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"Der Entsendebonus ist ganz klar Lohndumping"

Traditionell bittet die "Steirische Wirtschaft" die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen zum Sommergespräch. Den Auftakt macht FW-Chef Erich Schoklitsch mit einem Plädoyer für mehr "Fair Play".

Erich Schoklitsch (l.) – hier im Interview mit Chefredakteur Mario Lugger – ist steirischer Landesobmann und Bundesobmann-Stv. der Freiheitlichen Wirtschaft. Außerdem ist er stellvertretender Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKO Steiermark.
© Foto Fischer Erich Schoklitsch (l.) – hier im Interview mit Chefredakteur Mario Lugger – ist steirischer Landesobmann und Bundesobmann-Stv. der Freiheitlichen Wirtschaft. Außerdem ist er stellvertretender Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKO Steiermark.

Wir haben die Merkur Arena als Ort unserer Sommergespräche gewählt, weil wir uns vor allem dem Thema Fairness widmen wollen. Schließlich braucht es diese nicht nur im Sport, sondern auch in der Wirtschaft. Darum die Frage: Für welches Foul würden Sie hier die rote Karte zücken?

Erich Schoklitsch: Meine rote Karte ziehe ich für die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Und ich zeige sie auch den hereinarbeitenden Unternehmen, die Lohndumping betreiben. Ebenso verwarne ich damit die aktuelle Regierung, die sich auf die Fahnen heftet, zu verwalten, statt zu gestalten – was ja nichts anderes als ein halbes Jahr Stillstand bedeutet. Das ist bitter für den Wirtschaftsstandort. 

Der heimische Mittelstand klagt verstärkt über neue Konkurrenz – Stichwort Uber etc. –, für die nicht dieselben Spielregeln gelten. Ein Verstoß gegen das Fairnessgebot?

Schoklitsch: Absolut! Wenn Firmen wie Amazon, Airbnb oder Uber in Österreich so gut wie keine Steuern leisten und sich nicht an die Regeln halten – etwa an Kollektivverträge –, dann ist das unfair und muss geändert werden. Dafür braucht es aber keinen nationalen Alleingang, so etwas muss EU-weit wirksam geregelt werden.

Wechseln wir zum Thema Fachkräftemangel. Um in der Fußballersprache zu bleiben: Woher soll die Wirtschaft neue Mitspieler bekommen?

Schoklitsch: Der Fachkräftemangel ist ein europaweites Problem und Mitarbeiter einfach aus dem Nachbarland zu holen, funktioniert nicht mehr. Trotzdem muss man aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinausschießt – wie es die Slowenen aktuell mit dem Entsendebonus tun. Das ist eine gefährliche Entwicklung, die man ganz genau beobachten muss. 

Was braucht es also, um den „Kader“ zu füllen?

Schoklitsch: Wichtig ist, das vorhandene Potenzial noch besser zu nutzen – etwa, indem man das duale Ausbildungssystem um die digitale Kompetenz erweitert und noch stärker in der Berufsorientierung ansetzt. Mit dem Talentcenter zeigt hier die WKO Steiermark international eindrucksvoll vor, wie man der Problematik vorausschauend begegnen kann.

Aber wird es ohne qualifizierte Zuwanderung gehen?

Schoklitsch: Wenn die Konjunktur so weiterläuft, wird es defintiv nicht ohne gehen. Die Frage ist aber, wie man die Qualifizierung von Mitarbeitern aus anderen Ländern richtig messen kann – noch bevor man diese ins Land holt.

Wechseln wir kurz das Spielfeld und kommen zur WKO: Da wird die Pflichtmitgliedschaft immer wieder heiß diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Schoklitsch: Ein schnelles Abschaffen ist sicherlich nicht das Thema – man muss das Ganze schon konkret zu Ende denken. Würde man das machen, bestünde die Gefahr, dass vor allem Große abspringen. Es braucht aber ein breites Leistungsspektrum für alle, nichtsdestotrotz muss sich die WKO als moderne Serviceorganisation verstehen. 

Was wünschen Sie sich von der nächsten Regierung?

Schoklitsch: In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir auf Bundesebene eine positive Entwicklung gesehen: Es wurde die Arbeitszeitflexibilisierung durchgebracht und die Zusammenführung der Sozialversicherungen sowie eine Steuerreform auf Schiene gebracht. Ich wünsche mir von der neuen Regierung, dass sie hier weiter voranschreitet – alles andere wäre grob fahrlässig. 

Wo spielt hier aus Ihrer Sicht die Steiermark bereits in der Champions League und wo vielleicht nur in der Regionalliga?

Schoklitsch: Bei Forschung und Entwicklung wie auch in der Produktivität sind wir ganz klar Champions League. Wo wir als Wirtschaftsstandort sicherlich nicht vorne mitspielen, ist der Bereich der Bürokratie: Hier gibt es noch zu viele Blockaden und von fairem Umgang mit der Wirtschaft ist oft nicht viel zu sehen.

Aktuell schwächelt die Konjunktur. Was wäre hier zu tun?

Schocklitsch: Die positive Grundstimmung fehlt. Was es nun also dringender denn je braucht, sind Verbesserungen in den Rahmenbedingungen, etwa indem man die Steuerreform umsetzt und die Lohnnebenkosten senkt.

Welche Schwerpunkte möchte Ihre Fraktion setzen? 

Schoklitsch: Neben der Aus- und Weiterbildung gilt es, dem Sozial­dumping weitere Riegel vorzuschieben. Und wir werden auch nicht müde, die vielen noch ausstehenden Reformen einzufordern.

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