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"In die Zukunft der Arbeit investieren"

Mit Martin Kocher hat ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte das Amt des Arbeitsministers übernommen: Im Interview verrät er, was in Corona-Zeiten ganz oben auf der Agenda steht und wie Jobs geschaffen werden sollen.

Martin Kocher
© IHS Der Ruf in die Politik kam für ihn selbst überraschend: Martin Kocher.

Herr Professor, Sie sind seit wenigen Tagen als Minister im Amt. Kam der Ruf in die Politik für Sie überraschend?

Martin Kocher: Um ehrlich zu sein, wurde ich von dem Angebot sehr überrascht. Der Anruf des Bundeskanzlers kam unerwartet, relativ spät am Samstagabend. Nach einem Gespräch mit meiner Frau habe ich dann nach ca. 20 Minuten zugesagt.

Sie wollten keine Einarbeitungszeit, zu drängend seien die Probleme. Was steht ganz oben auf Ihrer Agenda?

Kocher: Aktuell geht es darum, die Krise zu bewältigen. Da ist die Kurzarbeit das Kriseninstrument, mit dem wir eine Unterauslastung überbrücken und die Menschen in Beschäftigung halten. Je mehr Jobs wir jetzt sichern, umso schneller gelingt es uns im Aufschwung, weitere Jobs zu sichern und zurückzuholen. Zudem ist es wichtig, neben den aktuellen Maßnahmen in die Zukunft der Arbeit zu investieren. Ich denke dabei an Digitalisierung, Strukturwandel und den Fachkräftemangel, die die Arbeitswelt bestimmen werden. Das tun wir unter anderem mit der Corona-Joboffensive als Qualifizierungsinstrument.

Das derzeitige Kurzarbeitsmodell läuft Ende März aus. Wird es verlängert, und wäre eine Nachbesserung sinnvoll?

Kocher: Die Kurzarbeit wird in der einen oder anderen Form auch nach Auslaufen der Phase drei Ende März bestehen bleiben. Die Frage des Wie hängt von der Entwicklung der Infektionslage und der Nachfrage ab. Eine mögliche Nachfolgeregelung ist gerade Gegenstand von Gesprächen mit den Sozialpartnern. 

In der Steiermark waren zuletzt um 25 Prozent mehr Menschen arbeitslos oder in Schulungen als im Jahr zuvor. Wie kann der Weg aus der Krise gelingen?

Kocher: Die wichtigste Maßnahme ist die Senkung der Infektionszahlen. Gleichzeitig gilt es, den Arbeitsmarkt auf den Aufschwung vorzubereiten, denn auch jetzt gibt es viele Betriebe, die dringend gut ausgebildete Arbeitskräfte suchen. Umgekehrt kann so die Arbeitslosigkeit so schnell wie möglich wieder abgebaut werden. Erfolgen Öffnungsschritte, wird es – gemeinsam mit unseren Maßnahmen – einen Aufschwung geben. 

Der Lockdown geht in die Verlängerung: Reichen Maßnahmen wie Umsatzersatz, Fixkostenzuschuss und Ausfallsbonus, um Unternehmen und Jobs zu retten?

Kocher: Am Arbeitsmarkt ist es derzeit ähnlich wie mit den Infektionszahlen: Das Niveau, mit dem man in den Lockdown hineinstartet, ist mitentscheidend. Natürlich wirkt ein Lockdown belastend auf die Wirtschaft und verschiebt die Erholung des Arbeitsmarkts etwas nach hinten. Meiner Meinung nach ändert ein längerer Lockdown aber nichts an den Chancen der Erholung. Entscheidend ist, wie wir wieder aus der Krise kommen. Ich denke, hier sind wir mit Maßnahmen wie der Kurzarbeit gut aufgestellt.

Wäre auch eine Verlängerung der Investitionsprämie – wie zuletzt von der steirischen Industrie gefordert – sinnvoll?

Kocher: Die Antragsfrist für die Investitionsprämie wurde gerade verlängert. Ich denke, sie ist eine wichtige Maßnahme, die auch am Arbeitsmarkt helfen wird.

Wie soll es längerfristig gelingen, Beschäftigung zu schaffen? Welche Rolle spielen dabei Qualifizierung und Fachkräftemangel?

Kocher: Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sind der Schlüssel, um gut ausgebildete Arbeitskräfte zu haben, wenn die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt. Mit der Joboffensive investieren wir daher 700 Millionen Euro in diesem Bereich. Es besteht die Möglichkeit, sich in Branchen weiterzubilden, in denen dringend Arbeitsplätze gebraucht werden. Zum Beispiel gibt es viele geförderte Möglichkeiten, um sich in der Pflege oder im Digitalisierungsbereich weiterzubilden.

Corona hat den Alltag in den Betrieben auf den Kopf gestellt, Stichwort Homeoffice. Was wird davon bleiben?

Kocher: Homeoffice hat durch die Pandemie stark an Bedeutung gewonnen. Studien belegen, dass Betriebe und Beschäftigte unter anderem die Flexibilität des Homeoffice schätzen. Daher erwarte ich, dass die Nachfrage auch nach der Pandemie weiterbestehen wird.

Wirtschaftsforscher prognostizieren eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Teilen Sie aus Sicht des Arbeitsministers diesen Optimismus? 

Kocher: Der Zeitpunkt der Erholung hängt davon ab, wie rasch die Impfung die Infektionszahlen eindämmt. Abgesehen davon teile ich aber den Optimismus, was die wirtschaftliche Erholung betrifft. Der Abbau der Arbeitslosigkeit wird uns aber noch ein paar Jahre begleiten. Ich sehe es als meine Aufgabe, diese Entwicklung zu beschleunigen. 


Zur Person: 

Martin Kocher, geboren 1973 in Salzburg. VWL-Studium in Innsbruck, Doktorat, universitäre Laufbahn mit Professuren in München, Brisbane, Norwich und Göteborg. Seit 2016 wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien, Präsident des Fiskalrats. Seit 11. Jänner 2021 Bundesminister für Arbeit. 


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