstgespräch bis zur Inbetriebnahme.

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