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"Im zweiten Halbjahr geht es bergauf"

Christoph Badelt, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), im Interview: Warum der Ökonom im Jahr eins nach Corona eine spürbare Wirtschaftserholung erwartet und wo er die Stärken der steirischen Wirtschaft sieht.

Christoph Badelt
© WIFO Christoph Badelt sieht eine wirtschaftliche Entspannung in der zweiten Jahreshälfte.

Herr Professor, die Corona-Pandemie hat die österreichische Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Wie fällt Ihr Blick auf das Jahr 2020 aus der Retrospektive aus?

Badelt: Es war ein sehr schwieriges Jahr mit den größten ökonomischen Verwerfungen seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Wir haben noch nie so einen starken Einbruch im Wachstum erlebt – mit dramatischen Folgen für den Arbeitsmarkt: Im ersten Lockdown wurde die Hälfte des Arbeitskräftepotenzials nicht gebraucht. Nach einer Erholung im Sommer mit Effekten im Handel und auch im Tourismus sind dann im Herbst die Infektionszahlen wieder stark gestiegen – mit den bekannten Folgen.

Wir sind im dritten Lockdown. Reichen Maßnahmen wie Umsatzersatz und Fixkostenzuschuss aus, um Betriebe durch die Krise zu bringen? 

Badelt: Die Maßnahmen sind positiv, auch wenn es bei der Umsetzung Probleme gab. Ebenso war die Investitionsprämie eine sinnvolle Maßnahme, weil Investitionen, die bereits in der Schublade waren, mit der Prämie realisiert wurden. Die freigegebenen Gelder – in Summe rund 50 Milliarden Euro – wurden aber nur zum Teil abgeholt, etwa im Bereich der Kurzarbeit. 

War die Corona-Kurzarbeit zielführend, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern?

Badelt: Auf jeden Fall. Ich gehe davon aus, dass diese Maßnahme über den März hinaus noch verlängert wird. Hier wäre es aber sinnvoll, nach Branchen zu differenzieren. So wird in der Gastronomie nach der Öffnung keine Kurzarbeit mehr nötig sein. Außerdem wäre eine Staffelung anzudenken, um mehr Anreize zum Arbeiten zu setzen, und zwar auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. Für Arbeitnehmer wäre es ein Anreiz, mehr zu verdienen, wenn mehr gearbeitet wird. Und für Arbeitgeber darf es nicht reizvoller sein, Förderungen zu lukrieren, als Umsätze zu erzielen.

Wie beurteilen Sie die Lage am Arbeitsmarkt mit aktuell über 500.000 Arbeitslosen?

Badelt: Das macht mir schon große Sorgen. Während der Konsum rasch wieder anzieht, erholt sich der Arbeitsmarkt nur langsam. Statistisch gesehen rutschen viele in die Langzeitarbeitslosigkeit, und da es für den heurigen Wintertourismus nur wenig Hoffnung gibt, wird die saisonale Arbeitslosigkeit im Tourismus nicht reduziert werden können.

Wenn Sie ins Jahr 2021 blicken, wie fällt Ihre Prognose in Zahlen gegossen aus? 

Badelt: Trotz großer Herausforderungen rechnen wir mit einem Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte. Für das Gesamtjahr gehen wir von einem Wachstum von 2,5 Prozent aus. Das Budgetdefizit dürfte von rund zehn Prozent des BIP heuer auf 6,2 Prozent sinken. Laut unserer Prognose wird die Arbeitslosenquote heuer von 9,9 Prozent auf 9,3 Prozent zurückgehen.

In welchen Bereichen wird die Wirtschaft sich rascher erholen, wo wird es noch dauern?

Badelt: In der Industrie und im Handel gehen wir bald von einem Aufschwung aus. Die Steiermark zählt da als hochindustrialisiertes und exportorientiertes Bundesland zu den Zugpferden. Im internationalen Tourismus wird es wohl noch dauern. Gäste aus Asien oder den USA werden noch länger nicht kommen, was sich negativ auf den Städtetourismus etwa in Graz auswirken wird. Und das trifft in der Folge auch die kleingewerblichen Zulieferbetriebe. Im Inlandstourismus sehe ich aber viel Potenzial, wie etwa die Steiermark schon letzten Sommer bewiesen hat. Auch als Thermenland kann die Steiermark sicher punkten, wenn wieder geöffnet wird.

Was brauchen die Betriebe jetzt abgesehen von Finanzspritzen am dringendsten?

Badelt: Natürlich wünscht sich jeder Betrieb Planbarkeit. Diese Art von Sicherheit wird es aber nicht geben. Die Politik tut alles, um Unternehmen zu retten. Die Regierung wurde ja für die Aussage „Koste es, was es wolle“ scharf kritisiert. Ich würde aber sagen, das war goldrichtig.

Welche Rolle spielt die Stimmung, um die Konjunktur wieder in Fahrt zu bringen?

Badelt: Gerade im Bereich der Investitionen ist die Stimmung wesentlich. Ohne Gewinnerwartungen investiert kein Unternehmen, auch wenn die Förderung noch so hoch ist. Beim Konsum zeigt sich die Verunsicherung in Kaufzurückhaltung – und in einer hohen Sparquote. Wenn sich die Stimmung aber aufhellt, sinkt die Angst vor dem Jobverlust, man kauft wieder mehr – und das kurbelt den Konsum und damit die Konjunktur an.

Sie geben im Sommer die Leitung des WIFO ab. Hätten Sie sich das letzte Halbjahr nicht etwas ruhiger vorgestellt?

Badelt: 2021 wird ähnlich turbulent sein wie das Vorjahr – und es wird hohe Ansprüche an uns stellen. Ich werde nächsten Monat 70 Jahre und mache einen Schritt zurück, um mehr Gestaltungsspielraum zu haben. Ich habe noch viel vor.

Zur Person: Christoph Badelt (geboren 1951) ist studierter Volkswirt und emeritierter Professor an der WU Wien. Ab 2002 war er dort Rektor. 2015 kehrte er in seine ursprüngliche Tätigkeit als Professor ans Institut für Wirtschafts- und Sozialpolitik zurück. Im Jahr 2016 übernahm er die Leitung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO).


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