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"Wir fahren ohne Airbag gegen die Wand"

Mit dramatischen Worten fordert WKO-Präsident Josef Herk von der Politik Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel: Bonus für längeres Arbeiten im Alter und mehr Leistungsanreize quer durch unsere Gesellschaft. 

Josef Herk ist Chef der Herk GmbH, einem Karosserie- und Lackierfachbetrieb mit Sitz in Knittelfeld. Das Familienunternehmen beschäftigt 24 Mitarbeiter und bildet Lehrlinge aus. Seit 2011 ist Herk Präsident der WKO Steiermark.
© Oliver Wolf Josef Herk ist Chef der Herk GmbH, einem Karosserie- und Lackierfachbetrieb mit Sitz in Knittelfeld. Das Familienunternehmen beschäftigt 24 Mitarbeiter und bildet Lehrlinge aus. Seit 2011 ist Herk Präsident der WKO Steiermark.

Die Zahl der steirischen Mangelberufe hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Woran liegt das?

Herk: Schuld daran ist vor allem die demografische Entwicklung, die ich mittlerweile eher als demografischen Tsunami bezeichnen würde. Die Zahl der über 50-jährigen unselbständig Beschäftigten ist innerhalb von nur 15 Jahren von 69.000 auf 151.000 gestiegen, während die Zahl der jungen Mitarbeiter entsprechend geschrumpft ist. Auf unser Land rollt dadurch eine Pensionierungswelle zu, die viele Betriebe in ihren Grundfesten zu erschüttern droht. Dem müssen wir uns als Gesellschaft stellen, sonst fahren wir ohne Airbag gegen die Wand.  

Wie soll sich die Gesellschaft dieser Entwicklung stellen?

Herk: Wir werden – der Medizin sei Dank – älter und älter, gehen aber früher in Pension als in den 70er-Jahren. Das kann so nicht funktionieren! Wir bauen eine Hypothek gegenüber unserer Jugend auf, die ich für absolut unverantwortlich halte. Darum müssen wir in einem ersten Schritt das faktische Pensionsantrittsalter – derzeit 61,8 Jahre bei Männern und 59,8 bei Frauen – ans gesetzliche anpassen. Und wir werden über kurz oder lang auch an einer Anpassung dieses Alters an die gestiegene Lebenserwartung nicht vorbeikommen. So ehrlich müssen wir den Menschen gegenüber sein.

Aber sind da nicht auch die Betriebe gefordert, Rahmenbedingungen für altersgerechtes Arbeiten zu schaffen?

Herk: Wir alle sind gefordert, natürlich auch die Wirtschaft. Aus meiner Sicht braucht es hier mehr Anreize. Anreize für Unternehmen, diese Mitarbeiter länger zu halten, und natürlich auch Anreize für Menschen, länger im Erwerbsleben zu bleiben. Wenn ich heute höre, dass Pensionisten einen Marathon laufen, die höchsten Berge bezwingen und sich jeder Menge anderer sportlicher Herausforderungen stellen, dann sollte man eigentlich für ein gewisses Maß an Arbeit noch fit genug sein. Nicht als Zwang, sondern als lohnendes Angebot. Wer auch in seiner Pension weiterarbeiten möchte, sollte zumindest von erneuten Pensionsversicherungsbeiträgen befreit sein.

Und damit ließe sich der aktuelle Fach- und Arbeitskräftemangel lösen?

Herk: Nein, aber es wäre eine Maßnahme, die helfen würde, ihn zumindest abzumildern. Denn in den kommenden Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Pension, damit verlieren unsere Unternehmen viel Know-how und Erfahrung. Das aber müsste nicht so sein, wie andere Länder vorzeigen. In Schweden beispielsweise arbeiten fast 78 Prozent der 55- bis 64-Jährigen, bei uns sind es nicht einmal 55 Prozent. Wer sich fit fühlt und in einem gewissen Ausmaß auch in der Pension weiterarbeiten möchte, der sollte das tun können. Und zwar so, dass es sich auszahlt, denn Leistung muss sich lohnen. Diesen Grundsatz müssen wir insgesamt wieder stärker leben.  

Wie und wo sollte es Ihrer Meinung nach zusätzliche Leistungsanreize geben?

Herk: Das gilt für alle Bereiche unserer Gesellschaft. Wir haben die höchste Beschäftigungsquote, trotzdem ist die Arbeitszeit rückläufig, weil vor allem immer mehr Junge nur mehr Teilzeit arbeiten wollen. Klar ist, dass das aber auch an fehlenden Rahmenbedingungen liegt, wenn ich etwa ans Thema Kinderbetreuung denke. Hier müssen wir das Angebot dringend verbessern. Im Bereich der Arbeitslosen dagegen darf es nicht mehr so einfach sein, mit Sozialleistungen und Zuverdiensten gut über die Runden zu kommen. Wir machen uns deshalb für mehr Leistungsanreize in Form eines degressiven Arbeitslosengelds stark – und für qualifizierte Zuwanderung, anders wird’s nicht gehen.

Am 13. September findet zum Thema Arbeits- und Fachkräfte auch ein Impulstag der WKO statt. Wie kann dieser den Unternehmen konkret helfen?

Herk: Wir wollen – wie der Name schon sagt – Impulse für neue Wege in der Mitarbeitersuche bieten. Denn gerade Klein- und Mittelunternehmen verfügen hier meist nicht über das Knowhow großer Personalabteilungen. Darum reicht die Themenpalette vom Social-Media-Recruiting über Markenbildung und dem Talentemanagement bis hin zur Frage, wie die Jugend von heute tickt und wie sehr Digitalisierung die Anforderungen in der ­Berufs- und Ausbildungswelt verändert. 

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