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"Unser Ziel müssen bessere Probleme sein"

Wir haben Wirtschaftsphilosoph Anders Indset im Rahmen des Impulstags getroffen. Ein Gespräch über neue „Handlungshelden“.

Anders Indset ist ein norwegischer Bestseller-Autor, Unternehmer und ehemaliger Handballspieler. 2018 wurde er von Thinkers50, dem Ranking der führenden globalen Wirtschaftsdenker, aufgenommen.
© Foto Fischer Anders Indset ist ein norwegischer Bestseller-Autor, Unternehmer und ehemaliger Handballspieler. 2018 wurde er von Thinkers50, dem Ranking der führenden globalen Wirtschaftsdenker, aufgenommen.

Sie haben als Wirtschaftsphilosoph mehrere Bestseller geschrieben. Was möchten Sie den steirischen Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg geben?

Anders Indset: Dass wir mehr Handlungshelden brauchen. Die vergangenen Jahrzehnte standen voll und ganz im Zeichen der Optimierung. Jetzt muss unser Ansporn lauten, die Welt enkelfähig zu gestalten, also Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch einen Mehrwert für unsere Gesellschaft bringen. Wir müssen sozusagen nach besseren Problemen streben, dafür braucht es echtes Unternehmertum.    

Was verstehen Sie unter „besseren Problemen“?

Nehmen wir Corona her. Impfstoffe sind keine endgültige Lösung, aber mit Sicherheit besser als der Tod – also ein besseres Problem. Die vielen Krisen der vergangenen Jahre haben uns müde und träge gemacht. Wir leben in Negativerzählungen, und diesen müssen wir eine Öko-Utopie dagegenhalten. Wenn ich mir zum Beispiel das Thema Reisen anschaue, dann ist es höchst unrealistisch, von einem Rückgang bei Flügen und Schiffsfahrten auszugehen. Was nicht heißt, dass wir im Westen nicht versuchen sollten, uns einzuschränken. Aber wenn ich mir vor Augen halte, wie die Bevölkerungszahlen in Afrika und in anderen Teilen der Welt zunehmen und wo dadurch überall neue Mittelschichten entstehen, dann ist auch davon auszugehen, dass hier neue Reisebedürfnisse in großem Ausmaß aufkommen werden. Allein aus diesem Grund ist mit weiteren Steigerungen zu rechnen, egal  wie wir uns einschränken. Darum müssen wir in neue Technologien investieren, uns Flugzeuge zum Ziel setzen, die CO2 aus der Luft saugen, statt es zu verursachen. Oder Schiffe, die Plastik aus den Ozeanen saugen, eine Öko-Utopie als Positiverzählung. Denn Ziele kann man nur erreichen, wenn man sie sich setzt.

Wo müssten Ihrer Meinung nach die Hebel da überall angesetzt werden?

Es gibt ein organisiertes menschliches Leben, das nennt man Politik. Dieses ist heutzutage aber nicht mehr darauf ausgelegt, etwas Neues umzusetzen – im Gegenteil: Wir hören von den Politikern nur mehr, wogegen sie sind, aber nicht, wofür sie stehen. Darum liegt es an den Unternehmerinnen und Unternehmern, das unbekannte Neue zu wagen. Ich glaube in diesem Zusammenhang an die Leistungskultur.  

Kommen wir noch einmal auf die eingangs erwähnte Enkelfähigkeit zurück. Welche Grundsätze müssen für diese befolgt werden?

Schon im Jahr 1970 gingen in den USA anlässlich des ersten Tags der Erde rund 20 Millionen Menschen wegen des Klimawandels auf die Straße. Wir sind uns also schon sehr lange bewusst, dass es einen ökologischen Kollaps geben könnte. Trotzdem hat es in meiner Heimat Norwegen bis heute – oder besser gesagt bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs – gebraucht,  um Versäumnisse der Vergangenheit quasi über Nacht anzugehen. Ein Prozent des Meeresbodens wird jetzt für die Errichtung von Offshore-Windparks verwendet. Das wird bis 2040 den gesamten Energiebedarf des Landes decken, Norwegen wird damit zu einem riesigen Energieexporteur. Ein Beispiel von vielen, das zeigt, dass wir die Technologien zur Lösung unserer Herausforderungen heute bereits haben. Nur müssen wir diese auch einsetzen. Darum habe ich auch gesagt, dass wir jetzt Handlungshelden brauchen, Menschen, die Dinge in Bewegung setzen. 

Bleiben wir bei Ihrem Beispiel und dem derzeit alles überschattenden Energiethema: In der Öffentlichkeit wird darüber debattiert, ob Energie ein öffentliches Gut werden soll, also nicht nach Marktregeln bestimmt. Wie stehen Sie dazu?

Grundsätzlich hätten wir ja genug Energie, allein schon über die Sonne. Aber wir haben uns von billigem Gas abhängig gemacht, was auch Innovationen gehemmt hat. Jetzt haben wir ein Speicher- und Distributionsproblem, das können wir nur durch Investitionen lösen. Darum glaube ich auch nicht, dass Energie ein öffentliches Gut sein sollte, denn die bürokratischen Konstrukte, die das nach sich ziehen würde, wären alles andere als effizient und investitionsfördernd. Die Politik hat andere Möglichkeiten, nachzujustieren, etwa über Steuern.  

Wechseln wir zum Abschluss noch einmal das Thema. Die Grundlage jeder Innovation und jeden Fortschritts sind Menschen, die Neues wagen. Werden diese vom System ausreichend gefördert?

Wir brauchen eine Gesellschaft des Verstandes, das geht einher mit unserem Bildungssystem. Kinder bekommen hier einen Abschluss, das heißt, sie schließen die Bildung ab. Und sie werden daran gemessen, wie gut sie darin sind, Informationen für eine Stunde zu speichern. Also ein direkter Wettbewerb zum Handy, aber da schneiden wir vergleichsweise schlecht ab. Wenn wir also versuchen, ein Handy nachzuahmen, wird das Leben leblos. Wir müssen lernen, Dinge zu hinterfragen und dadurch besser zu verstehen.

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